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The Beetle wird größer, markanter und technisch viel moderner
Neuer VW Beetle: Überfällige Evolution
The Beetle basiert jetzt nicht mehr auf der Plattform des Golf IV, sondern auf der technisch reduzierten Version der Golf-V-Bodengruppe, auf der auch der Jetta aufbaut. Das Auto ist zudem deutlich gewachsen. Mit 4,27 Metern überragt er den Vorgänger um gut 15 Zentimeter in der Länge - und damit auch den allerdings für seine Klasse recht kurzen Golf. Gleiches gilt für die Breite, die um achteinhalb Zentimeter auf knapp 1,81 Meter zugelegt hat, und auch für die Höhe, wenn diese nun mit annähernd 1,49 Metern auch einen Fingerbreit niedriger ausfällt als zuvor.
Nicht jedem wird das Größenwachstum gefallen (wenn auch das Parkplatz-Argument zumindest in punkto Länge meist wenig mit der Realität zu tun hat), aber es dem ersten Anschein nach den Proportionen gut getan. Die Motorhaube fällt länger aus, die zurückgesetzte Frontscheibe steht wesentlich steiler - und das ist genaugenommen sogar eine Reminiszenz an den Käfer. Der neue Schwerpunkt liegt auf der C-Säule.
Während der New Beetle mit drei Halbkreisen - Kotflügel vorn, Kotflügel hinten, Kuppeldach drüber - skizziert werden konnte und so heute noch die Grundlage für das Autostadt-Logo darstellt, löst sich das neue Modell von dieser Geometrie. Vielmehr folgt es erwartungsgemäß der bereits 2005 in Detroit vorgestellten Studie Ragster - eine Art Hot Rod auf New-Beetle-Basis. Kurzum: Der neue Beetle ist markanter, dynamischer, wertiger geworden, und laut VW auch maskuliner, was immer das genau bedeuten mag.
Ansonsten trägt der neue Beetle jetzt das VW-Einheitsgesicht - stopp, nein, das tut er nicht, und man weiß angesichts dessen Qualitäten und dessen Verbreitung von Polo bis Crafter nicht recht, ob man sagen soll: Natürlich, überraschend, leider oder Gott sei Dank. Letzteres dürfte wohl am ehesten die Wirklichkeit beschreiben, fällt der Beetle doch auch sonst aus dem Rahmen. Einige Ansätze dieser aktuellen Familien-DNA haben die Designer dennoch untergebracht, etwa im Lufteinlass der vorderen Stoßstange oder auch im Nachtdesign der Rückleuchten mit dem Strich-/Punkt-Thema, das VW hier mit einem Halbkreis, der auch am optionalen LED-Tagfahrlicht eingesetzt wird, erstmals stärker differenziert.
Im übrigen verfügt der Beetle über jenes saubere Design, wie man es von VW schon seit dem Golf IV kennt. Während es bei den ausgestellten, außen leicht abgeflachten Kotflügeln, die nun auch 19-Zöller beherbergen können, bei runden Scheinwerfern, externen Frontblinkern und den angedeuteten Trittschwellern bleibt, geben die Heckleuchten ihre runde Form auf, verfügen dafür aber auch wieder über integrierte Rückfahr- und Nebelschlussleuchte(n). Neu ist ein feststehender Heckspoiler unterhalb der Heckscheibe (Serie ab 160 PS), dessen Oberseite stets schwarz und Unterseite in Wagenfarbe lackiert ist. Einen Heckwischer trägt der Beetle nach wie vor nicht, dafür holt er in technischer Hinsicht gegenüber dem Vorgänger geradezu atemberaubend auf.
Endlich sind im Beetle Ausstattungen wie Xenon-Licht, Keyless Access oder moderne Radio- und Navigationssysteme lieferbar, endlich gibt es ein großes (plus 80 Prozent) Panoramadach, das sich aufstellen und öffnen lässt, und endlich ist die Motorenpalette so modern, wie sie es schon lange hätte sein müssen. Zur Wahl stehen auf dem deutschen und westeuropäischen Markt jetzt die aus anderen Baureihen bekannten TSI-Benziner mit 105, 160 und 200 PS (nicht 210 PS) sowie die beiden Diesel mit 105 und 140 PS, die allesamt wesentlich sparsamer sind als die bisherigen Aggregate - und sich ebenfalls allesamt mit einem DSG-Getriebe kombinieren lassen. Die beiden Topmotoren sind serienmäßig mit der Differentialsperre XDS ausgerüstet.
Wichtigste Änderungen im Innenraum sind das prominent platzierte, bereits erwähnte Radio bzw. Navi im Doppel-DIN-Format, ein erweiterter Instrumenteneinsatz mit drei nebeneinanderliegenden Anzeigen, wobei im zentralen Tacho ein großes Multifunktionsdisplay Platz findet. Erstaunlich: Die Blumenvase scheint passé.
Optional beglückt VW die Beetle-Kunden mit drei in einer chicen Hutze auf dem Armaturenbrett zusammengefassten Zusatzinstrumenten. Während man mit Öltemperatur und Ladedruck noch entfernt etwas anzufangen mag, erschließt sich der Sinn der mittigen Stoppuhr nicht recht. Eine Batterieanzeige oder eine Analoguhr wären beispielhaft wesentlich praxisgerechter gewesen. Praxisgerecht ist dagegen das zweite Handschuhfach, das den Griff vor dem Beifahrer des New Beetle ersetzt und offenbar keine Konflikte mit dem Airbag mit sich bringt. Sein Deckel klappt nach oben auf, während das ebenfalls integrierte Standardhandschuhfach nach unten öffnet.
Vorn ist der Beetle aufgrund des Abschieds vom Kuppeldach des Vorgängers etwas flacher geworden. Er bietet dadurch nun rund 1,04 statt 1,08 Meter Innenhöhe, was aber selbst Sitzriesen gut verkraften dürften, war der New Beetle doch innen sozusagen die Kathedrale unter den Kompakten. Hinten ergibt sich durch die längere Dachpartie ein deutlich besseres Raumgefühl. Merklich größer wurde auch der Kofferraum, der nun 310 statt 209 Liter fasst.
Wem das und vor allem der neue Look, den VW in eine Reihe mit der Coke-Flasche und dem iPhone setzt, gefällt, muss sich selbst dann gedulden, wenn er nicht auf das kommende Beetle Cabrio schielt: Die Markteinführung ist erst für Oktober/November vorgesehen, und entsprechend liegen Details zu Preisen und Ausstattungen noch nicht vor. Absehbar ist aber, dass der Beetle auch hierzulande mehr Fans als bisher finden dürfte.












