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Mittwoch, 30. September 2020,
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Deutlich gewachsener Kleinwagen kommt im Frühsommer nach Deutschland

Peugeot 207: Eine Nummer zugelegt

Siehe Bildunterschrift
Bild anklicken für Großansicht Deutlich gewachsen:
Peugeot 207
Peugeot
Kurz vor Weihnachten erreichte der Peugeot 206 noch einen absoluten Produktionsrekord für die Löwenmarke. Nun, rund acht Jahre nach der Einführung des Kleinwagens, rollt der Nachfolger an. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an den 207.
Der zeigt sich zunächst einmal deutlich gewachsen, und zwar noch deutlicher als die bereits in neuer Generation antretenden Konkurrenten Renault Clio und Fiat Punto. Die Länge beträgt jetzt 4,03 statt bisher 3,82 Meter, womit das Punto-Niveau erreicht, der Clio noch einmal um vier Zentimeter übertroffen und gleichzeitig der Abstand zum 107 wieder zurechtgerückt wird.

In der Breite legt der 207 um fünf Zentimeter auf 1,72 Meter zu und überragt damit beide Konkurrenten, während die Höhe zwar um fünf Zentimeter gegenüber dem Vorgänger wächst, aber rund zwei cm unter Clio und Punto bleibt. Der Radstand kann das Längenwachstum naturgemäß nicht ganz mitmachen, erreicht aber mit 2,54 Metern ebenfalls Gardemaß; die Überhänge wachsen, speziell vorne, parallel dazu leicht an. Die Spurmaße steigen um drei Zentimeter; 15 Zoll-Räder mit mindestens 185er-Pneus sind Standard.

In punkto Design bietet der 207, den Peugeot in Eigenregie gezeichnet hat, kaum Überraschungen. Die Front folgt der noch recht neuen, aber doch weithin bekannten Linie des Hauses, womit insbesondere der dominante Kühlergrill gemeint ist. Entsprechend der Dreirad-Studie "20Cup", die auf der IAA im September 2005 bereits einen konkreten Vorgeschmack auf den 207 vermittelte, wird der Vorderwagen im übrigen durch jetzt auf 78 Zentimeter (!) gewachsene und weiter in die Flanken gezogene Scheinwerfer dominiert, während das Löwen-Signet nach oben wandert und nun deutlich flacher integriert ist.

Die Seitenansicht zeigt ein neues Dreiecksfenster vorne, wie es inzwischen viele Neuheiten kennzeichnet, ohne dass man - Vans einmal ausgenommen - einen Sinn dahinter erkennen könnte. Große, "nicht wirklich" dynamisch oder elegant wirkende Außenspiegel mit im Fuß integrierten Blinkleuchten à la Peugeot 807 oder Renault Modus, betonte Radläufe mit ungewohnt eckigem Außenrand und ein Fondfenster, was Marken-typisch gerade ohne ein abgeteiltes Dreieck auskommt, sind weitere Details.

Positiv fällt der Umstieg auf Bügeltürgriffe ins Auge, ebenso wie die nach wie vor vorhandenen seitlichen Schutzleisten; warum der französische Autobauer aber den Auspuff nach rechts und die Tankklappe (mit einem unnötigen Eingriff) gleichzeitig nach links verlegt, wie es in Ländern mit Rechtsverkehr nun einmal unpraktisch ist, bleibt wohl dessen Geheimnis. Immerhin ist der Auspuff in den niedrigeren Ausstattungslinien von der Schürze verdeckt.

Am Heck gibt es neugestaltete, größere und aufrechter stehende Rückleuchten, die teilweise LED-Technik vortäuschen und in denen nun auch die Nebelschlussleuchte integriert ist, eine nach wie vor vernünftige Wischergeometrie, ein in den angedeuteten Dachspoiler integriertes drittes Bremslicht und parallel zur Front eine größere, besser eingepasste Schürze. Neben einem konventionellen Glasdach offeriert Peugeot auch ein großes, getöntes Panorama-Glasdach, das in einigen Versionen möglicherweise sogar serienmäßig sein wird.

Das Interieur entspricht im Grundaufbau weitgehend jenem des 206, wenn auch auf den ersten Fotos naturgemäß alles etwas hochwertiger wirkt. Statt vier Rundinstrumenten gibt es derer nur noch drei, allerdings nach wie vor mit vier Anzeigen - den Trend zum Weglassen des Kühlwasser-Thermometers macht Peugeot sinnvollerweise nicht mit. Die sportlicheren Versionen erhalten zusätzlich sogar ein Ölthermometer. Einen Drehschalter für das Licht dagegen haben die Designer (oder Controller) eingespart, so dass sich hinter dem Lenkrad inklusive des Bediensatelliten für das Radio gleich vier überfrachtete Lenkstockhebel finden.

Neu in punkto Technik sind Teile des Fahrwerks, etwa die kompaktere Hinterachse; ferner will die Löwenmarke die Bremsanlage verstärkt haben, setzt aber an der Hinterachse in einigen Versionen noch immer auf Trommelbremsen. Auch die elektrische Servolenkung wurde neu abgestimmt. Die Chance jedoch, in die Geschichte als Hersteller des ersten Kleinwagens mit ESP in allen Varianten einzugehen, hat Peugeot verspielt. Vielleicht 300 Euro Aufpreis hätte das ausgemacht, und europaweit vielen Menschen das Leben gerettet.

Das Größenwachstum kommt sowohl den Passagieren, dem Laderaum als auch der passiven Sicherheit zugute. Kopffreiheit, Innenbreite und -länge haben jeweils zugelegt, ebenso die Sitzhöhe und die Beinfreiheit im Fond; außerdem sollen sich Lenkrad und Sitze besonders weit verstellen lassen. Der Kofferraum schluckt nun 270 Liter (VDA), das sind 25 mehr als bisher. Wer die Rückenlehne der Rückbank umlegt und die dortigen Sitzpolster aufstellt, erhält mit 923 Liter allerdings weniger Raum als bisher (992 Liter), wobei Peugeot eine ebene Ladefläche verspricht. Das Reserverad sitzt unter dem Kofferraumboden.

Zunächst werden sechs Motorisierungen zur Verfügung stehen, wobei noch nicht bekannt ist, ob dies auch für den deutschen Markt gilt. Es handelt sich um drei Benziner (1,4 Liter mit 73 und 88 PS und 1,6 Liter mit 109 PS) sowie drei Diesel (1,4 Liter, 68 PS und 1,6 Liter mit 90 und 109 PS), von denen nur die stärkste Variante mit Rußfilter ausgestattet ist und deswegen hierzulande zunächst alleine um Selbstzünder-Fans kämpfen dürfte. Die Kraftübertragung obliegt in allen Fällen einem nur fünfstufigen Getriebe; die aus dem 107 und 1007 bekannte automatisierte Getriebe "2-Tronic" steht zum Teil als Extra alternativ zur Verfügung. Die neuen, zusammen mit BMW entwickelten Benzinmotoren (1,6 Liter mit etwa 115 und 150 PS) sollen noch 2006 folgen.

Ebenfalls noch nicht festgelegt sind die genauen Spezifikationen hinsichtlich der Ausstattung für den deutschen Markt. Möglicherweise werden die einzelnen Niveaus künftig auf neue Namen hören, nämlich "Urban", "Trendy", "Sport", "Prémium" und "GT". Wer Peugeot kennt, ahnt, dass es wieder eine Vielzahl von Versionen, Serien- und Sondermodellen, Optionen und Paketen geben wird - das entsprechende Kapitel in der internationalen, nicht enden wollenden Pressemappe ist schon jetzt kaum verständlich.

Serienmäßig oder optional offeriert Peugeot u.a. Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Navigations-/Telematiksystem mit Farbmonitor und CD-Wechsler, Licht- und Regensensor, Lederpolsterung, einen offenbar von der Konzernschwester Citroën inspirierten Parfumspender für den Innenraum, einen automatisch abblenden Rückspiegel, dessen Automatik-Funktion seltsamerweise abschaltbar ist, elektrisch - auch per Fernbedienung - anklappbare Außenspiegel, automatische Türverriegelung während der Fahrt, statisches Kurvenlicht, Einparkhilfe (nur hinten), Reifendruckkontroll-System, Bluetooth-Freisprechanlage und vieles mehr.

207-basierte Nachfolger des gerade auch in Deutschland sehr erfolgreichen 206 Coupé-Cabrio und des weniger verkaufsstarken Kombis "SW" werden zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt, vermutlich 2007. Die drei- und fünftürigen 206-Varianten werden jedenfalls vorläufig als preislich attraktive Alternative in geringerer Angebotsvielfalt parallel zum Nachfolger angeboten - einen Weg, den auch Fiat (Punto), Renault (Clio) und Škoda (Octavia) beschreiten.

Die Markteinführung der neuen "Zweier-Reihe" in Deutschland dürfte im Frühsommer erfolgen, Preise liegen noch nicht vor. Trotz einiger Kritikpunkte ist das neue "Löwenbaby" insgesamt nicht nur größer, sondern auch erwachsener und letztlich wohl auch schöner als der 206 - gute Voraussetzungen für einen neuen Produktionsrekord. Bonne chance!
Leserbrief Autokiste folgen date  12.01.2006  —  # 4948
text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
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