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Polarisierende Mischung aus Coupé und Kombi dürfte 2012 in Serie gehen
Mercedes Concept Shooting Break: Stuttgarter Allerlei
Diese sind komplett - also auch für das Abblendlicht - mit LED-Technik bestückt. Diese Lösung, bei Lexus und Audi in kleinen Stückzahlen bereits auf dem Markt, hat Mercedes um den adaptiven Fernlichtassistenten und das sog. Intelligent Light System mit seinen unterschiedlichen Lichtmodi erweitert. Insgesamt 71 LEDs verteilen das Licht situationsgerecht auf die Straße - und sorgen für ein markantes Nachtdesign. Die Serieneinführung soll im neuen CLS im Herbst erfolgen.
Die Seitenansicht wird bestimmt durch ein flaches, sich nach hinten verjüngendes Fensterband mit chromglänzender Einfassung. Natürlich sind wie im aktuellen und kommenden CLS rahmenlose Seitenscheiben realisiert. Ungewöhnlich für die Marke sind die stehenden Außenspiegel - "bordkantenpositioniert", wie Mercedes sich ausdrückt. Eine weitere Besonderheit sind die versenkten, filigranen Türgriffe, die bei Berührung sensorgesteuert ausfahren - keine neue und auch keine weltbewegende Idee, bei der man denoch gespannt sein darf, wann sie tatsächlich einmal in der Serie umgesetzt wird.
Am Heck dominieren einteilige Rückleuchten (LED), wie man sie in dieser Eleganz von Mercedes eher nicht erwartet hätte, integrierte Endrohre und eine sehr breite dritte Bremsleuchte. Allzu viel an Stauraum, Heckklappen-Breite oder eine geringe Ladekantenhöhe standen dagegen nicht im Fokus der Entwickler - den Part des Nutzwert-Modells spielt weiterhin das T-Modell der E-Klasse. Die Studie steht auf 255er-Pneus (vorne) bzw. gar 285er-Walzen (hinten) auf markant gestylten 20-Zoll-Rädern. Everybodys darling will das Auto schon äußerlich bewusst nicht sein: Das Design dürfte genauso polarisieren wie die ungewöhnliche konzeptionelle Mischung.
Im Interieur kommen Sitze mit integrierten Kopfstützen zum Einsatz - vier gleiche, wohlgemerkt, wie man das sonst unseres Wissens nach nur im Porsche Panamera findet, der sowieso zu den wichtigsten Konkurrenten eines CLS oder CLS Shooting Break gehört. Im übrigen fällt die durchgehende, hölzerne Mittelkonsole ins Auge. Sie unterstreicht die Viersitzigkeit und den Komfortanspruch des ungewöhnlichen Wagens.
Während dies schon weitgehend dem späteren Modell entspricht, haben die Stuttgarter beim Eichenholz-bedeckten Laderaumboden tiefer in die Show-Kiste gegriffen. Vier Satteltaschen an den Längsseiten des Laderaums helfen beim Verstauen kleinerer Utensilien. Sie sind mit Leder bezogen - einem Material, das im Concept Shooting Break sowieso großzügig verwendet wurde: Fast zehn Quadratmeter Leder, also mindestens fünf ganze Häute, wurden in verschiedenen Farben verarbeitet. Auch sonst hat Mercedes keinen Aufwand gescheut: Ein Panorama-Glasdach sorgt für Helligkeit im Innenraum, der hochflorige Teppichboden stammt aus dem Maybach-Regal, der Dachhimmel ist mit Seide bezogen, und selbst an den Türgriffen kommt Holz zum Einsatz.
Als Antrieb des Concept Shooting Break dient bereits ein Vorbote der kommenden neuen Sechszylinder-Generation. Der Direkteinspritzer mit einem Zylinderwinkel von 60° und 3,5 Liter Hubraum leistet 306 PS bei einem maximalen Drehmoment von 370 Nm und soll nicht nur wegen des serienmäßigen Start-Stopp-Systems besonders sparsam agieren. Angekündigt ist insoweit nicht weniger als ein "neuer Maßstab" im Wettbewerb.
Dass der Shooting Break in Serie kommen wird, mögen die Stuttgarter noch nicht bestätigen, doch es spricht vieles dafür, schließlich war Mercedes neuen Konzepten gegenüber immer recht aufgeschlossen, und schließlich können Porsche Panamera und der in den Startlöchern stehende Audi A7 - wenn auch nicht direkt vergleichbar - Konkurrenz gebrauchen.
So entstand der Name Shooting Break
Break oder gleichlautend Brake nannte man auf englisch früher Fuhrwerke, die man vorhielt, um den
Widerstand ungezähmter Pferde zu brechen (to break) und ihren Bewegungsdrang zu bremsen (to brake),
damit sie als Arbeitspferde nutzbar wurden, erklärt Mercedes. Weil Fuhrwerke dabei leicht beschädigt
werden konnten, verwendete man keine, die man für andere Zwecke dringend benötigte. Man versah Brakes
allenfalls mit leichten, oftmals variablen Aufbauten, die beispielsweise nur dazu dienten, das zur
Jagd Nötige mitzuführen.
Ein solches Fahrzeug, mit dem man zum Schießen (shooting) fuhr, nannte man Shooting Brake oder Shooting Break. In den 1960er- und 1970er Jahren wurden in Großbritannien motorisierte Shooting Breaks populär – exklusive Crossover-Fahrzeuge, die den Luxus und Stil eines Coupés mit dem Gepäckraum eines Kombis verbanden.












