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Bestseller vor schwieriger Zukunft
VW Golf wird 45

Volkswagen
Am 29. März 1974 begann in Wolfsburg die
Fertigung des VW Golf I – mit 50 und 70 PS
Damals ahnte niemand bei Volkswagen, dass der Nachfolger des legendären Käfer bis heute mehr als 35 Millionen Mal in aller Welt gekauft werden würde. 35 Millionen Stück in 45 Jahren klingt gut, aber es wird noch eindrucksvoller, wenn man umrechnet: Durchschnittlich wurde in den letzten 16.436 Tagen ohne Unterbrechung alle 41 Sekunden irgendwo auf der Welt ein neuer Golf bestellt. Alleine in Deutschland kamen 2018 laut KBA 211.500 Neuzulassungen zusammen.
"Der Golf ist das Herz unserer Marke. Er steht wie kein anderes Auto für Fortschritt und Technologie. Im Golf wurde zum Beispiel Sicherheitstechnik zum ersten Mal für Millionen Menschen erschwinglich. So hat er ganze Generationen geprägt", sagt der bei VW fürs Tagesgeschäft zuständige Manager Ralf Brandstätter. "Seit sieben Generationen trägt der Golf darüber hinaus dazu bei, dass sich Volkswagen als Marke und Konzern zu einem der global wichtigsten Automobilhersteller entwickeln konnte."
Der Golf, so erklärt VW anlässlich des Jubiläums, werde als eines von wenigen klassenlosen Kompaktmodellen auf dem Weltmarkt auch künftig "eine tragende Produktsäule der Marke Volkswagen sein" und mit "modernsten Antriebs-, Assistenz-, Infotainment- und Bediensystemen" entscheidende Impulse für die Zukunft der Mobilität liefern.
Dunkle Wolken über der Golf-Zukunft
Nicht nur angesichts der von VW selbst inzwischen massiv vorangetriebenen Elektro-Zukunft darf man diese Aussage aber mit etlichen Fragezeichen versehen.
Eigentlich soll nämlich der Kompaktwagen aus der neuen elektrischen I.D.-Familie, die der Autobauer neuerdings als "ID" bezeichnet, den erfolgreichen Wechsel
von Käfer zu Golf sozusagen wiederholen. Der neue ID wird ebenso wie der Golf VIII noch in diesem Jahr präsentiert. Auch wenn er optisch nicht jedem gefallen
wird und mit wenig verfügbaren Optionen bei Antrieb und Ausstattung möglicherweise manche Kunden abschreckt, ist nicht auszuschließen, dass E-Autos schon in
wenigen Jahren zum guten Ton gehören werden und dem konventionellen Golf das Leben schwer machen.
Dessen Bestseller-Position ist zusätzlich durch weitere Aspekte bedroht: So sind die Konzernbrüder Škoda Octavia und Seat Leon längst zu ernsthaften Konkurrenten gereift - und beide stehen aufgrund einer extern kaum nachvollziehbaren Produktplanung ebenfalls noch in diesem Jahr vor dem Generationswechsel. Dem Golf zu schaffen macht bereits jetzt die hauseigene Konkurrenz durch den Tiguan und vor allem den T-Roc. Wenn der Golf VIII optisch wirklich so nah am VIIer ist wie es aktuelle Erlkönig-Bilder nahelegen, wird er auch daran zu knabbern haben. Und schließlich ist die Ausdünnung des Modellangebots den Stückzahlen nicht förderlich: Etliche Motor-/Getriebevarianten werden mutmaßlich und der e-Golf sicher entfallen, und auch der "Sportvan" als Nachfolger des einst so beliebten Golf Plus dürfte keine Zukunft haben.
Schwere Zeiten für den Golf also. Es sei denn, VW nennt den als "Neo" oder "3" bekannten ID überraschend doch noch Golf respektive ID.Golf.











