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Wahlkampf-Auftritt mit Trump
Audi-Chef: Gernot Döllner ist unerträglich
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Audi erklärt, man wolle die USA damit neben Europa und China zur dritten tragenden Säule des globalen Audi-Produktionsnetzwerks machen. Wer sich die Entwicklung in China anschaut, dürfte die USA perspektivisch eher als Ersatz für die chinesischen Ambitionen sehen. Während die Marke mit den vier Ringen ihr belgisches Werk geschlossen hat und viele davon ausgehen, dass Neckarsulm folgen wird, hätte eine entsprechende Einordnung nicht schaden können: Immerhin will Audi in Georgia satte 4.000 Millionen Dollar investieren und nicht weniger imposante 4.500 Arbeitsplätze schaffen. Und das für eine Produktionskapazität von gerade einmal 200.000 Fahrzeugen jährlich.
Um welche Modelle es sich handeln wird, bleibt unterdessen unklar. Einerseits, weil der Produktionsstart erst für "Anfang der 2030er-Jahre" terminiert ist – bei BMW vergingen damals zwischen Grundsteinlegung und erstem Bandablauf keine zwei Jahre. Andererseits, weil die von Audi jetzt angekündigten "Premium-SUVs, die gezielt für die Anforderungen nordamerikanischer Kundinnen und Kunden entwickelt werden" reichlich unspezifisch sind.
Aber um all das soll es hier eigentlich gar nicht gehen, denn das eigentliche Problem liegt woanders. Dass dieser Artikel nicht wie sonst hier üblich ein Aufmacherfoto trägt, hat einen Grund: Audi verschweigt in der Kommunikation die Begleitumstände der Ankündigung komplett in Wort und Bild. Denn diese Ankündigung erfolgte von Audi-Chef Gernot Döllner am Sonntag lokaler Zeit im Beisein des US-Präsidenten Donald Trump. Und nicht nur in dessen Beisein, sondern ausgerechnet auf einer von dessen Wahlkampfveranstaltungen.
Ja, richtig: Der Audi-Chef teilt sich die Wahlkampf-Bühne mit Trump. Jenem Mann, der jegliche Grundsätze einer Demokratie missachtet. Der fortlaufend lügt, der als sexistisch, transphob, rassistisch und korrupt zu bezeichnen ist. Der Deutschland und Europa mehrfach den Handelskrieg angekündigt hat und mit seinen Zöllen auch Audi geschadet. Döllner überlässt dem Präsidenten die Ankündigung und belässt es nicht einmal bei einem Handschlag: Er tätschelt Trump auch noch die Schulter.
Damit hat Döllner nicht nur gegen die eigenen Unternehmensgrundsätze verstoßen, sondern sich gemein gemacht mit einem Mann, der sich noch zuvor auf der gleichen Bühne für seine immergleichen rassistischen und hasserfüllten Parolen hatte feiern lassen. Man kommt aus dem Fremdschämen nicht heraus. Noch deutlicher hat es die VW-Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo formuliert, die wir hier aus rechtlichen Gründen aber nicht zitieren können.
Aus meiner Sicht hat der Audi-Chef Audi damit nicht einen Bärendienst erwiesen, sondern nachhaltig geschadet. Das aufgrund fehlenden Vorsprungs durch Technik, subjektiv schlechter werdendem Design, fehlenden Elektro-Modellen, zweifelhafter Nomenklatur und weiteren Aspekten sowieso angeknackste Audi-Image ist damit endgültig im Keller. Wohl wissend, dass auch andere, noch mächtigere CEOs die Nähe zu Trump gesucht haben: So dämlich, dreist und dumm wie Döllner hat es keiner von ihnen geschafft. Ist der Mann so naiv oder glaubt er ernsthaft, seinem Unternehmen damit Gutes zu tun? Oder ist es in diesen Zeiten naiv, bei einem millionenschweren Manager ein Mindestmaß an Anstand und gesundem Menschenverstand als selbstverständlich vorauszusetzen?
Ausdrücklich ohne Döllner auf eine Stufe mit dem unsäglichen Elon Musk zu stellen, darf man gespannt sein, wann es auf Amazon die ersten Tesla-inspirierten Anti-Döllner-Aufkleber geben wird. "FCK GRNT" passt buchstabentechnisch nicht so gut, aber "I bought the car, not the CEO" dürfte sich jetzt auch manch Audi-Fahrer aufs Heck kleben. Übrigens nicht nur hierzulande, sondern auch in den USA.
Audi braucht jetzt vor allem eines: Eine klare öffentliche Distanzierung von diesem völlig unangemessen Auftritt. Und einen neuen Chef. Und falls der oberste Boss Oliver Blume die Pläne im Vorfeld kannte und nicht stoppte, auch der gesamte Konzern.
Das musste einmal gesagt sein – schon weil unsere großen Mitbewerber und die reichweitenstarken Auto-Youtuber es vermutlich aus Angst um Werbeaufträge und Testwagen nicht tun werden.
