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10 Mio. Liter Bio-Ethanol aus Molkereiresten ab 2008
Müllermilch produziert Bio-Sprit
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| 10 Mio. Liter Biosprit: | Müller |
| Neue Müller-Anlage (gelbe Markierung) | |
Nun folgt der nächste Streich, der ebenfalls in die Geschichte eingehen könnte: "Wir haben ein weltweit einzigartiges Verfahren entwickelt, das Bio-Ethanol aus teilentzuckertem Permeat gewinnt - der so genannten Melasse", erläutert Stefan Müller, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe. Melasse entsteht als Restprodukt bei der Käseherstellung - für die Molkerei ein praktisch kostenloser Rohstoff, der die Produktion auch unabhängig von der Preisentwicklung beim Getreide macht - und den Anbau von Biomasse vermeidet.
Im kommenden Monat beginnen die Bauarbeiten für das neue Produktionsgebäude am Standort Leppersdorf (Sachsen), die Investitionskosten sollen 20 Millionen Euro betragen. Der erste Liter des Biokraftstoffzusatzes soll noch Ende 2007 gewonnen werden, später sind zunächst 10 Millionen Liter jährlich angepeilt. Derzeit befindet sich das Unternehmen in Gesprächen mit Ethanol-Herstellern, die durch den Zukauf des Kraftstoff-Zusatzes von Müller ihre Kapazitäten aufstocken wollen.
Das Produktions-Verfahren von Bio-Ethanol ist simpel und effizient: Bei der Herstellung von Käse fällt Molke an, aus der Eiweiß und Milchzucker abgetrennt werden. Bisher wurde die verbleibende Melasse entsorgt. Jetzt wird das Beiprodukt durch Zugabe von Hefe zu Alkohol vergoren und in einer Destillationsanlage von Wasser und Mineralien getrennt. Letztlich entsteht zu 99,8 Prozent reines Bio-Ethanol, das ohne Weiterbehandlung als Kraftstoff eingesetzt werden kann.
Der eigentliche Clou ist aber die CO2-Bilanz, die bei herkömmlicher Ethanol-Herstellung noch umstritten ist: Zwar entsteht bei der Gärung nur soviel Kohlendioxid, wie die Pflanze zuvor aufgenommen hat, doch sind die Verarbeitungsprozesse zusätzlich energieaufwendig. Glaubt man den Müller-Ankündigungen, ergibt sich bei der Herstellung aus Melasse dagegen eine positivere Bilanz: Die komplizierte Umwandlung der Biomasse zu einem kohlenhydratreichen Ausgangsprodukt entfällt; außerdem soll das bei der Gärung entstehende Kohlendioxid zum Großteil wieder im Werk eingesetzt werden - als Ersatz für bisher zugekauftes CO2, das zum Transport unter großem Energieaufwand verflüssigt und bei minus 30 Grad gelagert werden muss, wie Müller erläutert.












