Das unabhängige Portal rund um Automobil & Verkehr
Dienstag, 18. Januar 2022,
Schrift: kleiner | größer
Lesezeit: ~ 4 Minuten
Topmodell mit 612 PS und 1.000 Newtonmeter aus zwölf Zylindern

Mercedes S 65 AMG: Luxuslimousine mit Runden-Stoppuhr

Siehe Bildunterschrift
Bild anklicken für Großansicht 612 PS, 1.000 Nm:
Mercedes S 65 AMG
DaimlerChrysler
"Zwischen den Jahren", wenn in den Auto-Redaktionen nur auf Sparflamme gearbeitet wird, platziert Mercedes eine Neuheit, die man wohl erst später erwartet hätte. Doch schon auf der Detroit Motor Show am 8. Januar präsentiert der Autobauer die Top-Version der neuen S-Klasse.
Die kommt natürlich vom Haustuner AMG, der erneut sein Top-Triebwerk unter die Haube verpflanzt hat. Der prinzipiell aus SL- und CL-Klasse bekannte Zwölfzylinder mit sechs Litern Hubraum und der insoweit wieder einmal verwirrenden Bezeichnung "65" leistet satte 612 PS.

Noch beeindruckender, wenn eben auch nicht neu, ist das Drehmoment des Bi-Turbo-Aggregats: Liegen schon knapp oberhalb der Leerlaufdrehzahl imposante 570 Newtonmeter an, sind es bei 1.500 Touren bereits 750 und dann, zwischen 2.000 und 4.000 Umdrehungen, tatsächlich 1.000 Newtonmeter - anschnallen.

Die Fahrleistungen sind entsprechend, und wenn Mercedes in den Unterlagen zum Auto etwas boulevardesk schreibt, von ihnen könnte mancher "Sportwagen-Pilot" nur träumen, dann ist das schon zutreffend: Nach 4,4 Sekunden erreicht die schwere Limousine Tempo 100, und schon weniger als zehn Sekunden später kann dieser Wert verdoppelt werden. Bei 250 km/h greift die Elektronik ein und beendet das Schauspiel, wenn auch gemutmaßt werden darf, dass AMG diesen Wert auf Wunsch solventer Kundschaft nach oben zu ändern bereit ist. Die Tachoskala jedenfalls reicht bis 360 km/h, und das sei, so AMG, als "dezenter Hinweis auf die Leistungsfähigkeit" zu verstehen.

Möglich wird diese Leistungsfähigkeit durch eine Vielzahl an aufwändigen und teuren Detaillösungen am Motor, die aufzuzählen den Umfang eines solchen Artikels sprengen würden. Erwähnt werden soll dagegen die modifizierte Bremsanlage des S65 AMG, weil hier an der Vorderachse eine Werksangaben zufolge weltweit erstmals eingesetzte Technik debütiert. Es handelt sich um eine Doppelfaustsattel-Bremse, die die Vorteile von konventionellen Schwimmsattel- und Festsattel-Lösungen in sich vereinen soll. Die üppig dimensionierten Bremsscheiben sitzen unter den mehrteiligen 19 Zoll-Rädern im AMG-Design, die vorne 255er- und hinten 275er-Pneus jeweils im 40er-Querschnitt tragen.

Bei der Kraftübertragung kommt wie bereits im S 600 nicht die sonst übliche Siebengang-Automatik zum Zuge, sondern ein fünfstufiger, in vielen Details verstärkter und modifizierter Wandlerautomat, der natürlich ebenfalls über den kleinen Lenkstockhebel bedient wird. Auf der Mittelkonsole gibt es einen kleinen Schalter, mit welchem der Fahrer zwischen den Fahrprogrammen "Sport", "Comfort" und "Manual" wählen kann, in denen sich nicht nur die Getriebecharakteristik, sondern auch die Gaspedal-Kennlinie und die Feder-/Dämpfungseinstellung des aktiven Sportfahrwerks mit Luftfederung (Active Body Control) verändert. Die Gänge lassen sich auch mit Hilfe der Aluminium-Schaltpaddel am Lenkrad wechseln.

Optisch bietet der S65 AMG keine Überraschungen. Die üblichen Zutaten - neben den großen Rädern bulligere Front- und Heckschürzen, von Mercedes als erwähnenswert empfundene Chromringe um die Nebelscheinwerfer, stärker akzentuierte Seitenschweller und die AMG-typische, vierflutige Abgasanlage - sorgen für ein Quäntchen zusätzlicher Aufmerksamkeit, das die Kunden offenbar schätzen. Auf den vorderen Kotflügeln verkleben die Stuttgarter einen "V12 BITURBO"-Schriftzug.

Besonderheit im Interieur ist neben dem erwähnten Tacho ein dort integriertes AMG-Menü, das permanent den momentanen Gang inklusive Hochschaltempfehlung und zusätzlich wahlweise die Motoröltemperatur, die Batteriespannung oder den "RACETIMER" anzeigt. Letzteres ist eine vom Lenkrad aus bedienbare Stoppuhr, wie sie auch in neueren Porsche-Modellen zu finden ist, mit der der Fahrer Rundenzeiten ermitteln kann - hoffentlich nicht auf öffentlichen Straßen. Der Racetimer speichert die Zeit der schnellsten gefahrenen Runde, die Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeit sowie die Rundenlänge.

Im übrigen gibt es spezielle Einstiegsleisten, AMG-Sitze mit "Passion Exklusiv" getauftem Lederbezug, diverse modifizierte Details und eine analoge Uhr in der Mittelkonsole im Design "IWC-Ingenieur".

Preise liegen noch nicht vor, aber das scheint verschmerzlich. Die kleine Zielgruppe, die sich ein solches Auto in Anschaffung und Unterhalt leisten kann, wird auf den (Zehn-)Tausender sowieso nicht schauen, und dass man für den Gegenwert eines AMG-S auch eine kleine Wohnung bekommt, versteht sich sowieso von selbst. Nur hat die eben keine 1.000 Newtonmeter.
Leserbrief Autokiste folgen date  02.01.2006  —  # 4905
text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
Sie befinden sich im Archiv. Meldungen und enthaltene Links können veraltet sein. Bitte beachten Sie das obenstehende Veröffentlichungsdatum dieser Nachricht. Aktuelle Auto-News finden Sie hier.