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Reduziertes Stoffdach-Mobil mit E-Antrieb kommt 2016
Citroën E-Méhari: Endlich ein Spaßauto
Einen richtigen Spaßmacher haben die Franzosen ebenfalls eingeplant, wenn auch nicht unbedingt für ewig und in großen Stückzahlen. Er stammt ursprünglich vom Technologiekonzern Bolloré, heißt dort "Bluesummer" - und wird von PSA (Peugeot Citroën) im Auftrag produziert. Künftig gibt es den Wagen auch in einer markentypisch umgemodelten Variante unter den Namen E-Méhari.
Ja, tatsächlich: Der Méhari, das wohl extravaganteste Auto in der an Extravaganzen nicht eben armen Citroën-Geschichte, wird neu belebt. Was damals, zwischen 1968 und 1987, auf 2CV-Basis entstand, dient heute als Blaupause für das Spaßauto. Als "angesagt, frei, unorthodox und auch ein wenig frech" beschreiben die Marketer das neue Projekt, nennen den E-Méhari einen "wahren Freigeist in der automobilen Landschaft", und fabulieren von einer "einzigartigen Persönlichkeit".
Das steht so oder so ähnlich freilich in mehr oder weniger jedem Pressetext zu einem neuen Auto, meist mit überschaubarem Wahrheitsgehalt. Der E-Méhari dagegen hält, was er verspricht: Ein farbenfroher, 3,81 Meter kurzer Zweitürer mit vier Sitzplätzen, breiten Fenstern und einem abnehmbaren Stoffdach, das über ein seitliches Verschlusssystem versenkbar ist. Je nach Lust und Laune kann der vordere Teil, der hintere Teil, die Seite oder das ganze Fahrzeug verdeckt werden. Das Design folgt dem des C4 Cactus, wirkt ebenso kompakt wie bullig (Breite: 1,87 Meter, Höhe: 1,65 Meter), mehr noch als beim Cactus auf das Wesentliche reduziert.
Das Rillen-Muster an den Türen ist ein Augenzwinkern der Designer an den ursprünglichen Citroën Méhari und dessen Karosseriegestaltung. Auch die vier Außenlackierungen - blau, orange, gelb, beige - knüpfen an diejenigen an, die zur Vorstellung des Ur-Méhari präsentiert wurden. Das Dach gibt es in schwarz oder rot-orange, das Interieur in beige oder rot-orange, und die Radhausverbreiterungen, Stoßfänger, Scheinwerfer-Umrandungen und Außenspiegel sind stets schwarz. "Mutige Kombinationen" sind ausdrücklich erwünscht. Der Kofferraum fasst nur 200 Liter in der Normalkonfiguration, bei umgeklappten Fond-Sitzen vervierfacht sich dieser Wert.
Als Antrieb des E-Méhari dient ein kleiner Elektromotor mit 48 PS Leistung, kurzzeitig können 68 PS abgerufen werden. Er gibt seine Kraft an die Vorderräder ab, maximal sind 110 km/h möglich. Die Energie bezieht er aus Akkus in der von Bolloré entwickelten Lithium-Metall-Polymer-Technik. 30 kWh Kapazität sollen außerorts für 100, innerorts für 200 Kilometer Reichweite sorgen. Aufgeladen wird in 13 Stunden an einer Haushaltssteckdose oder in acht Stunden an 16-A-Anschlüssen.
Und wer soll so ein Auto kaufen, das weder ausgeprägten Komfort noch Sicherheit, geschweige denn echten Nutzwert, Sportlichkeit oder sonst eine der klassischen automobilen Tugenden bietet? Wahrscheinlich eine ganze Menge, die sich genau in diese Simplizität verlieben, die gerne lautlos fahren, die eine rostfreie Plastik-Karosserie für ideal halten und die ahnen, dass sie mit dem E-Méhari am Strand bei den Mädels viel besser ankommen werden als mit jedem noch so dicken SUV - und die es praktisch finden, ihr Auto einfach mit dem Gartenschlauch zu putzen: Beim E-Méhari geht das auch innen.
Gar kein Haken also? Doch. Während das Spaßmobil in Frankreich noch vor dem Sommer eingeführt wird, steht hinter dem deutschen Markt noch ein Fragezeichen. "Die Einführungsmodalitäten werden derzeit geprüft", heißt es.












