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Dienstag, 24. November 2020,
Über 800 Wildunfälle jeden Tag / 885 Mio. Euro Kosten

Zahl der Wildunfälle auf Rekordhoch

Für die Versicherer sind es Kosten, für die Autofahrer bedeutet es Ärger und Schreck, und die Tiere bezahlen meist mit ihrem Leben: Wenn es zwischen Auto und Reh & Co. kracht, verlieren alle. Und das passiert immer häufiger – seit Jahren.
Zahl der Wildunfälle auf Rekordhoch
Fotolia/hykoe
Über 800 Wildunfälle pro Tag
ereigneten sich 2019 in Deutschland
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Die Zahl der Wildunfälle in Deutschland steigt weiter an. Nach 2015, 2016 und 2017 lag sie 2019 erneut auf Rekordniveau, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Montag in Berlin mitteilte. Demnach wurden 2019 rund 295.000 Wildunfälle registriert – so viele wie nie zuvor und 27.000 mehr als im Vorjahr.

Rein rechnerisch kollidierten jeden Tag über 800 kaskoversicherte Pkw mit Wildtieren. Allerdings ist die Gefahr eines Wildunfalls über das Jahr ungleich verteilt: Besonders hoch ist das Risiko in den Monaten April und Mai und von Oktober bis Dezember.

Wie die Auswertung weiter zeigt, sind zudem die Reparaturen nach Wildunfällen teurer geworden: Für jeden Unfall zahlten die Versicherer 2019 knapp 3.000 Euro, sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Grund für den Anstieg sind höhere Preise für Karosserieteile, die nach Wildunfällen häufig ausgetauscht werden müssen. Insgesamt kosteten Wildunfälle die Autoversicherer rund 885 Millionen Euro, 17 Prozent mehr als in Vorjahr.

Wildunfälle lassen sich nicht vollständig vermeiden. Wer aber seine Fahrweise speziell in der Dämmerung und am Rand von Wiesen, Feldern und Wäldern durch erhöhte Aufmerksamkeit und geringeres Tempo anpasst, Warnschilder auch wahrnimmt und zu einer echten Vollbremsung in der Lage ist, kann das Risiko für sich und das Tier deutlich minimieren. Ausweichen ist dabei natürlich in aller Regel keine sinnvolle Option: Der Crash in den Gegenverkehr, einen Baum oder einen Graben birgt weit größere Gefahren.

Wenn es gekracht hat, muss die Unfallstelle abgesichert und die Polizei informiert werden. Fotos vom Unfallort, vom Tier und vom Fahrzeug sind hilfreich für eine schnelle Schadenbearbeitung der Versicherung, die umgehend zu informieren ist. Wegen der Tollwutgefahr dürfen verletzte oder getötete Tiere nicht angefasst werden. Autofahrer, die möglicherweise an einen günstigen Braten denken und das Wild mitnehmen, begehen Wilderei - eine Straftat.

Schäden am eigenen Fahrzeug, die durch Haarwild – wie Rehe und Wildschweine – verursacht werden, begleicht die Voll- bzw. Teilkaskoversicherung. Einige Versicherer haben ihren Schutz in der Teilkasko zusätzlich auf Unfälle mit bestimmten weiteren oder auch Tieren aller Art ausgeweitet. Auf den persönlichen Schadenfreiheitsrabatt hat ein Wildschaden keinen Einfluss.
Leserbrief Autokiste folgen date  20.10.2020  —  # 13244
text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
GDV
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