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Konzernchef tritt zurück / Nachfolger steht am Freitag fest
VW: Die Ära Winterkorn ist vorbei

Volkswagen
Rücktritt statt Aufbruch: Den "Move" (Bild der "VW Group Night"
vor der IAA) hatte sich Martin Winterkorn anders vorgestellt
Ob Winterkorn über die Betrugs-Software in den TDI-Fahrzeugen wirklich nicht informiert war, wie es am Mittwoch das Präsidium des Aufsichtsrats noch einmal betonte, wird die Öffentlichkeit vermutlich nie erfahren, so wie die ganze Affäre überhaupt manche Fragen unbeantwortet lässt. Sein Rücktritt war aber in jedem Fall angemessen und unumgänglich, wenn VW wieder aus den Negativ-Schlagzeilen kommen will.
Man habe das Angebot des Vorstandsvorsitzenden zum Rücktritt mit großem Respekt zur Kenntnis genommen, erklärte das Präsidium im Anschluss an eine stundenlange Krisensitzung in Wolfsburg. "Seine Bereitschaft, die Verantwortung zu übernehmen und damit ein deutliches Signal in das Unternehmen hinein und nach außen zu senden, wird von dem Präsidium mit größter Hochachtung zur Kenntnis genommen", heißt es in einer Erklärung. Winterkorn habe sich um Volkswagen unschätzbare Verdienste erworben. Mit seinem Namen sei der Aufstieg des Unternehmens zu einem Weltkonzern verbunden. "Die Mitglieder des Präsidiums danken Herrn Professor Dr. Winterkorn für seine überragende Leistung in den vergangenen Jahrzehnten und für die Bereitschaft, in der derzeit kritischen Situation Verantwortung zu übernehmen", hieß es. Diese Einstellung sei beispielhaft.
Die Erklärung des Präsidiums:
Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern
möglich waren. Als Vorstandsvorsitzender übernehme ich die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren und habe daher den
Aufsichtsrat gebeten, mit mir eine Vereinbarung zur Beendigung meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns zu treffen. Ich tue dies
im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin.
Volkswagen braucht einen Neuanfang – auch personell. Mit meinem Rücktritt mache ich den Weg dafür frei.
Mein Antrieb war es immer, dem Unternehmen, vor allem unseren Kunden und Mitarbeitern zu dienen. Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben.
Der eingeschlagene Weg der Aufklärung und Transparenz muss weitergehen. Nur so kann wieder Vertrauen entstehen. Ich bin überzeugt, dass der Volkswagen-Konzern und seine Mannschaft diese schwere Krise bewältigen werden."
Volkswagen braucht einen Neuanfang – auch personell. Mit meinem Rücktritt mache ich den Weg dafür frei.
Mein Antrieb war es immer, dem Unternehmen, vor allem unseren Kunden und Mitarbeitern zu dienen. Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben.
Der eingeschlagene Weg der Aufklärung und Transparenz muss weitergehen. Nur so kann wieder Vertrauen entstehen. Ich bin überzeugt, dass der Volkswagen-Konzern und seine Mannschaft diese schwere Krise bewältigen werden."
Nachfolger wird am Freitag gewählt
Winterkorns Nachfolger soll bereits am Freitag im Aufsichtsrat vorgestellt und gewählt werden. Vieles spricht dafür, dass Porsche-Chef
Matthias Müller den Konzernvorsitz übernehmen wird, auch wenn dieser gelegentlich durchblicken ließ, darauf gar nicht so erpicht zu sein.
Als weitere Kandidaten gelten Ex-BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess, der seit kurzem den VW-Markenvorstand leitet, ferner Skoda-Chef
Winfried Vahland und Nutzfahrzeug-Vorstand Andreas Renschler. Auch Audi-Chef Rupert Stadler wird als WiKo-Nachfolger gehandelt, obwohl
er als Betriebswirt nicht die unausgesprochene Konzernregel, der Chef solle ein Techniker sein, erfüllt.
Winterkorn ist derzeit auch noch Vorstandsvorsitzender der Porsche SE, dürfte dieses Amt aber ebenfalls aufgeben. Er bekleidet außerdem zwei Aufsichtsratmandate.











