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Sonntag, 26. Mai 2024
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Neue Wege in Design, Interieur und Flexibilität / Neue Motoren

Vorstellung: Das ist der neue Honda Civic

Siehe Bildunterschrift
Bild anklicken für Großansicht Völlig neu zur IAA:
Honda Civic VIII
Honda
Honda Civic, das stand bisher für ein ordentliches, aber nicht weiter auffälliges Kompaktauto aus Japan. Auf der IAA steht die neue, inzwischen bereits achte Generation – mit dem Vorgänger hat sie nur noch den Namen gemeinsam. Ein Hingucker par excellence, der Mountainbikes stehend hinter den Frontsitzen transportieren kann.
Der Blick auf die Abmessungen offenbart die erste von, so viel sei verraten, mehreren Überraschungen: Der Civic widersetzt sich dem Trend zu immer mehr Länge, wird außerdem flacher, allerdings auch deutlich breiter.

Die Außenlänge beträgt nun 4,25 Meter (bisher: 4,29), die Höhe 1,46 (1,50) und die Breite 1,76 (1,71) Meter - damit ist der Civic allerdings immer noch länger als etwa ein VW Golf (4,20 Meter). Der Radstand beträgt jetzt 2,64 Meter (Golf: 2,58); parallel zum Breitenwachstum steigen naturgemäß auch die Spurweiten um gut drei (vorne) bzw. gut zwei Zentimeter (hinten). Trotz der geringeren Gesamthöhe wurde die Position der vorderen Sitze zugunsten der Ergonomie - Stichworte Übersichtlichkeit, Ein- und Aussteige-Komfort - leicht erhöht.

Der Civic war in seiner langen Geschichte oft etwas anders als üblich, wenn auch nicht immer. Die neue Generation jedenfalls ist im Vergleich zum bisherigen Modell ein absoluter Paukenschlag, um nicht zu sagen - Paradigmenwechsel. Das Design darf zu Recht als "Gesicht in der Menge" bezeichnet werden, wenn auch die Behauptung von Honda, die Konkurrenten verträten einen Einheitslook, so nicht stimmt.

Auffällig sind zunächst die kurze Schnauze und die ausgeprägte Keilform sowie die Alfa- und neuerdings Seat-typisch im hinteren Fensterrahmen optisch versteckten hinteren Türgriffe - Coupé-Look mit der Assoziation von Sportlichkeit ist allenthalben "in". Dazu gesellt sich eine Front, die von einem schmalen, durchgehenden Plexiglas-Streifen bestimmt wird, der an den beiden Seiten die flachen, aber sehr breiten Scheinwerfer aufnimmt. Einen konventionellen Kühlergrill gibt es nicht; Luft besorgt sich der Civic durch einen singulären, großen Einlass im Wabengitter-Design in der Frontschürze, flankiert von dreieckigen Nebelscheinwerfern.

Das durchgehende Band findet sich auch am Heck wieder, wo es allerdings wegen schon bekannter, ähnlicher Lösungen nicht ganz so auffällt. Im übrigen ist die Heckpartie gekennzeichnet durch einen großen Spoiler im unteren Drittel der Heckscheibe, der auch die breite dritte Bremsleuchte aufnimmt und der offenbar einen Heckwischer obsolet macht. Dazu kommt eine Auspuffanlage mit links und rechts angeordneten Rohren, die die Dreiecksform der Nebelleuchten zitieren.

Gerade Kanten, etwa an den Fondtüren, kleine Spaltmaße, zurückhaltende, aber verkleidete Radläufe, ein hoch platzierter Tankdeckel im Alu-Look und große Spiegelblinker gehören zu den weiteren Auffälligkeiten.

Wer denkt, dass es nach so viel Aufwand beim Außendesign im Interieur konventionell zugeht, liegt falsch, und das bezieht sich sowohl auf das Konzept als auch auf die Gestaltung, wobei es Honda in Bezug auf letztere unserer Meinung nach deutlich übertrieben hat.

Die Instrumententafel gibt sich zerklüftet. Im oberen Teil findet sich der zentral platzierte Digital-Tacho, ähnlich wie im Honda S2000. Seine weit nach vorn verlegte Anordnung soll das Ablesen ohne eine Änderung der Fokussierung der Augen, wie es bei einer konventionellen Platzierung nötig ist, ermöglichen. Seitlich links angeordnete Leuchtdioden zeigen zudem die Annährung an Grenzdrehzahl-Bereiche an. Der Eco-Anzeiger rechts informiert den Fahrer über die Wirtschaftlichkeit seiner aktuellen Fahrweise. Hier ist außerdem der Monitor für das Navigationssystem und das Radio-Display integriert.

Im unteren Bereich dominiert der mittig platzierte, farbig gehaltene Analog-Drehzahlmesser mit integriertem Bordcomputer-Display das Bild. Daneben gibt es Temperatur- und Tankanzeige; außerdem viele unterschiedlich geformte Schalter, Bediensatelliten und Lenkstockhebel sowie ein Multifunktionslenkrad, das ebenfalls in punkto Tastern reichlich bestückt ist. Links davon sitzt, ebenfalls ähnlich wie im S2000, der rote Startknopf. Aluminium und Aluminium-Look an Lenkrad, Mittelkonsole, Türverkleidungen und Pedalerie sollen sportliches Flair verbreiten.

Dazu bekommen Civic-Kunden, mutmaßlich gegen Aufpreis, ein Panorama-Glasdach, das sich über beide Sitzreihen erstreckt und natürlich mit einer elektrisch bedienbaren Sonnenblende bestückt ist. Nur von innen sichtbar ist die Fläche durch die Mittelstrebe der Dachkonstruktion geteilt.

Der eigentliche Clou im Innenraum ist jedoch ein anderer, den die Honda-Ingenieure durch eine Verlagerung der Fahrgastzelle nach vorne einerseits und der Positionierung des 50 Liter-Tanks unterhalb der vorderen Sitze andererseits realisieren konnten. Der neue Civic verfügt nicht nur über ein in dieser Klasse weit überdurchschnittliches Kofferraumvolumen von 456 Litern (Golf: 350), sondern bietet darüber hinaus ein flexibles Rücksitz-System.

So kann die Fondsitzfläche in senkrechter Position justiert werden, womit ein großzügig bemessener und gleichzeitig relativ hoher Raum entsteht, der sogar den Transport eines kleinen Mountainbikes ermöglicht (siehe Fotoserie). Außerdem lassen sich die Rücksitze vollständig im Fahrzeugboden versenken. Der Kofferraum bietet auch unter seinem Boden ein weiteres Fach, wobei der Boden zugunsten von mehr Höhe auch ganz versenkt werden kann - mutmaßlich ungefähr so wie in Mercedes A- und B-Klasse.

Noch ein Blick auf die Motoren, die im Civic alle neu sind: Basisantrieb ist ein 1,4 Liter-Benziner mit 83 PS, der im Mittel 6,1 Liter verbraucht. Darüber rangiert ein völlig neu entwickeltes 140 PS-Aggregat mit 1,8 Litern Hubraum, das sich mit 6,4 Litern begnügen soll. Besonders stolz ist Honda auf den oft gelobten, aus dem Accord bekannten 2,2 Liter-Diesel, der ebenfalls 140 PS leistet, 340 Newtonmeter Drehmoment entwickelt und 5,1 Liter verbraucht.

Alle Motorisierungen sind, auch das ein Novum in dieser Klasse, serienmäßig an ein Sechsganggetriebe gekoppelt. Optional können die Benziner-Varianten auch mit einem automatisierten 6-Gang-Getriebe geordert werden. Weitere Details zu Ausstattungen und Preisen liegen noch nicht vor, außer dass alle Varianten serienmäßig über sechs Airbags, aktive Kopfstützen vorne, Gurtwarner für alle Sitzplätze und ESP verfügen werden, das sich im Honda-Jargon VSA nennt.

Premiere feiert der neue Civic auf der IAA in Frankfurt ab Mitte September, der Verkauf in Deutschland soll Anfang kommenden Jahres starten. Man darf gespannt sein, ob das Auto beim Publikum ankommt.
text  Hanno S. Ritter
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