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Freitag, 27. Februar 2026

Fünfte Generation des Bestsellers startet im Oktober

Volkswagens Fünfte: Erste Details und Bilder zum neuen Golf

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VW Golf V
© Volkswagen AG
Volkswagens Fünfte, die fünfte Generation des Golf, ist – und das unterscheidet sie wenig von ihren Vorgängern – gewissermaßen eine Schicksals-Symphonie für Volkswagen. Vom Erfolg des Bestsellers hängt das Wohl und Wehe des gesamten VW-Konzerns und seiner Mitarbeiter ab. Nachdem Opel schon in der vergangenen Woche überraschend erste Details und Bilder zum neuen Astra veröffentlicht hatte (Autokiste berichtete), gehen nun auch die Wolfsburger aus der Deckung und zeigen den Golf V, der wie sein schärfster Widersacher auf der IAA in Frankfurt Mitte September seine Publikumspremiere erlebt. Während der Astra erst im Frühjahr 2004 auf die Straßen rollen wird, startet die Golf-Produktion bereits im Oktober an drei Standorten; noch bis Jahresende sollen über 100.000 neue Golf ausgeliefert werden.

Seit seinem Debüt ist der Golf ein unverwechselbares Auto. Es gehört zu den Geheimnissen seines Erfolges, dass Volkswagen hier ein "fälschungssicheres" Original schuf. Über vier Generationen wurde dieses Design gepflegt, perfektioniert und zum stilistischen Spiegelbild seiner Zeit und der vielzitierten "Generation Golf". Waghalsige Experimente waren denn auch nicht gefragt: In Design und Technik orientiert sich die Neuauflage an ihren erfolgreichen Vorgängern, und ist doch völlig neu und größer als je zuvor.
Was haben wir – und mutmaßlich auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser – lange warten müssen: Während viele Magazine, Online-Anbieter und selbst seriöse Blätter wie die Süddeutsche Zeitung seit Monaten nicht müde wurden, immer wieder Computerretuschen des Golf V fälschlich als echte Bilder oder gar Erlkönig-Fotos anzupreisen, hat Volkswagen geschwiegen wie ein Grab. "Keine Infos, keine Bilder", war unisono die Auskunft aus Wolfsburg, wo es doch sonst (seltsamer) Usus ist, neue Modelle schon Monate vor ihrer Markteinführung ausführlich zu präsentieren. Das hat damit zu tun, dass der Absatz des noch aktuellen Modells nicht unnötig gefährdet werden sollte, zeigt aber letztlich vor allem die Sonderstellung des Golf:

Als der erste Golf 1974 auf den Markt kam, ahnte in Wolfsburg wohl niemand, dass der kleine Fronttriebler mit dem wassergekühlten Motor keine dreißig Jahre brauchen würde, um die Produktionszahlen des legendären Käfer einzustellen und, quasi nebenbei, auch die des Ford T-Modells aus der Anfangszeit des Automobils. Jenseits aller Verkaufsrekorde in Deutschland, wo der Golf seit Jahren auf Platz 1 der Zulassungsstatistik abonniert zu sein scheint, und großen Erfolgen auch in vielen anderen Ländern, prägte das Modell seine eigene Klasse: Der Begriff "Golf-Klasse" steht schon lange für kompakte Drei- und Fünftürer mit Frontantrieb der unteren Mittelklasse, obwohl jedenfalls der Namensgeber angesichts seiner Qualitäten, der Ausstattungsoptionen, des Leistungsniveaus mit Vier-, Fünf- und Sechszylindermotoren, des optionalen Allradantriebs und nicht zuletzt auch angesichts der Preise eigentlich schon längst eine Klasse höher anzusiedeln ist.

Wenn wichtige Auto-Neuheiten, etwa ein Dreier-BMW oder die Mercedes E-Klasse, auf den Markt kommen, dann ist viel los in den Redaktionen der Auto-Presse; wenn Unterlagen zum neuen Golf auf dem Schreibtisch landen, herrscht quasi Ausnahmezustand. Heute, am 23. Juli 2003, fast exakt sechs Jahre nach den ersten Fotos des Golf IV, ist es wieder so weit, und nun wollen wir Sie auch nicht länger auf die Folter spannen:

Die wichtigste Nachricht zuerst: Der Golf V ist im Design unverkennbar ein Golf geblieben, was die einen erleichtert zur Kenntnis nehmen werden, den anderen aber nur ein "schon wieder Langeweile" entlocken dürfte. Da in Anbetracht der Verkaufszahlen die erstere Gruppe wohl deutlich dominiert, darf das als gute Nachricht gelten.

Insgesamt ist der Golf nochmals ein Stück erwachsener geworden, was sich auch in abermals gewachsenen Außenmaßen niederschlägt. Die Karosserie hat in allen Dimensionen zugelegt: Die Länge wuchs um 57 Millimeter auf jetzt 4,20 Meter, die Breite um 24 Millimeter auf jetzt 1,76 Meter und die Höhe um deutliche 39 Millimeter auf jetzt 1,48 Meter. Das Wachstum kommt dabei vor allem den Passagieren zu Gute: Die Beinfreiheit im Fond wächst um 65 Millimeter, die Kopffreiheit um 24 Millimeter hinten und acht vorne. Das Kofferraumvolumen beträgt jetzt 347 (bisher 330) Liter.

Ein Blick aufs Design: Vorne gibt es wiederum jeweils zwei Doppelscheinwerfer unter einer gemeinsamen Klarglasabdeckung - eine Bauweise, die der Golf IV 1997 eingeführt und später herstellerübergreifend bis hin zu Lieferwagen übernommen wurde. Die Blinker sitzen nun in einem schmalen waagerechten Band - Assoziationen an den Phaeton sind nicht zufällig. Über den Scheinwerfern steigen die jetzt deutlich nach oben gewölbten Kotflügeloberflächen an. Als Teil der Motorhaube bilden sie gemeinsam mit dem Kühlergrill ein V-förmig angedeutetes Designmerkmal. Der Kühlergrill selbst ist im Wesentlichen dem klassischen Stil seit dem Golf III treu geblieben. Die Nebelscheinwerfer sitzen nun in der Frontschürze, die sich angenehm unauffällig gibt. Durch den neuen Einbauort für die Nebelscheinwerfer dürfte sich nicht nur deren Lichtausbeute signifikant verbessern, sondern künftig auch die Kombination von Xenon oder Bi-Xenon-Licht mit Nebelscheinwerfern lieferbar sein - die Golf IV-Käufern immer verwehrt blieb. An der Frontschürze fallen nur die nicht mehr seitlich herumgezogenen Schutzleisten auf. Das VW-Logo ist groß wie bisher und leicht in die Motorhaube eingeschnitten, letztere verzichtet auf Lufteinlässe und auch weitgehend auf Kanten und Sicken.

Die Seitenpartie ist ebenfalls Golf-like geblieben, was insbesondere eine gerade Fensterkante und eine breite C-Säule bedeutet. Leicht verändert zeigt sich das dritte Seitenfenster, das nun einen etwas anders gezeichneten Knick hat. Die Kante der hinteren Tür ist noch etwas gerader und verläuft parallel zur seitlichen Kante am Fahrzeugheck. Dort vertraut der Golf künftig auf geteilte Rückleuchten mit - der Phaeton grüßt wieder - Doppelrundaufbau. Soweit auf den ersten Bildern zu erkennen, ist der Blinker klein und rund inmitten eines größeren Lichtkreises. Ob das Bremslicht ein eigenes Segment behält, wie es schon der Golf I hatte, ist derzeit nicht genau zu sagen, aber zweifellos zu hoffen. Die Heckschürze ist voluminös geraten, insbesondere an den Seiten, steht aber nicht mehr soweit hervor wie beim aktuellen Modell. Die Ladekante ist weit heruntergezogen, wohl sogar etwas weiter als bisher. Die große Heckscheibe sorgt stilistisch mit ihrem bis jetzt bis an die C-Säulen reichenden Glaskörper für Transparenz und Leichtigkeit, aber auch ein bisschen für weniger optische Solidität. Die dritte Bremsleuchte sitzt nun außen an der Karosserie in einem kleinen Dachkantenspoiler, der eigentlich völlig überflüssig ist. Dahinter reckt sich eine auffallend kurze Antenne gen Himmel, wobei bisher noch nicht klar ist, ob dies für alle Modelle gilt oder nur für jene mit Navigationssystem.

Einen Griff sucht man an der Heckklappe vergebens. Diese Aufgabe hat nun offenbar das große VW-Logo übernommen, ähnlich wie VW dies bereits beim Beetle gelöst hat. Während man dort das Logo noch dreht, um an den Öffnungsmechanismus zu gelangen, wird beim Golf mutmaßlich die Seat-Lösung zum Einsatz kommen: Oben drücken, und am dann herausstehenden unteren Ende des Emblems die Klappe öffnen. Noch praktischer freilich wäre ein Soft-Open-Griff in einer Leiste gewesen, aber das geht nicht, weil das Kennzeichen weiterhin im Stoßfänger sitzt und so eine Leiste nicht formschön hätte integriert werden können. Das Ergebnis ist eine sehr sauber gegliederte Heckklappe ohne störenden Firlefanz - bis auf die beiden Schriftzüge, die nun weit unten sitzen, aber wohl auch im neuen Golf abbestellt werden können.

Im übrigen: Die seitlichen Blinker sitzen nun vorne unten in den Außenspiegeln, aber viel dominanter als bei Beetle und Touran; der Tankdeckel bleibt rund und von innen zu öffnen. Selbstverständlich, dass auch der Golf V auf Bügeltürgriffe setzt und eine doppelte Kennzeichenbeleuchtung und vernünftige Scheibenwischergeometrie ebenso aufweist wie schmale Karosseriefugen. Auch seitliche Schutzleisten wurden nicht vergessen. Angenehm: Auch der neue Golf verzichtet auf unnötige Plaketten oder Aufkleber mit Ausstattungsnamen oder ähnlichem an der Flanke, wie es sich für ein ernstzunehmendes Auto gehört. In der statischen Steifigkeit wurde die Karosserie laut VW um satte 80 Prozent verbessert; sie markiere damit den Spitzenwert im Konkurrenzumfeld.

Insgesamt wirkt der Golf V eine Spur moderner als das noch aktuelle Modell und einen Tick dynamischer. Auch der Größenzuwachs wird sichtbar, durch eine Streckung des Radstandes und dadurch kleinere Karosserieüberhänge aber gut kaschiert. Dennoch, wie eingangs schon erwähnt, ist der Golf deutlich auf dem Weg in höhere Sphären, was nicht immer ein Vorteil sein muss.

Sein Debüt feiert der Golf gleichzeitig als Drei- und Fünftürer. Ob es wirklich Sinn macht, dass VW die bisherigen Ausstattungslinien "Basis", "Trendline", "Comfortline" und "Highline" nun zu "Trendline", "Comfortline" und "Sportline" umbenannt hat, mag bezweifelt werden, wo doch Comfortline bisher immer als "Opa-Line" galt und der Begriff "Sportline" schon vor vielen Jahren von Mercedes verwendet wurde. Wie bisher haben alle Versionen sechs Airbags und ESP samt Bremsassistent. Neu: Fünf Kopfstützen, die vorderen erstmals aktiv ausgelegt, und fünf Dreipunktgurte sind künftig ebenfalls Standard. Außerdem sorgt eine neu entwickelte Sicherheits-Lenksäule und eine beim Crash zurückweichende Pedalerie für noch mehr Sicherheit.

Einen Blick ins Interieur mag VW noch nicht gewähren, den gibt es wohl erst Anfang September. Die Bedienung soll keinerlei Rätsel aufgeben, heißt es, alle Funktionsebenen seien klar getrennt, alle Tasten und Schalter intuitiv bedienbar. Das hatten wir anders auch nicht erwartet, beantwortet freilich aber auch noch nicht die Frage nach der optischen Gestaltung und Wertanmutung. Letztere war ja etwa beim Touran eher schlechter als beim Golf IV. Natürlich hält massiv Elektronik Einzug in den Golf. Die sorgt etwa dafür, dass die Klimaautomatik beim Rückwärtsfahren auf Umluft schaltet oder das Betätigen der Scheibenwaschanlage die Frischluftzufuhr stoppt. Apropos Klimaanlage: Das automatische System "Climatronic" bietet künftig endlich eine für Fahrer und Beifahrer getrennt regelbare Temperatureinstellung, bleibt aber ein Extra. Ob die manuelle Klimaanlage Serienstandard sein wird, hat VW bisher noch nicht verraten, wie überhaupt Ausstattungen noch nicht bekannt sind.

Die Sitze sind völlig neu gestaltet, optional gibt es im E-Sitz erstmals auch eine elektrische 4-Wege-Lordosenunterstützung. Ebenfalls als Sonderausstattung erhältlich sind künftig eine Standheizung und eine nach vorne umklappbare Beifahrersitzlehne zum Transport besonders langer Gegenstände.

Beim Fahrwerk vertraut VW vorne auf eine eine optimierte Federbeinachse; hinten kommt eine neu entwickelte Mehrlenkerachse zum Einsatz. Die Handling- und Komforteigenschaften sollen außerdem durch die neue elektromechanische Servolenkung profitieren. Auch die Bremsanlage wurde in nicht näher spezifizierter Art überarbeitet.

Noch ein Blick unter die Haube - hier setzen die Wolfsburger weiterhin auf Direkteinspritzung, und das auch trotz bisher mäßigen Erfolgs bei den Benzinern. Motorische Basis bleibt der 75 PS leistende Benziner mit 1,4 Litern Hubraum und konventionellem Arbeitsprinzip - eine ordentliche, wenngleich schwache und nicht sehr sparsame Maschine. Darüber rangiert der aus dem Touran bekannte 1,6 Liter-FSI mit 115 PS. Bei den Dieseln stehen zunächst das bekannte 1,9 Liter-Aggregat mit nun 105 PS und der neue 2 Liter-TDI mit 140 PS zur Verfügung, der ebenfalls bereits im Touran und auch im neuen Audi A3 zum Einsatz kommt. Alle Motorisierungen erfüllen die EU4-Abgasnorm, auch die Diesel. Von einem Rußfilter ist bisher jedoch nichts bekannt, aber anzunehmen, dass ein solcher in nicht allzu ferner Zukunft zumindest optional angeboten wird - schließlich dürfte ein Diesel ohne Rußfilter für die Kunden schon bald zu massivem Wertverlust führen.

Die Kraftübertragung übernimmt beim stärkeren TDI und auch beim FSI ein Sechsganggetriebe, optional ist auch eine ebenfalls sechsstufige Automatik erhältlich. Der TDI kann darüber hinaus mit dem Direktschaltgetriebe DSG geordert werden, das seine Premiere im Golf IV R32 feierte. Automatik und DSG werden allerdings erst Anfang 2004 verfügbar sein. Die schwächeren Varianten werden jedenfalls zunächst mit einem Fünfganggetriebe Vorlieb nehmen müssen.

Vier weitere Motorisierungen hat VW bereits für "kurz nach der Markteinführung" angekündigt, darunter zwei FSI-Motoren und ein SDI, der rund 75 PS aus zwei Litern leisten dürfte. Vierter im Bunde ist vermutlich der konventionelle 1,6 Liter-Vierzylinder mit 105 PS. Stärkere Aggregate und wohl auch wieder ein Sechszylinder sind erst im Verlaufe des kommenden Jahres zu erwarten.

Einen Golf-Kombi wird es von der neuen Generation voraussichtlich nicht mehr geben, stattdessen aber eine Hochdach-Version mit mehr Platz und Variabilität. Ob diese dann "Golf" heißen wird und inwieweit sie sich vom Touran wird abgrenzen können, bleibt abzuwarten, ebenso wie die Neuauflage des Golf Cabrio. Die oft verkannte Bora Limousine muss sich ihrem Image-Mangel aus Jetta- und Vento-Zeiten nun endgültig beugen und wird eingestellt, ebenso wie der sowieso überflüssige Bora Variant. Preise für den Golf mag VW bisher nicht verraten, aber es ist anzunehmen, dass sie - zumindest ausstattungsbereinigt - nicht über dem sowieso schon hohen Niveau des aktuellen Modells liegen werden. Das würde einen Einstiegspreis von rund 15.300 Euro für einen dreitürigen Golf mit 75 PS bedeuten. Besser motorisierte und ausgestattete Varianten nähern sich denn aber auch schnell der 25.000 Euro-Marke: Dass die "Generation Golf" gewillt ist, dies zu akzeptieren, ist anzunehmen; fraglich allein, ob sie in der derzeitigen Situation dazu auch in der Lage ist.

Fazit: Große Innovationen in Design oder Technik gibt es offenbar nicht, aber auch das kann durchaus eine gute Botschaft sein. Der Golf war immer "nur" ein gutes oder sehr gutes Auto, und ein zeit- und klassenloses dazu. Nach dem ersten Eindruck hat sich hieran nichts geändert: Volkswagens Fünfte klingt schön. Er läuft und läuft und läuft.
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