archivmeldung Lesezeit ~ 2 Minuten
Gericht: These vom vorsorglichen Mitführen von Tierhaaren ist grotesk
Urteil: Versicherung scheitert mit abstruser Argumentation bei Wildunfall
![]() |
Ein Mann war mit seinem Pkw nachts auf eisglatter Straße unterwegs. Plötzlich rannte ein großes Wildschwein über die Fahrbahn und prallte seitlich gegen das Heck des Fahrzeugs. Der Wagen geriet ins Schleudern, kam von der Straße ab und prallte mit der hinteren Heckseite gegen einen Baum. Das jedenfalls behauptete der Fahrer.
Später wollte der Mann den durch den Wildunfall entstandenen Schaden von seiner Kaskoversicherung ersetzt haben. Die weigerte sich jedoch, zu zahlen. Begründung: Man glaube nicht, dass der Unfall durch einen Zusammenprall mit Wild ausgelöst wurde, sondern dass der Mann unvorsichtig gefahren und durch eigene Schuld ins Rutschen gekommen sei. An der Unfallstelle seien keine Trittspuren eines Wildschweins gefunden worden, so die Assekuranz. Tierhaare habe man am Unfallwagen zwar entdeckt. Diese könne der Mann aber auch mit sich geführt und nachträglich an dem Fahrzeug angebracht haben, um den Anschein eines Wildunfalls zu erwecken. Es sei auch denkbar, dass die Wildschweinborsten von einem früheren Zusammenstoß mit Haarwild stammten.
Der Fall ging vor Gericht, und das OLG Hamburg entschied wie folgt
Die an der Unfallstelle gefundenen Tierhaare, so das Gericht, wiesen eindeutig auf eine Kollision mit Wild hin. Die Mutmaßung der Versicherung, dass der Autofahrer vorsorglich einen Satz Wildschweinhaare mit sich geführt haben könnte, um sich ihrer im Falle eines Glätteunfalls zu bedienen, sei grotesk. Die These, dass ein Wildschwein bereits zu einem früheren Zeitpunkt mit dem Fahrzeug des Klägers kollidiert sein könnte, sei reine Spekulation. Die Richter befanden, dass von einem Wildunfall auszugehen sei und die Kaskoversicherung zahlen müsse.












