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Dienstag, 19. Mai 2026
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Marken & Modelle Lesezeit ~ 3 Minuten

Sieben neue Modelle bis Ende 2029

Ford-Offensive: Vollgas ohne Leidenschaft

Fast alle eigenen Modelle eingestellt, viele Standorte geschlossen, der Marktanteil niedrig wie nie – hinter Ford in Europa haben viele schon einen Haken gesetzt. Doch jetzt kündigen die Kölner "Vollgas" an und eine "neue Ära". Richtig spannend klingt es freilich nicht.

Ford-Offensive: Vollgas ohne Leidenschaft
Ford
Fünf neue Pkw-Modelle, zwei davon auf Renault-Basis, will Ford bis Ende 2029 auf den Markt bringen
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Lebenszeichen aus Detroit respektive Köln: Ford hat am Montag gegenüber der Händlerschaft eine "umfassende Produkt- und Serviceoffensive" angekündigt, um im europäischen Wettbewerb "zu bestehen und zu gewinnen". Sie soll "maßgeschneidert auf die spezifischen Anforderungen europäischer Kunden" sein und zusammen mit "Ready-Set-Ford" antreten, einer neuen globalen Markenplattform, die auf "Fords Führungsposition in den Bereichen Fahrzeugen für Profis, begeisternde Performance und Offroad-Abenteuer basiert". Man konzentriere sich auf die Bereiche, in denen Ford authentisch auftrete und sich von anderen abhebe: "Build, Thrill und Adventure" (Anpacken, Nervenkitzel und Abenteuer).

Soweit das Marketing-Geplänkel. Konkret wird der Autobauer auch, wenn auch nur ansatzweise. Angekündigt ist einerseits ein weiterer Ausbau des Nutzfahrzeug-Geschäfts Ford Pro und dort insbesondere der Software-Lösungen – Bereiche, in denen der Autobauer nach wie vor erfolgreich agiert und die Fords Europa-Präsident Jim Baumbick denn auch als "Rückgrat des Europageschäfts" bezeichnet.

Bei den Nutzfahrzeugen selbst wird das Angebot noch in diesem Jahr um den Transit City ergänzt, einen in China zugekauften E-Transporter, der preislich unterhalb des Transit Custom positioniert ist. Dazu kommt der Ranger Super Duty, eine besonders robuste Variante des erfolgreichen Pick-up mit verstärktem Fahrwerk, hoher Bodenfreiheit und zusätzlichem Unterbodenschutz. Das Fahrzeug wird dabei zwei Tonnen Nutzlast und nicht weniger als 4,5 Tonnen Anhängelast bieten. Ford zielt hier auch auf Kunden aus dem Militär.

Außerdem will Ford in den kommenden Jahren fünf neue Pkw einführen. Dabei handelt es sich um einen elektrischen Kleinwagen als Fiesta-Nachfolger sowie eine SUV-Variante davon. Die Technik für beide Modelle wird wie berichtet Renault beisteuern, R5 und R4 sind die Grundlage. Auch die Fertigung wird bei Renault in Frankreich erfolgen.

Dritter im Bunde ist ein Kompakt-SUV, der sozusagen den demnächst ebenfalls auslaufenden Kuga beerben wird. Die Produktion soll 2028 in Spanien starten, die Antriebstechnik wird Verbrenner und E-Versionen beinhalten, was Ford als "Multi-Energy" bezeichnet. Dies ist auch der Ansatz für die beiden weiteren Crossover-Modelle, von denen Ford bisher nur verrät, dass sie bis Ende 2029 kommen sollen und "Rally-Gene" tragen. Vermutlich dürften sie den Puma beerben. Explorer und Capri als letzte "deutsche" Modelle bleiben bis auf Weiteres im Programm.

Ford setzt sich für den Multi-Energy-Ansatz ein und fordert einen europäischen regulatorischen Rahmen, der die CO2-Ziele mit der "Wahlfreiheit der Verbraucher in Einklang bringt" und einen "realistischen, verlässlichen Planungshorizont bietet". Der Autobauer möchte auch Modelle mit Hybrid- und Range-Extender-Technik vom Gesetzgeber gefördert sehen. Wenn Emissionsziele von der realen Verbrauchernachfrage entkoppelt würden, seien die Folgen kontraproduktiv: Käufer behielten ältere Fahrzeuge mit höheren Emissionen länger, und die Wirtschaftlichkeit industrieller Investitionen werde untergraben, heißt es.
Kommentar
Sieben neue Modelle – das klingt zunächst tatsächlich nach Vollgas und Produktoffensive. Doch eine Ranger-Version und ein umgelabelter China-Transporter sind keine vollwertigen Neuheiten. Bleiben die beiden kleinen Stromer auf Renault-Basis und die drei eigenen neuen Modelle. Und selbst wenn man bei letzteren den Multi-Energy-Ansatz verstehen will, so gelingt es nicht recht. Dass Ende 2029 noch ein relevanter Markt für den Verbrenner vorhanden ist, ist mindestens fraglich. Der E-Anteil in Deutschland lag zuletzt, dreieinhalb Jahre früher, schon bei 26 Prozent.

Mit den jetzt avisierten neuen Modellen wird der einstige traditionsreiche Volumenhersteller Ford erst einmal nicht vom Markt verschwinden, aber auch weder den VW-Marken noch den Koreanern noch der Stellantis-Gruppe ernsthaft Stirnrunzeln bescheren. "Vollgas" geht anders: Die neuen Modelle müssten früher kommen, alle elektrisch sein und in Sachen Antrieb, Design, Sicherheit oder anderer Details irgendetwas in Aussicht stellen, dass sie einzigartig macht. Sie müssten neue vernünftige Namen bekommen und – nicht zuletzt – zumindest einige davon müssten da vom Band laufen, wo vor 95 Jahren alles begann: am Rhein, in Niehl, in Köln.
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