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Donnerstag, 17. September 2026
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Mini-Stromer wird erwachsener

Dacia Spring: Der zweite Frühling

Obwohl der Spring als letzter Dacia arg einfach daherkommt, war er einigermaßen erfolgreich. Nun erscheint schon kurz nach der letzten Aufwertung die zweite Generation: Deutschlands günstigstes Elektroauto wird dank neuer Basis deutlich erwachsener. Doch es gibt auch Rückschritte.

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Dacia hat die zweite Generation des Spring angekündigt. Der Stromer basiert künftig nicht mehr auf dem in Indien verkauften Renault Kwid, sondern auf der RG-EV-Plattform von Renault – einfacher ausgedrückt: auf dem überwiegend in China entwickelten Renault Twingo.

Das bringt zunächst deutlich geänderte Proportionen mit sich. So wird der Spring einerseits gut 15 Zentimeter länger, andererseits und insbesondere aber fast 14/19 Zentimeter (ohne/mit Außenspiegeln) breiter. Mit 3,86 bzw. 1,74 Metern bleibt er damit dem Kleinstwagen-Segment treu, fährt jetzt aber mit einen wesentlich satteren Auftritt vor. Dies gilt umso mehr als sein betont geometrisches, strukturierte Design überwiegend gelungen erscheint und subjektiv dem des verspielt-retro wirkenden (und etwas kleineren) Twingo überlegen ist.

Der Radstand wächst von 2,42 auf 2,50 Meter, das Gewicht von 1.070 auf 1.210 Kilo. Dacia erklärt, der Spring verfüge über "einen der geräumigsten Innenräume im elektrischen A-Segment und das beste Kofferraumvolumen", was angesichts bisher kaum vorhandener Konkurrenz und der sprachlichen Teil-Einschränkung unschönes PR-Geplappere ist. Konkret wächst das Kofferraumvolumen von guten 308 auf bessere 337 Liter Volumen, wobei das zweigeteilte Fach unter dem Laderaumboden mitgerechnet ist. Wird die mittig teilbare Rücksitzbank umgeklappt, stehen 1.283 Liter zur Verfügung, merkliche 280 mehr als bisher. Die verschiebbaren Rücksitze des Twingo sind dem Rotstift zum Opfer gefallen, dafür bietet nur Dacia einen – aufpreispflichtigen – Frunk mit 18 Litern Volumen an.

Im Interieur gibt es unverändert ein 7-Zoll-Kombiinstrument und nur in der höheren Ausstattungslinie ebenfalls wie bisher ein Navi mit 10,1-Zoll-Bildschirm, kabelloser Apple-Carplay- und Android-Auto-Anbindung, Kartenupdates und Fernsteuerungsfunktionen via Handy. Ohne das Navi liefert die Marke nur eine Smartphone-Halterung mit Bluetooth-Anbindung. Anders als bisher ist das Lenkrad jetzt höhen- und tiefenverstellbar. Kurios: Dacias Pressemappe erwähnt, der Fahrersitz sei verschiebbar.
Antrieb & Akku
Der neue Dacia Spring verfügt über einen Antrieb mit 82 PS Leistung und 175 Nm Drehmoment. Die Zeit für den Standardsprint gibt der Hersteller mit 12,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit mit 130 km/h (bisher 125) und den Verbrauch mit 12,7 kWh/100 km an. Mit der 27,5 kWh kleinen LFP-Batterie (bisher 24,3) ergebe sich somit eine Norm-Reichweite von 250 Kilometern (bisher 225), heißt es bei Dacia. Rechnerisch kommt das nicht wirklich hin, und wer den Akku nicht ganz leer fährt, nicht ganz voll lädt, auch mal eine Stadtautobahn befährt und Klima oder Heizung nutzt, wird sich real auf 150 Kilometer einstellen müssen.

Je nach Einsatzszenario ist das nicht unbedingt schlimm. Standardmäßig wird entweder über eine Haushaltsteckdose aufgeladen, was neun Stunden dauert (Dacia geht von 15 bis 80 Prozent aus), oder mit 6,6 kW AC. Optional gibt es ein "Power-Paket", was AC-Laden mit 11 kW und vor allem DC-Laden mit 50 statt bisher 40 kW in dann alltagstauglichen 28 Minuten ermöglicht. Das Paket beinhaltet auch eine V2L-Funktion, vermutlich aber nicht den notwendigen Adapter. Andere Leistungsstufen oder Akkugrößen sind nicht vorgesehen.
Preise & Optionen
Der Spring der zweiten Generation ist bereits konfigurier- und bestellbar. Die Preise beginnen bei 17.900 Euro und damit 2.000 Euro unterhalb denen des Twingo, das empfehlenswerte Topmodell "Journey" – u.a. mit dem erwähnten Navi, mit Keyless-System, Rückfahrkamera, 16-Zoll-Rädern und Gepäckraumabdeckung – kostet ab 19.400 Euro, das Power-Paket weitere 500 Euro und andere Lackierungen als weiß 650 Euro. Es stehen insoweit allerdings nur grau, schwarz und die Launchfarbe "Agave" zur Wahl.

Nicht nur bei den Farben, auch sonst hat Dacia für den guten Preis auf fast jegliche Individualisierungsmöglichkeit verzichtet. Als Extras stehen nur Sitzheizung und Frunk zur Wahl sowie einiges an Zubehör. Wer ein Fahrrad transportieren will, scheitert an der fehlenden Option der Anhängekupplung. Auch ein Glasdach, ein paar Lautsprecher mehr, eine andere Sitzbezugsfarbe, eine automatische Klimaanlage, elektrisch anklappbare Spiegel, eine kürzere Antenne oder Aluräder gibt es beispielhaft weder für Worte noch für Geld.
Fazit & Kritik
Etwas mehr Akku, mehr Platz, vernünftige Türgriffe, schnelleres Laden, mehr Drehmoment, mutmaßlich bessere passive Sicherheit: Insgesamt hat der "zweite Frühling" dem Auto gut getan, wobei vor allem das neue Design viele Kunden ansprechen dürfte. Dennoch ist es erstaunlich, dass Dacia mit dem Generationswechsel auch Rückschritte vollzogen hat: Bisher gab es auch eine Variante mit 102 PS, bisher gab es ein symmetrisches Interieur mit zentralen Lüftungsdüsen, bisher gab es Parksensoren vorne. Der Verbrauch war minimal geringer, die hinteren Fenster senk- statt ausstellbar – und der Basispreis nicht unerhebliche 1.000 Euro niedriger.
Rückblick & Ausblick
Der Spring erschien in Deutschland im Frühling 2021. 2023 hatte Dacia einen 65-PS-Motor ins Spring-Programm aufgenommen, diesen an eine damals neue Topvariante gekoppelt und die Preise gesenkt. 2024 folgte dann eine größere optische Überarbeitung, die den Spring innen wie außen deutlich hochwertiger erscheinen ließ. Außerdem gab es ein verbessertes Fahrwerk, eine Servolenkung, einen Frunk und sogar eine V2L-Schnittstelle. Dennoch gingen die Verkaufszahlen 2024 gegenüber den Vorjahren merklich zurück. Erst Ende 2025 hatte Dacia einen neuen Antriebsstrang mit mehr Kraft, neuer Batterietechnik und erhöhter Ladeleistung angekündigt.

Seit dem Start lösten rund 50.000 Spring Frühlingsgefühle bei deutschen Kunden aus, insgesamt wurden nach Werksangaben 210.000 Exemplare in 40 Ländern verkauft. Wer den Spring noch immer zu wenig erwachsen findet, sollte abwarten: Bis 2030 wird Dacia noch drei weitere Stromer auf den Markt bringen, darunter voraussichtlich auch einen Sandero. Und dann kommt ja auch noch der VW ID.Up.
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