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Donnerstag, 13. Dezember 2018,
Großes SUV à la Tiguan Allspace kommt Anfang 2019

Seat Tarraco: Aller guten Dinge sind drei

Seat zeigt mit dem Tarraco sein neues Flaggschiff. Das dritte SUV der Marke und dritte Modell dieser Machart im VW-Konzern erscheint Anfang 2019. Konzept und Design gehen in Ordnung, sind aber an Vorhersehbarkeit auch nicht zu toppen.
Seat
Anfang 2019 bringt Seat mit dem
Tiguan-Schwestermodell Tarraco sein neues Flaggschiff
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Dass am Ende Tarraco, die katalanische Bezeichnung für das heutige Tarragona, das Rennen als Namensgeber für das neue SUV von Seat machen würde, hatten wir nicht nur wegen des fehlenden A am Ende wie bei den beiden anderen Seat-SUVs nicht erwartet, ist aber jedenfalls angeblich das Ergebnis der öffentlichen Abstimmung. Schlecht klingen tut es nicht, und das gilt auch für den Rest des Wagens.

Beim Tarraco - gesprochen Taracco - handelt es sich um ein großes SUV, das prinzipiell auf dem Škoda Kodiaq und demnach auf dem VW Tiguan Allspace basiert. Anders als der kleinere Ateca, der zusammen mit dem Karoq bei Škoda in Tschechien gebaut wird und sich sogar die Türen mit diesem teilt, setzt sich der Tarraco optisch deutlich vom Kodiaq ab. Dies betrifft einerseits die erwartete Differenzierung mittels Fensterform in der C-Säule und den stehenden Außenspiegeln, die ein zusätzliches Dreiecksfenster vorne bedingen.

Andererseits wird dies deutlich in einer seitlichen Sicke, die nicht oberhalb der Türgriffe verläuft, sondern auf deren Höhe, und die im Bereich der A-Säule endet. Damit zeigt der Tarraco auch schon, dass er eher mit dem Tiguan verwandt ist als mit dem Kodiaq. Schon wieder muss Seat aufgrund der konzerninternen Kooperation auf seine charakteristischen Doppelsicken verzichten, die damit nur Ibiza, Leon und Arona tragen.

Auffällige Unterschiede bieten auch die beim Seat weniger weit herumgezogene Motorhaube, die überdies vorne nicht bis zum Kühlergrill reicht, und die runden statt eckigen Radhäuser. Außerdem verfügt der Tarraco sowohl vorne als auch hinten serienmäßig über eine Voll-LED-Beleuchtung - Kodiaq- und Tiguan-Fahrer können davon nur träumen. Die durchgehende Lichtleiste ist - mutmaßlich bis zum Facelift - nur als Reflektor ausgeführt, auch wenn die Herstellerfotos eine aktive Leuchtfunktion suggerieren. Damit bleibt diese bis auf Weiteres Audi und Porsche vorbehalten.

Ebenso erstaunlich: Wo Seat schon lange die Modellnamen mittig und gesperrt aufs Heck geklebt hatte, verzichten die Spanier nun, da VW dies einführt, auf dieses Merkmal - obwohl der Platz locker vorhanden gewesen wäre. Und es gibt noch mehr Dinge, die auffallen: Über den Heckleuchten - die dynamische Blinker enthalten - erblickt man die vom Tiguan bekannte überlappende Blechlippe, und Seat verzichtet auf die andernorts allgegenwärtige, der Aerodynamik geschuldete, aber das Auge störende seitliche Verkleidung der Heckscheibe.

An der Front trägt der Tarraco einen auffallend steil stehenden Grill mit stärker als bisher betonter, dreidimensionaler Chromeinfassung. Er wird flankiert von unauffälligen Scheinwerfern, deren Tagfahrlicht (das gleichzeitig als nicht-animierter Blinker dient) den bekannten Seat-Stil aufnimmt, aber etwas breiter interpretiert. Insgesamt wirkt der Tarraco gegenüber dem Kodiaq den ersten Bildern nach zu urteilen etwas schlanker, weniger stattlich respektive ausladend - obwohl er mit 4,74 Metern sogar zwei Finger länger ist als das Schwestermodell. Seat-Chef Dr. Matthias Rabe sieht beim Design gar das "sportlichste Fahrzeug im Segment". Insgesamt ist der Tarraco optisch näher beim Tiguan Allspace als beim Kodiaq.

Daten liefert Seat im Vorfeld der Messepremiere im Oktober noch nicht. Klar ist, dass es den Tarraco auch als Siebensitzer geben wird, wenn man denn die Nachteile eines solchen Konzepts in Kauf nehmen mag. Klar ist auch, dass Seat auf eine digitale Instrumentierung setzt, insoweit aber nur die kleine Variante mit 10,25 Zoll, die auch im Ibiza oder Arona verbaut wird, bieten kann. Das zentrale, erstmals bei Seat freistehend verbaute Display ist acht Zoll groß. Das System soll auch eine Gestensteuerung bieten, heißt es. Seat bezeichnet den Screen darüberhinaus als "beweglich" - doch dabei handelt es sich wohl um einen Übersetzungsfehler aus dem Englischen, wo von "floating" die Rede ist. Man mag hoffen, dass die Endkontrolle bei den Autos besser funktioniert.

Acht Zoll ist einerseits inzwischen gar nicht mehr so viel, andererseits verlangt Seat dafür sogar Aufpreis. Standard dürften nur 6,5 Zoll sein. Auch Tote-Winkel-Assistent, Verkehrszeichenerkennung, Abstandstempomat, Stauassistent sowie Fernlicht- und Notfallassistent stellen die Spanier extra in Rechnung. Serienstandard sind Spurführung, Notbremsassistent mit Fußgängererkennung sowie automatischem Notruf und Pre-Crash-Assistent. Angenehm: Nur zwei Ausstattungslinien wird es geben. Schade: Allerdings auch nur acht Außenfarben.

Gänzlich konventionell gestrickt ist der Tarraco auf der Antriebsseite: Je zwei der bekannten Otto- und Diesel-Aggregate (1,5 und 2,0 TSI, 2,0 TDI, 150-190 PS) sorgen für Vortrieb. Alle modernen Techniken wie 48-Volt-Netzwerk, Startergenerator oder Ähnliches sind zunächst nicht vorgesehen. "Später wird es für den Tarraco auch alternative Antriebstechnologien geben", heißt es bei Seat dazu schlicht - das könnte sich indes auch auf eine Erdgas-Variante beschränken.

Preise liegen noch nicht vor. Seat will die Auftragsbücher für den Tarraco im Dezember öffnen, Anfang 2019 sollen die Auslieferungen beginnen. Gebaut wird Seats Flaggschiff übrigens nicht im eigenen Werk wie der Arona, nicht bei Škoda wie der Ateca, sondern in Wolfsburg wie der Tiguan. Der normale Tiguan wohlgemerkt, denn der Allspace wird aus Mexiko importiert. Der VW T-Cross wird trotzdem nicht zusammen mit dem Arona vom Band laufen, aber immerhin in Spanien.
Hinweis: Die Passage über die Lichtleiste am Heck wurde nach Erstveröffentlichung geändert, nachdem sich durch Sichtung weiterer Fotos und Videos deren Passivität herausgestellt hatte.
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text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
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