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Dienstag, 29. November 2022,
Ansehnliche Hülle und ordentliche Leistung statt Murks-Karre

Toyota Prius V: Nichts ist unmöglich!

Seit gut zwei Jahren gibt es keinen Prius mehr in Deutschland – doch kaum jemand hat das merkwürdige Auto vermisst. Die Geschichte ist aber keineswegs zu Ende: Bei der fünften Generation hat sich Toyota deutlich mehr Mühe gegeben, den Kunden das Portemonnaie zu öffnen. Nichts ist unmöglich.
Toyota
Das ist, man glaubt es kaum,
der neue Toyota Prius. Klicken für mehr...
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Über den Toyota Prius lässt sich viel schreiben, dass er als erstes Hybrid-Auto in Großserie viel für das Toyota-Image getan hat, dass er von etlichen Prominenten mit grünem Anspruch gefahren wurde, dass es im Normverbrauch lange Zeit das beste Modell weit und breit war, dass es als Taxi recht robust war. Und auch, dass der Wagen einfach lahm, in Details primitiv und lieblos gemacht – und vor allem hässlich war. Letzteres gilt speziell für die 2016 eingeführte vierte Generation, die nicht nur bei uns auf geringstmögliche Anerkennung stieß.

Doch die Prius-Geschichte ist noch nicht zu Ende. Toyota hat die fünfte Generation vorgestellt, und sie lässt den Betrachter dann doch etwas länger verweilen. Aus dem hässlichen Entlein ist nun nicht gerade ein hübsches Coupé geworden, doch kann man dem neuen Prius das Wort ansehnlich gönnen. "Das einzigartige aerodynamische Design, für das der Pionier seit jeher bekannt ist, wird durch eine coupéartige Silhouette auf ein neues Niveau gehoben und um eine sportliche Note angereichert", heißt es beim Hersteller dazu, und das ist weniger übertrieben als es sonst üblich ist.

Der neue Prius wirkt kompakter, niedriger, sportlicher und in vielen Details mit mehr Lust gezeichnet. Das Design ist cleaner, reduzierter und frei von Experimenten. Eine flache Frontpartie mit aufwendigem Tagfahrlicht mündet in eine völlig glatte Seitenlinie mit schöner akzentuierten Radläufen, verzichtet auf ein merkwürdiges Fensterkonstrukt in der C-Säule und läuft in ein langgezogenes Heck mit durchgehender Lichtleiste und großem zentralem Prius-Schriftzug. Der Griff der hinteren Türen ist jetzt in der Fensterlinie "versteckt", vorne gibt es lobenswerterweise noch die allmählich aussterbenden Bügelgriffe.

Das Design profitiert auch von optimierten Proportionen: Während die Länge um rund fünf Zentimeter auf 4,60 Meter schrumpfte, ist der Radstand um etwa den gleichen Wert auf nun 2,75 Meter gewachsen. Gleichzeitig wird der Prius 22 Millimeter breiter und rund fünf Zentimeter flacher. Mit Rädern, die jetzt bis zu 19 Zoll groß sein dürften, ergibt sich damit ein völlig anderes Bild als zuvor.

Ganz perfekt also? Nein. Warum Toyota die Parksensoren nicht bündig einlassen kann, das eigene Logo in einem negativen Winkel am Heck versteckt, die cleane Linie mit einem PHEV-Schriftzug stört, nicht alle Lichtfunktionen am Heck bündelt, zusätzlich zum vorderen Dreiecksfenster noch eine schwarze Verkleidung an der A-Säulen-Wurzel benötigt und die hintere Abschleppöse in einem zweifarbigen Bereich positioniert, wissen wir auch nicht.

Antriebsseitig wird der neue Prius stets als Plug-in-Hybrid geliefert, jedenfalls in Deutschland. Als konventioneller Motor setzt Toyota jetzt af einen Zweiliter-Benziner, der 148 PS leistet. Dazu kommt ein umgerechnet 160 PS starker Elektromotor. Damit steigt die Systemleistung auf 223 PS - ziemlich genau die 100 mehr, die dem alten immer fehlten. Beide Motoren treiben die Vorderachse an, was auf schwierige Traktionsverhältnisse schließen lässt.

Zu Fahrleistungen gibt es noch keine Angaben. Was die rein rein elektrische Reichweite betrifft, kündigt Toyota eine Erhöhung um mehr als die Hälfte an. Das wären dann etwa 90 Kilometer im Stadtverkehr. Die Kapazität des Akkus steigt von 8,8 auf 13,6 kWh; er lässt sich nicht nur extern per Kabel laden, sondern auch über ein optionales Solardach.

Zuletzt ein Blick ins weitgehend schwarz gehaltene Interieur: Auch hier hat einerseits viel gestalterische Ruhe Einzug gehalten. So ist das breite Display vor der Windschutzscheibe verschwunden, der Wählhebel auf den Mitteltunnel gewandert, ein Display hinter dem schöneren Lenkrad zu finden, die Luftduschen sind aufgehübscht und so fort. Andererseits ist das Ambiente noch immer ein Stück entfernt davon, wirklich schön, zeitlos oder auch nur ansatzweise edel zu sein.

Der neue Prius wird im Sommer 2023 eingeführt. Preise und Daten liegen dementsprechend noch nicht vor. Der einstige Vorreiter hat seine Vorreiter-Rolle längst verloren - ihm nun deutlich größeren Erfolg vorauszusagen, ist kein Wagnis. Nichts ist unmöglich, selbst ein vernünftiger Prius.
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text  Hanno S. Ritter
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