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Vom Iltis zum A6 Allroad / Mit Werbespot »Skischanze«
Audi: Fünf Millionen Pkw mit Quattro-Antrieb
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| Bei Audi lief das | Audi |
| fünfmillionste Quattro-Modell vom Band | |
Wer "quattro" sagt, meint Audi, und wer Audi sagt, meint oft quattro: 2012 entscheiden sich mehr als 43 Prozent aller Audi-Kunden weltweit für ein quattro-Modell - ein neuer Rekord. Mit rund 205.600 Einheiten steht der Audi Q5 an der Spitze. Dabei setzen nicht nur SUV-Fahrer auf den Allradantrieb der Marke: In den anderen Modellreihen entscheidet sich 2012 knapp jeder vierte Kunde für quattro. Besonders gut verkaufen sich die quattro-Modelle in den USA, in Kanada, in Russland und auf den Märkten des Mittleren Ostens. Auch in Deutschland zählt die Statistik 2012 rund 99.800 neu zugelassene Audi-Modelle mit Allradantrieb - deutlich mehr als bei den Wettbewerbern.
Die Ursprünge reichen in den Winter 1976/77 zurück - damals unternahm eine Gruppe Audi-Ingenieure die üblichen Testfahrten im tief verschneiten Schweden. Zu Vergleichszwecken fuhr ein Iltis mit - ein in Ingolstadt entwickeltes Auto für die Bundeswehr. Trotz seiner nur 75 PS ließ der hochbeinige Geländewagen den viel stärkeren Audi-Prototypen mit ihrem Frontantrieb keine Chance.
Wenige Wochen später begann ein kleines Team von Ingenieuren, an der Spitze der damalige Entwicklungsvorstand Dr. Ferdinand Piëch, ein Allrad-Auto zu entwickeln. Um das zunächst heimliche Projekt später beim Mutterhaus Volkswagen durchzubekommen, ließ Audi einen sommerbereiften Prototypen mit Quattro-Antrieb bei Schneeketten-Tests in Österreich vor den Augen von VW-Verantwortlichen die Steigung erklimmen - viel schneller als die Schneeketten-Modelle. Im folgenden Sommer wiederholte sich die Prozedur - auf einer von der Werkfeuerwehr bewässerten und so besonders rutschigen Hang-Wiese in Ingolstadt. Der damalige VW-Chef Toni Schmücker gab daraufhin sein OK, der Siegeszug der Quattro-Geschichte begann.
Der Geniestreich von Audi, der die quattro-Technologie erst möglich machte, ist die Hohlwelle - eine hohl gebohrte Sekundärwelle im Getriebe, über die Kraft in zwei Richtungen fließt. Von ihrem hinteren Ende aus treibt sie das Mittendifferenzial an. Die andere Hälfte des Antriebsmoments gelangt über eine Abtriebswelle, die in der hohlen Sekundärwelle rotiert, zum Differenzial der Vorderachse. Die Hohlwelle ermöglichte einen Allradantrieb, der praktisch verspannungsfrei, leicht, kompakt und effizient im Wirkungsgrad war und ohne schweres Verteilergetriebe nebst zweiter Kardanwelle auskam.
Die Technologie feierte auf dem Genfer Salon 1980 im neuen Audi quattro, einem kantig gestylten Coupé mit 200 PS, ihr Debüt. Anfangs nur als Kleinserie geplant, entwickelte sich der Ur-quattro aufgrund der großen Nachfrage zum Erfolgsmodell; immer wieder verfeinert, blieb er bis 1991 im Programm. 1984 stellte ihm Audi den Sport quattro mit 306 PS und kurzem Radstand zur Seite. 1986 ersetzten die Ingolstädter das manuell sperrbare Mittendifferenzial durch das Torsen-Differenzial (torque sensing, Drehmoment-fühlend). Dieses Schneckenradgetriebe konnte die Antriebsmomente variabel verteilen. Der nächste große Schritt folgte 2005 mit dem Planetenradgetriebe samt asymmetrisch-dynamischer Grundverteilung der Kräfte.
Schon Anfang der 80er Jahre entschied das Unternehmen, den quattro-Antrieb in jeder Baureihe anzubieten - die neuen Modelle waren wichtige Meilensteine auf dem Weg von Audi ins Premiumsegment. 1995 erschien der erste TDI mit permanentem Allradantrieb, vier Jahre später zog die Technologie ins kompakte Segment ein. Heute sind Audi Q7, R8, A4 allroad, A6 allroad sowie alle S- und RS-Modelle ausschließlich mit quattro-Antrieb erhältlich, bei allen weiteren Baureihen ist er optional bestellbar - mit unterschiedlichen Techniken. Inklusive der verschiedenen Karosserieformen, Motoren und Getriebe ergibt sich eine Vielfalt von mehr als 140 Modellvarianten.
Nur ein Versprechen hat Audi nicht gehalten: Ferdinand Piëch hatte einst orakelt, der Allradantrieb werde bald nicht viel mehr kosten als ein Satz Winterreifen. Heute verrechnet Audi für den Quattro-Antrieb etwa im A4 tatsächlich 2.350 Euro - das Äquivalent würde man nicht einmal mit einem Satz 20 Zoll großer Reifen schaffen. Der Grund für den hohen Quattro-Aufpreis ist indes weniger in der Technik als im Marketing zu suchen. Dem Erfolg des Konzepts hat es keinen Abbruch getan, und zum 5-Millionen-Jubiläum zeigt Autokiste noch einmal den wohl besten Quattro-Werbespot (Link vor diesem Absatz).












