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Limousine mit mehr Platz, Aktivlenkung und HeadUp-Display kommt im Juli

Vorstellung: Erste Details und Bilder zum neuen 5er-BMW

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Bild anklicken für Großansicht Neu ab Juli:
BMW 5er-Reihe
© BMW AG
Seit Monaten schon geistern mehr oder weniger zutreffende Infos und Fotomontagen, die als Fotos angepriesen werden, über den neuen BMW 5er durch die Medien - nun ist es soweit: Heute haben die Münchner erstmals offiziell Details und Bilder veröffentlicht.

Seit der Neuauflage der 7er-Reihe und des Z4 gilt besonderes Augenmerk zunächst dem Design, das in jüngster Zeit längst nicht überall auf Zustimmung gestoßen ist. Nun, wie ist er geworden, der neue 5er? Die gute Nachricht zuerst: Die neue Münchner Mittelklasse ist längst nicht so auffällig und unruhig gestylt wie die schon angesprochenen 7er- und Z4-Modelle. Dennoch - die Sektkorken haben in der Autokiste-Redaktion nicht geknallt, als die ersten Bilder eingetroffen sind.

Die Frontpartie zeigt zunächst einen klassischen BMW-Kühlergrill, daneben drapieren sich zwei Rundscheinwerfer unter einer gemeinsamen Klarglasabdeckung - soweit nicht viel Neues. Auffällig ist die Form der Scheinwerfer, die sich außen weit nach oben in den Kotflügel erstrecken und so einen sehr schmalen, aber langen und nach oben gebogenen Blinker ermöglichen. Die Motorhaube ist weit in die Kotflügel eingeschnitten - an sich ein unübliches Styling in dieser Klasse, das aber vielleicht auch nur gewöhnungsbedürftig ist. Die Seitenansicht birgt keine Überraschungen - gerade Linien, normale Außenspiegel, der Verzicht auf Schutzleisten (die man in engen Parklücken vermissen wird) und die typische BMW-Fensterform zeigen ein kraftvolles Auto, das nun wie schon die Modelle der 3er-Reihe auch endlich über stabile und praktische Bügeltürgriffe verfügt. Im Gegensatz zu Mercedes und neuerdings auch VW sitzt der Seitenblinker weiterhin im Kotflügel, aber nicht so auffallend hoch wie beim aktuellen Dreier.

Die Heckpartie nimmt Anleihen beim großen Bruder, ist aber insgesamt etwas unauffälliger gezeichnet. Insbesondere die wie die Scheinwerfer weit herumgezogenen Rückleuchten, die außer für die Blinker auch keine klare Einteilung mehr erkennen lassen, fallen ins Auge. Im übrigen: In der Stoßstange gibt es zusätzliche Katzenaugen, das Nummernschild sitzt wie bisher im Kofferraumdeckel, BMW-Emblem und Schriftzug sind an bekannter Stelle. Obschon technisch nicht notwendig, sitzt die Antenne für das Navigationssystem immer noch optisch dominierend auf dem hinteren Dachabschluss - der Nachbar soll eben auch sehen, was Mann oder Frau sich alles leisten kann.

Im Innenraum soll es mehr Platz als bisher geben, und das natürlich auch komfortabler. Der Fahrer blickt auf zwei Rundinstrumente, die jeweils im unteren Bereich zwei kleine ebenfalls analoge Anzeigen für Kraftstoffvorrat und Momentanverbrauch haben. Dazwischen sitzt ein kleines Display. Weil es wie im 7er ein Wasserthermometer nicht mehr gibt, werden hier bei drohender Überhitzung auch entsprechende Warnhinweise angezeigt - eine Lösung, die nicht vollständig zu überzeugen weiß, da der Fahrer so über den Zeitpunkt des Erreichens der Betriebstemperatur im Unklaren gelassen wird.

Die Hauptfunktionen werden über das Multifunktionslenkrad und drei Lenkstockhebel gesteuert. Alle weiteren Einstellungen lassen sich über den aus dem 7er bekannten Dreh-Drücksteller auf der Mittelkonsole steuern. Der dazugehörige Monitor, der auch für Radio und Navigation zuständig ist, sitzt hoch oben auf der Mittelkonsole - für die Passagiere gut sichtbar, aber optisch wie schon im 7er nicht überzeugende Lösung - BMW nennt das "spannungsvolle Linien und Flächen". Das System sei gegenüber dem 7er hinsichtlich der Benutzerführung deutlich verbessert worden, hieß es. Die Klimatisierungsbedienung wird nun sinnvollerweise wieder über eine separate Bedieneinheit gesteuert. Außerdem wurde "iDrive" im 5er mit einer konventionellen Mittelschaltung und Handbremse kombiniert. Letztere nämlich ist im 5er entgegen unseren Erwartungen nach wie vor manuell und nicht elektrisch gesteuert - die zuverlässigere und günstigere Variante.

Die Kunden können den neuen 5er in fünf Ausstattungsvarianten und vier Interieur-Farbwelten wählen. Vor allem im Fond gibt es mehr Platz als bisher; auch der Kofferraum ist größer als im Vorgängermodell. Zur Serienausstattung zählt unter anderem eine neue Klimaautomatik mit adaptiver Regelung der Verdampfungstemperatur, die ein Unterkühlen und Austrocknen der Schleimhäute verhindern und eine individuelle Temperaturschichtung ermöglichen soll.

Zur Markteinführung im Juli 2003 stehen zunächst drei Motoren zur Wahl: Das Einstiegsmodell ist der 520i (das schon längst selbstverständliche "i" in der Modellbezeichnung bleibt weiter erhalten), dessen Sechszylinder 170 PS leistet. Der größere Bruder schöpft 231 PS aus drei Litern Hubraum und entwickelt ein Drehmoment von 300 Nm. Bei beiden Motoren handelt es sich im Gegensatz zur Stuttgarter Konkurrenz um Reihen-Triebwerke mit ihren Vorteilen hinsichtlich der Laufkultur. Dritter im Bunde ist der ebenfalls sechszylindrige 530d mit Common Rail-Technik der zweiten Generation. 218 PS und ein sattes Drehmoment von 500 Nm sorgen hier für Vortrieb.

Alle drei Varianten sind serienmäßig mit neuen Sechsgang-Schaltgetrieben ausgerüstet. Ein Automatikgetriebe mit ebenfalls sechs Gängen ist für alle Modellvarianten auf Wunsch lieferbar. Im Herbst folgen mit 525i und 545i V8 weitere Motorisierungen, im kommenden Jahr ist dann wohl auch mit einem kleineren Diesel und einem 3,5-Liter-Sechszylinder (Benziner) zu rechnen, wie BMW auf Autokiste-Anfrage durchblicken ließ. Die Frage, ob es auch einen Achtzylinder-Diesel geben werde, wurde jedoch nicht beantwortet. (Hinweis: Die bei einem unserer Mitbewerber genannten Motorisierungen sind keine offiziellen BMW-Daten und teilweise falsch.)

BMW 5er-Reihe 2003: Die Motoren im Überblick
Motorbauart Hubraum
(ccm)
kW/PS Dreh-
moment,
(Nm)
0-100
km/h
(sec)
V-max
(km/h)
Verbrauch
(l/100km)
520i R6 2.171 125/170 210 9,0 230 9,0
525i *) R6 2.494 141/192 245 n/a n/a n/a
530i R6 2.979 170/231 300 6,9 250 9,5
545i *) V8 ca. 4.400 245/333 450 n/a 250 n/a
530d R6 CR-Diesel 2.993 160/218 500 7,1 245 6,9
*) ab Herbst 2003

Das Fahrwerk ist eine Vollaluminium-Konstruktion, dessen Eigenschaften durch diverse elektronische Helferlein perfektioniert werden sollen, etwa durch die erstmals angebotene Aktivlenkung. Das elektronisch gesteuerte System verändert im normalen Fahrbetrieb die Lenkübersetzung im unteren bis mittleren Geschwindigkeitsbereich, macht sie direkter, verringert so den Lenkaufwand und erhöht damit die Handlichkeit des Fahrzeugs im Stadtverkehr, beim Parkieren und bei Kurvenfahrt. Im höheren Geschwindigkeitsbereich wird die Lenkung dagegen indirekter und sorgt so für stabilen Geradeauslauf und gutmütiges Anlenkverhalten. Die Aktivlenkung ist mit dem ESP, das die Münchner weiterhin hartnäckig als DSC ("Dynamische Stabilitäts Control") bezeichnen, vernetzt und kann über eine Gierratenregelung bei beginnender Instabilität über den Lenkwinkel korrigierend eingreifen. Sie reduziert so die DSC-Regeleingriffe im unteren Ansprechbereich und bietet damit hier einen optimalen Regelkomfort. - Ferner gibt es die aktive Wankstabilisierung "Dynamic Drive" sowie ein breites Angebot von Run-Flat-Bereifungen.

Erstmals bietet BMW im 5er als Sonderausstattung nun auch ein adaptives Kurvenlicht an. Die beiden Bi-Xenon-Scheinwerfereinheiten werden dabei über Lenkradwinkel, Gierrate und Geschwindigkeit in Echtzeit gesteuert und leuchten so in Kurven den weiteren Straßenverlauf perfekt aus - ein echtes Plus an aktiver Sicherheit, das hoffentlich bald in vielen Fahrzeugen serienmäßig zu finden sein wird. - Wie ein BMW-Sprecher auf Autokiste-Anfrage bestätigte, sind die Rückleuchten nicht in LED-Technik ausgeführt, was uns etwas überrascht, da andere Neuvorstellungen, etwa der Peugeot 307 CC oder auch Coupé und Cabrio des 3er-BMW, dieses System besitzen.

Außerdem neu im 5er ist ein Abstandstempomat. Das prinzipiell schon von Mercedes bekannte und eingesetzte System hört, wie meist im Automobil-Bereich, auf eine Dreibuchstaben-Abkürzung, in der mindestens ein "A" vorkommt: "Aktive Geschwindigkeitsregelung" (ACC) heißt der radargestützte Assistent für den Autobahnverkehr, der vor allem das Fahren in Kolonnen durch das automatische Einregeln des vorgewählten Abstandes erleichtern soll - ein System, das wir freilich für überflüssigen elektronischen Firlefanz halten.

Eine viel interessantere Neuentwicklung ist dagegen das Adaptive Bremslicht (Brake Force Display) in den Rückleuchten, das in den USA für den 7er-BMW schon zugelassen ist. Auch der neue 5er besitzt dieses System, das die Gefahr von Auffahrunfällen bei schärferem Abbremsen durch eine Vergrößerung der leuchtenden Fläche des Bremslichtes verringern soll. Da diese Konstruktion in Deutschland bisher nicht zugelassen ist, ist sie im 5er nur vorbereitet. Sobald eine Zulassung vorliegt, kann sie dann softwareseitig aktiviert werden - das Auto ist längst zum fahrenden Computer geworden.

Offensichtlich ist man bei BMW überzeugt, dass diese Bremslicht-Lösung auch tatsächlich die Zulassung erhalten wird, obschon auf europäischer Ebene derzeit auch noch andere Systeme diskutiert werden, etwa die Vergrößerung der Bremslicht-Helligkeit bei scharfen Bremsungen und/oder ein zusätzlicher Blinkimpuls für die dritte Bremsleuchte.

Last, but not least bringen die Münchner erstmals in der Großserie ein sogenanntes HeadUp-Display: Dieses System zeigt fahrerrelevante Informationen im direkten Sichtfeld des Fahrers an. Die aktuelle Geschwindigkeit, Navigationshinweise oder Meldungen des Bordcomputers "Check-Control" etwa werden direkt und in Farbe auf die Frontscheibe eingespiegelt - der Fahrer kann dabei jederzeit selbst bestimmen, ob und ggf. welche Informationen er so erhalten möchte.

Der 5er wird in Deutschland im Juli in die Showrooms rollen. Preise sind noch nicht bekannt (die bei einem unserer Mitbewerber genannten Zahlen sind nach BMW-Auskunft keine zutreffenden offiziellen Preise), liegen aber sicherlich auf "Premium"-Niveau. Das allerdings hat die Käufer des größten 5er-Konkurrenten, der Mercedes E-Klasse, bisher offensichtlich auch nicht gehindert, den Stuttgartern die neue Baureihe so zahlreich abzunehmen. Um diesen Verkaufserfolg etwas einzudämmen, haben die Münchner die Fünfer-Premiere denn auch um einige Monate auf den Juli vorgezogen. Bleibt schlussendlich zu hoffen, dass die Qualität dabei nicht auf der Strecke geblieben ist.
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