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Facelift für den Smart Fortwo |
Daimler |
Der Smart Fortwo erhält eine kleine Modellpflege. Mit zusätzlichen Lackoptionen, leicht sparsameren Benzin-Motoren
und neuen Multimedia-Systemen soll der Kleinstwagen die zweite Lebenshälfte überbrücken. Richtig Freude
wird bei Smart-Fans eher nicht aufkommen, hat Daimler doch viele Details unbeachtet gelassen.
Wirkliche Erkennungszeichen des neuen Jahrgangs gibt es nicht. Wer neue Leuchten, Schürzen oder einen veränderten
Kühlergrill erwartet hatte, mag sich enttäuscht sehen. Andererseits kann eine Modellpflege natürlich auch ohne
diese typischen Merkmale auskommen, was dem Auto Kontinuität und seinen Besitzern geringeren Wertverlust beschert.
Im Falle der Smart-Modellpflege sind die optischen Neuerungen denn auch gering. So wächst die Farbpalette von
spärlichen fünf Farbtönen auf nicht so spannend bessere sechs. Der neue Lack ist ein trendiger Mattlack, wobei
die hellgrüne Farbe nicht jedermanns Sache sein dürfte. Das bisherige Metallic-Blau ersetzt Smart durch ein
Metallic-Hellblau. Der vordere Spoiler, die Seitenschweller sowie die Heckschürze können gegen Aufpreis nun
auch in Wagenfarbe bestellt werden; der Tankdeckel ist endlich und serienmäßig ebenfalls lackiert.
Neu sind zudem Cabrio-Verdeckstoffe in Rot und Blau und eine "tridion"-Sicherheitszelle in Weiß. In Verbindung
mit letzterer ist auch die Einfassung der Außenspiegel und die Kühlermaske weiß lackiert. Drei neue Aluräder
im 15-Zoll-Format und ein - optionales - Tagfahrlicht aus fünf LED-Punkten im Stile desjenigen der Mercedes
E-Klasse ergänzen die Individualisierungsmöglichkeiten.
Leicht aufgefrischtes Interieur
Im Interieur gibt es eine nun vollflächig mit Stoff bezogene Instrumententafel in neuer Linienführung sowie
geänderte Stoffdesigns. Außerdem fällt das Auge auf neue Ziffernblätter mit dunkel abgesetzter Innenscheibe.
Als Sonderausstattung sind jetzt eine stoffbezogene Mittelarmlehne, eine dimmbare LED-Ambientebeleuchtung
und ein Lederlenkrad mit Bedientasten für den ebenfalls neuen Tempomaten erhältlich. Auch ein Bordcomputer
und eine neue Ablagebox im unteren Bereich der Mittelkonsole sind als Extra angekündigt. Praktisch erscheint
eine Klemmleiste auf dem Deckel des nach wie vor nicht serienmäßigen Handschuhfachs, die etwa Notizzettel
aufnehmen kann. Serienmäßig sind Taschen an den Seiten der Sitzlehnen.
Aktualisiert hat Smart das Angebot an Audio- und Multimediasystemen. Neues Topgerät ist das
"Audio system/navigation multimedia" mit großem 6,5-Zoll-Touchscreen, integriertem Navigationssystem,
Bluetooth-Freisprecheinrichtung und USB- und AUX-Anschluss für externe Geräte sowie einer
Schnittstelle für die Steuerung eines iPods. Auch das neue Audiosystem "basic" bietet einen USB- und
AUX-Anschluss für einen MP3- oder CD-Player. iPhone-User können eine spezielle Halterung bestellen
und ihr Gerät mittels einer bereits kürzlich vorgestellten Applikation in einen multimedialen Bordcomputer
verwandeln. Die "smart drive app for the iPhone" ermöglicht auch Telefonieren über Freisprechanlage,
Internetradio sowie Navigation.
Benzinmotoren werden sparsamer
Die beiden Dreizylinder-Benziner mit 61 bzw. 71 PS und Start-Stopp-System, das Smart nicht müde wird, missverständlich
als "micro hybrid drive" zu bezeichnen, werden dank Detailoptimierungen an Motorsteuergerät und Abgasanlage etwas
sparsamer: Statt 4,4 Liter nennt das Datenblatt jetzt jeweils 4,2 Liter als Norm-Mittel. Die 84-PS-Variante wird
ebenfalls um zwei Zehntel sparsamer (4,9 Liter). Der gleiche Wert gilt auch für das bisher mit 5,4 Litern gelistete
Brabus-Modell, das gleichzeitig von 98 auf nunmehr 102 PS erstarkt.
Der im Februar aktualisierte Diesel mit 54 PS bleibt ebenso unverändert wie sein Status als verbrauchsärmster Antrieb
eines Serien-Pkw - auch wenn interessanterweise die Smart-Kataloge und -Preislisten auf der Website etwas anderes behaupten.
Offenbar wird die Optimierung erst mit dem Facelift umgesetzt.
Preise liegen noch nicht vor, die Markteinführung ist für den Herbst angekündigt.
Kommentar
Insgesamt hat der Fortwo mit der Modellpflege gewonnen. Dennoch mag man sich fragen, warum Smart nicht
ein bisschen mehr Herzblut investiert hat: Die Antenne ist weder gekürzt noch auf das Dach verlegt, die
Türgriffe und die Abdeckung des Abschlepphakens sind auch künftig nicht lackiert, und das dritte Bremslicht
muss offenbar weiter mit einer einzigen Glühlampe auskommen, wo doch die erste Smart-Generation schon über
eine LED-Lösung verfügte. Auch dafür, dem Fortwo beispielhaft mittels Spiegelblinkern, LED-Rückleuchten,
kreisrunden Bremslichtern und Blinkern oder vier Radschrauben etwas mehr Pepp und Selbstbewusstsein zu
verpassen, war Smart offenbar zu geizig.
Im Interieur ist das neue Ziffernblatt kaum besser als das bisherige, obwohl es doch nicht so schwierig
sein kann, dem eigentlich so sympathischen Wägelchen vernünftige Rundinstrumente mit vernünftigen Zeigern
zu spendieren. Der Lichtschalter ist noch immer im Blinkerhebel integriert, und das Display würde in seiner
ganzen orangefarbenen Primitivheit kaum ein Smart-Fahrer an seinem Handy dulden. Auch der ewig lange
Metall-Handbremshebel ohne wenigstens farblich abgesetzten Knopf verblüfft nach wie vor durch seine, nett
formuliert, Einfachheit - um nur einige Beispiele zu nennen.
Das alles wäre akzeptabel, wenn der Fortwo entsprechend günstig oder wenigstens gut ausgestattet wäre. Weil er
weder noch ist, kann man nur den Kopf schütteln über so viel Arroganz seiner Macher, die dann auch noch verlauten
lassen, "jeden Tag intensiv daran zu arbeiten", die Modelle "in jeder Hinsicht noch besser und begehrenswerter" zu
machen. Der neue Fortwo punkte mit erlebbarer Liebe zum Detail, sagt Smart-Chef Marc Langenbrinck. Hoffentlich
meint er den Nachfolger. (hsr)