Lkw-Fahrer halten vom Sicherheitsgurt, trotz Anlegepflicht und erwiesener Schutzwirkung, wenig. Auch haben sie deutliche
Wissensdefizite beim Thema Ladungssicherung. Unfallursachen wie zu dichtes Auffahren oder die Gefahren von Alkohol schätzen
sie dagegen realistisch ein. Weiterhin hoch sind die Lenk- und Arbeitszeiten der Lastwagenfahrer - mit dem bekannten
Unfallrisiko "Sekundenschlaf". Dies sind Ergebnisse einer großen Repräsentativumfrage mit Lkw-Fahrern, die in Deutschland
durchgeführt und vom Institut für Fahrzeugsicherheit München (IFM) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
(GDV) ausgewertet wurde.
Rund 3.000 Berufskraftfahrer hatten einen Katalog mit etwa 100 Einzelfragen beantwortet. Jetzt liegt der Forschungsbericht
"LKW-Fahrer Befragung - Ein Beitrag zur Analyse des Unfallgeschehens" vor, der eine Vielzahl von Empfehlungen der deutschen
Versicherer enthält.
In der Untersuchung wurden unter anderem Ausbildung und Fahrverhalten der Lkw-Fahrer, Lenk- und Ruhezeiten, neue aktive und
passive Sicherheitskonzepte sowie Ladungssicherung analysiert. Die zentralen Ergebnisse des Forschungsberichts:
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Die Belastungen am Arbeitsplatz Lkw sind hoch (lange Lenkzeiten, lange Arbeitszeiten, häufige Nachtfahrten); dies führt
insbesondere bei den älteren Fahrern zu starken Beanspruchungen. Die Folge: gefährliche Ermüdung.
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Die zur Regeneration nötigen Pausen werden nicht ausreichend eingehalten. Die Gründe dafür liegen einerseits in
Organisationsstrukturen der Firmen, aber insbesondere auch am Mangel von Parkmöglichkeiten.
Zusätzlich beklagen die Fahrer
häufige Staus.
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Die ermittelte Anschnallquote der Lkw-Fahrer ist besorgniserregend: Weniger als ein Viertel der Lkw-Fahrer legen den Gurt
regelmäßig an.
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Dichtes Auffahren als Unfallschwerpunkt deckt sich mit den Einschätzungen der Lkw-Fahrer.
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Weitere zentrale Problembereiche sind neben der Überladung die falsche bzw. unzureichende Ladungssicherung. Die Fahrer
beklagen einerseits fehlende Fahrzeugausstattungen (keine geeigneten Haltepunkte, keine ausreichenden Sicherungsmittel),
andererseits mangelnde Kenntnisse über das Ladegut und Sicherungsmethoden sowie Zeitdruck beim Be- und Entladen.
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Viele Fahrer durchlaufen Weiterbildungsmaßnahmen und beurteilen diese insgesamt als gut. Als etwas schlechter wird die
Weiterbildung in der eigenen Firma eingestuft. Allerdings hat knapp die Hälfte der befragten Lkw-Fahrer noch nie an einer
Weiterbildung teilgenommen.
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Der Nutzen moderner Sicherheitseinrichtungen wird von den Fahrern recht unterschiedlich eingestuft. Sie versprechen sich
aber am meisten sowohl von aktiven Sicherheitssystemen wie ESP und retroreflektierenden
Konturmarkierungen als auch von
passiven Sicherheitseinrichtungen wie Heck-, Seiten- und Frontunterfahrschutz.
Der ausführliche Forschungsbericht kann beim IFM angefordert werden.