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Oberster Verkehrsplaner sieht Sonderrechte für Elektroautos kritisch
Berlin: Busspur bleibt für Elektroautos tabu
So dürften Busspuren erst eingerichtet werden bei einer hohen Busfrequenz auf einer Strecke. "Zusätzlich sind hier in Berlin gut 7.000 Taxen und der Fahrradverkehr darauf unterwegs. Wenn da noch Elektrofahrzeuge dazukommen, ist die Busspur tot." Zudem sieht Berlin auch technische Probleme, weil "Busse mit Sondersignalen ausgestattet sind, durch die sie an Knotenpunkten grüne Welle haben. Private Pkw können wir damit nicht ausrüsten; sie würden also alles blockieren. Und eine Kennzeichnung, an der die Polizei Elektroautos erkennen könnte, fehlt obendrein."
Große Probleme sieht Kunst auch auf die Städte zukommen beim Aufbau von Stromtankstellen am Straßenrand. Die Umsätze an Ladesäulen seien so gering, dass sie sich kaum refinanzieren könnten. "Das wirft die Frage auf, ob Ladeinfrastruktur eine öffentliche Aufgabe ist. Auch juristisch ist das noch eine Grauzone. Geht es um öffentliche Infrastruktur oder um Stromnetze in Verantwortung privater Netzbetreiber? Ich neige zu Ersterem."
Das würde allerdings bedeuten, dass gerade in Großstädten, wo die Autofahrer in der Regel nicht vor der eigenen Wohnung parken können, das Stromtanken nur an zentralen Plätzen möglich wird. "Es kann ja nicht sein, dass jeder Anbieter überall und nach Gutdünken gestaltete Ladesäulen aufstellt, an denen er womöglich nur Strom der eigenen Marke anbietet. Es braucht Standards für anbieteroffene Ladeterminals. Gemeinden und Industrie sollten den Aufbau der Infrastruktur in Public-Private-Partnerships angehen."
Die Befreiung von Parkgebühren hält Kunst nur solange für denkbar, wie es kaum Elektroautos gibt. "Beim Parken wird eine Gebührenbefreiung oder -reduzierung machbar sein, solange die Zahl der Elektrofahrzeuge übersichtlich bleibt - und wenn Rechtssicherheit besteht. Doch dabei muss im Blick bleiben, dass Parkraumbewirtschaftung ein wichtiges Instrument ist, um den Parkdruck auf die Innenstädte zu mindern."
Insgesamt sieht Berlin gar keine Möglichkeit, um dem Autoverkehr mehr Flächen zur Verfügung zu stellen. Im Gegenteil müssten Autos künftig mit weniger Raum auskommen. "In Berlin tragen Pkw ein Drittel zur Verkehrsleistung bei, beanspruchen aber zwei Drittel des Raums. ÖPNV, Radfahrern und Fußgängern bleibt ein Drittel, obwohl sie zwei Drittel leisten. Verkehrspolitisches Ziel ist deshalb eine schrittweise Umverteilung des Stadtraums", schildert Kunst. "In der Vergangenheit wurden viele Weichen zugunsten privater Pkw gestellt. Elektromobilität bietet nun die Chance, multi- und intermodale Ketten attraktiver zu machen."











