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Viertürige Studie als Vorreiter des künftigen Peugeot-Renners für Le Mans
Begehrlichkeiten: Peugeot 908 RC mit V12-Diesel
Nun ist es wieder Herbst, und Ende September öffnet die "Mondial de l’Automobile" in der Seine-Metropole wieder ihre Pforten. Wieder setzt Peugeot auch auf einen Zwölfzylinder-Motor, doch damit sind die Gemeinsamkeiten auch schon weitgehend erschöpft. So ist der 908 RC kein Coupé wie seinerzeit der 907, sondern eine Limousine einigermaßen klassischen Zuschnitts und mit vier normalen Türen versehen. Für Oh-là-làs sorgen dürfte das Auto dennoch: Konzept - Heck-Mittelmotor - und Design - groß und flach - zitieren automobile Träume.
Mit 5,12 Meter Länge ist der 908 RC ist im Oberklasse-Segment zu Hause, doch schon die Höhe liegt mit 1,37 Metern rund zehn Zentimeter unter dem Standard - zehn Zentimeter, die man sieht. Um die Wirkung der großen, bläulich-schwarz lackierten Karosserieflächen zu verstärken, wurde auf Türgriffe verzichtet. Für Hinguck-Effekte sorgen zudem die großen Räder, die an der Vorderachse 20 und an der Hinterachse 21 Zoll messen und mit jeweils 20 Speichen versehen sind. Auffällig sind zudem die LED-Leuchten an Front und Heck, letztere in einen Einsatz aus poliertem Aluminium integriert. Die Linienführung des Hecks wird durch einen Diffusor betont, der durch eine Chromleiste hervorgehoben und auf beiden Seiten von einem doppelten Auspuff-Endrohr flankiert wird.
Das Cockpit des 908 RC ist schon wegen des Heck-Mittelmotors weit vorne positioniert. Eine auffallend große Windschutzscheibe, die bis weit hinter die vorderen Passagiere reicht und in ein Glasdach übergeht, sorgt für ein gutes Raumgefühl im Interieur. Keine Frage, dass viel Leder, braunes Eichenholz, poliertes Alu und Chrom für Wohlfühl-Ambiente sorgen; das gewisse Etwas verkörpert zudem eine Uhr von Bell & Ross. Der Fahrer kann Funktionen wie Navigation, Klimatisierung und Audioanlage über einen großen Touchscreen bedienen. Ein weiterer Monitor auf der Mittelkonsole bietet auch den maximal zwei Passagieren im Fond Zugriff auf dieses System.
Zurück zum Antriebskonzept: Diesel und Zwölfzylinder lauten also die Eckdaten, was an sich schon beeindruckend ist. Das Triebwerk, imageträchtig natürlich als "Hdi" bezeichnet, ist mit einem Zylinderwinkel von 100 Grad konstruiert, was für einen niedrigen Schwerpunkt sorgt. Das gesamte Antriebsaggregat, das darunter liegende automatisierte Sechsgang-Getriebe und die Hinterachse sind an einem Gitterrohrträger aufgehängt, der mit der selbsttragenden Karosseriestruktur verbunden ist. Diese besteht aus einem Verbund aus Karbon-Prepregs und Aluminiumwaben, der in einem Vakuum-Druckofen ausgehärtet wurde.
Dieses "Package", wie man sagt, ermöglichte den Peugeot-Ingenieuren nebenbei die Integration von gleich zwei Kofferräumen: Hinter der elektrisch betriebenen Heckklappe können 300 und unter der manuellen Fronthaube weitere 220 Liter verstaut werden.
Der Motor selbst bietet ein Leistungspotenzial von "über" 700 PS, das maximale Drehmoment beträgt mehr als 1.200 Newtonmeter. Im Vorfeld der Messe hat es an dem Einzelstück natürlich niemand ausprobiert, aber Computerberechnungen haben eine Höchstgeschwindigkeit von über 300 km/h und - beeindruckender - eine Zeit von 22 Sekunden für den Kilometer mit stehendem Start ergeben. Bremsscheiben im XXL-Format und aus Karbon-Keramik vom italienischen Spezialisten Brembo sorgen auch umgekehrt für beeindruckende Verzögerungswerte.
Während der 908 RC in dieser Form ein reines "Showcar" ist und nach der Messe in den Peugeot-Katakomben verschwinden wird, dürfte man "908" noch öfter hören: So nämlich wird der zukünftige Diesel-Rennwagen für die Le Mans Series heißen, deren Höhepunkt das legendäre 24-h-Rennen ist. Audis R10 TDI also bekommt Konkurrenz, der HDi-Löwe faucht sich schon einmal warm.












