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Kaufrate unter einem Prozent / Uneinheitliche Beurteilung der Branchenentwicklung
Studie: Verbraucher nutzen das Internet zum Autokauf nur wenig
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| "Cars Online 2002" | © CGEY | |
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Die komplette Studie kann auf der CGEY-Website heruntergeladen werden | ||
"Die Automobilindustrie und der Handel stehen intern und extern unter hohem Druck. Daher ist die enge Zusammenarbeit von höchster Bedeutung, um sich auf die Bedürfnisse der Kunden zu konzentrieren", sagt Andreas Schlosser, Leiter des Automobilbereichs bei Cap Gemini Ernst & Young Zentraleuropa. Für ihn zeigt die Befragung auf besorgniserregende Weise, dass dies derzeit nicht passiert. "Händler und Hersteller arbeiten nicht wirklich Hand in Hand. Hier ließe sich noch einiges verbessern", findet Schlosser.
Verbraucher vertrauen eher einer Probefahrt als dem Internet
Vielleicht gerade wegen der Informationsflut im Netz verlassen sich 78 Prozent der befragten Verbraucher weiterhin auf eine Testfahrt als wichtigstes Element in der Kaufentscheidung. Auch wenn das World Wide Web als Neuwagen-Vertriebskanal die anfänglich hohen Erwartungen nicht erfüllt hat, so wurde zumindest der Wettbewerb im Markt gesteigert. Noch liegt der Anteil der Web-Einkäufer bei unter einem Prozent und die USA liegen mit einem Prozent vorn. Doch bereits jeder Fünfte könnte sich eine Bestellung über Hersteller-Homepages vorstellen - in Japan sogar jeder Zweite.
Auseinander gehen die Meinungen darüber, wie wichtig das Internet unter dem Strich für Händler ist, die insgesamt die Auswirkungen pessimistischer einschätzen als die Autobauer: 72 Prozent der deutschen Händler glauben, dass die Margen beim Verkauf von Neufahrzeugen schrumpfen werden - verglichen mit 42 Prozent im weltweiten Durchschnitt.
Die Ansprüche an internetbasierte Informationen und Funktionalitäten steigen. Verbraucher wünschen sich verstärkt, dass sie ihre Bestellung tatsächlich verfolgen (55 Prozent) und per Mausklick Testfahrten vereinbaren können (73 Prozent). Wer lediglich virtuelle Autos zum Drehen bringt oder Konfigurationsspiele erlaubt - denn hiermit arbeiten viele bestehende Webseiten - hat schlechte Karten. Bemerkenswert ist, dass kein Hersteller die Möglichkeit anbietet, den Status der Bestellung einzusehen und nur rund die Hälfte der Händler und Hersteller die Vereinbarung einer Testfahrt über das Netz anbieten.
Kluft zwischen Autohändler und Kunde
Die Angebote der Händler zielen häufig an den Anforderungen der Kunden vorbei. Am deutlichsten wird dies in der Art und Weise, wie die Händler bemüht sind, sich zu einem 'One-Stop-Shop' zu entwickeln. Sie bieten Finanzierungs- und Versicherungspakete und After-Sales-Betreuung aus einer Hand an. Kunden wollen primär günstige Autos (87 Prozent) und nennen "Einkauf aus einer Hand" als das am wenigsten wichtige Kriterium (49 Prozent). Ihnen ist es viel wert, wenn sie räumliche Nähe zum Händler haben (74 Prozent) und dieser beim Verkauf nicht penetrant auftritt.
Auf das Gebrauchtwagengeschäft könnte sich das Internet weiter positiv auswirken: das sagen 83 Prozent der deutschen Händler gegenüber 70 Prozent im Weltdurchschnitt. Beim Neuwagengeschäft ist die Tendenz ebenfalls steigend: hier erwarten 45 Prozent der Händler eine positive Wirkung gegenüber 34 Prozent im letzten Jahr.
Keine Gefahr durch neue Vertriebskanäle und die Gruppenfreistellungsverordnung?
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| © CGEY | ||
| Andreas Schlosser | ||
"Es gibt einen Meinungsunterschied zur Zukunft des Vertragshandels als Folge der veränderten Gruppenfreistellungsverordnung", stellt Vice President Schlosser fest. 78 Prozent der Hersteller glauben, dass die weitreichendste Konsequenz eine Zunahme der Multi-Franchise-Händler sein wird. Im Vergleich dazu sind nur 56 Prozent der Händler auf diese dramatische Veränderung ihres Geschäfts vorbereitet und sehen einen möglichen Konflikt in der Zukunft aufkommen.
Was wird die Neuordnung des Autovertriebs bringen? 38 Prozent der Händler rechnen damit, dass die Gruppenfreistellungsverordnung die Margen durch stärkeren Wettbewerb und häufigere Nachlässe direkt auffressen wird. Hersteller hingegen sind weniger pessimistisch. Nur 25 Prozent befürchten, dass das Aufkommen zusätzlicher Vertriebskanäle die Margen erodieren wird.













