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Dienstag, 25. September 2018,
Fünftürige Fastback-Limousine mit Premium-Ambitionen

Neuer Peugeot 508: Gut gebrüllt, Löwe!

Peugeot wagt sich abermals ins schwierige Segment der Mittelklasse. Der neue 508 überrascht dabei nicht nur mit einem veränderten Konzept und interessanten Ausstattungen, sondern untermauert seinen Anspruch der Höherpositionierung auch mit der direkten Benennung des Konkurrenten. Und der ist ziemlich Premium.
Peugeot
Fastback statt Stufenheck, elegant statt bieder:
Peugeot zeigt den neuen 508
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Im traditionellen D-Segment der Limousinen stagniert der europäische Markt seit vier Jahren, zuvor hat er mehr als ein Jahrzehnt des Rückgangs erlebt. Die Limousine wird von allen Seiten attackiert, speziell durch die SUV. Die Mittelklasse besteht inzwischen hauptsächlich aus Kombis deutscher Premiumhersteller. Das weiß man auch bei Peugeot, und interessanterweise weiß man es nicht nur, sondern kommuniziert es auch ganz offen.

Wenn sich die Löwenmarke nun trotzdem in diesen Markt wagt, wird sie es sich genau überlegt haben. Weil ein einfaches, günstiges Auto kaum vorstellbar ist, setzt Peugeot den bisher erfolgreich beschrittenen Weg der Höherpositionierung fort. Daraus folgt mit dem zweiten 508 ein Auto, das schon auf dem Papier sehr viel mehr Interesse weckt als der biedere Vorgänger. Ein Auto, das tatsächlich kürzer ausfällt als bisher, vor allem aber flacher.

Mit 4,75 Metern Länge (minus acht Zentimeter), 1,84 Metern Breite (plus zwei) und nur noch 1,40 Metern Höhe (minus sechs) ergeben sich völlig neue Proportionen. Die Maße entsprechen nahezu genau jenen des Audi A5 Sportback, und dass die Franzosen diesen im 508-Pressetext gleich mehrfach erwähnen, ist ebenso ungewöhnlich wie sympathisch. Wieso soll man nicht sagen, an welchen Konkurrenten man bei der Entwicklung oft gedacht hat? Ein Peugeot ist nicht so edel wie ein Audi, werden Sie sagen, und in letzter Konsequenz natürlich Recht haben. Doch der Abstand verringert sich, und das nicht nur weil Peugeot besser wird, sondern auch, weil Audi derzeit eher auf der Stelle zu treten scheint.

Dass der 508 so flach werden konnte, verdankt er nicht zuletzt jenem Kniff, der sonst eher Coupés, Sportwagen oder eben Premium-Modelle wie den A5 auszeichnet: Er setzt auf rahmenlose Türen. Peugeot erläutert, man nutze für die Komponenten die gleichen Zulieferer und das etwas dickere Glas wie Audi. Und es gibt noch eine Parallele: Der neue 508 ist keine klassische Stufenheck-Limousine mehr, sondern bietet eine große Heckklappe - ein fünftüriger Fastback mithin, so wie Skoda Superb, VW Arteon und auch der Insignia der neue Konzerntochter Opel. Das Ladeabteil nimmt 487 bis 1.537 Liter Gepäck auf, seine Ladekante ist niedriger und breiter als beim aktuellen Modell.

Beim Antrieb reicht es nicht ganz zum Audi-Vergleich, weil Peugeot weder Sechszylinder noch Allradantrieb bieten kann und auch keine Triebwerke mit 350 oder gar 450 PS. Für den Familienvater oder den Geschäftswagen dürften die angebotenen Aggregate aber durchaus in Ordnung gehen.

Basis ist ein 1,5-Liter-Diesel mit 130 PS, den es mit manuellem Sechsganggetriebe oder 8-Gang-Wandlerautomatik gibt. Alle anderen Varianten verfügen serienmäßig über diese Automatik: Der Zweiliter-Diesel wird mit 160 und 180 PS angeboten, der 1,6-Liter-Benziner mit 180 PS und - ausschließlich im 508 GT - mit 225 PS. Der schwächste Diesel mit Automatik soll nur 3,7 Liter verbrauchen - ein sehr guter Wert, der ausgezeichnet wird, wenn man bedenkt, dass er schon nach der neuen WLTP-Norm ermittelt wurde. Im Herbst 2019 folgt eine Hybrid-Variante, dem Vernehmen nach aber anders als bisher ohne Allrad-Option.

Dass der neue 508 alle Assistenten mitbringt, die in dieser Klasse üblich sind, versteht sich von selbst. Ob Tote-Winkel-Warnung, vollautomatisches Einparken, adaptive Dämpfung, Spurhalte- und Fernlicht-Assistent, Müdigkeitswarner, erweiterte Verkehrszeichenerkennung (inkl. Stoppschilder und Durchfahtsverbot) - alles verfügbar. Peugeot setzt dem Ganzen aber ein i-Tüpfelchen auf, in dem es eine Sicherheitstechnik bietet, die sonst nur in der Oberklasse - und also auch nicht im A5 - zu haben ist: Ein Nachtsichtgerät. "Night Vision" erkennt dank einer Infrarot-Kamera Lebewesen, die sich nachts oder bei eingeschränkter Sicht in einer Entfernung von bis zu maximal 250 Metern im Bereich vor dem Fahrzeug befinden, warnt den Fahrer und zeigt das Bild im Kombiinstrument.

Apropos Kombiinstrument: Natürlich setzt auch der 508 auf das Alleinstellungsmerkmal des über dem kleinen Lenkrad positionierten, sogenannten i-Cockpits in der jüngsten, volldigitalen Ausführung mit 12,3-Zoll-Display. Der Touchscreen auf der Mittelkonsole misst acht Zoll in der Basisversion, sonst großzügige 10,5 Zoll. Im Übrigen zeichnet sich der Innenraum durch Alcantara, Nappaleder, echtes Holz, Klavierlack-Oberflächen und einen futuristisch anmutenden Wählhebel aus. "Die genauen Spaltmaße sind der Welt der Luxuslimousinen würdig", heißt es bei Peugeot. Ein Panorama-Schiebedach ist erhältlich.

Äußerlich setzt der neue 508 auf eine markenuntypische, prägnante, vertikale Tagfahrlicht-Signatur, die ungeschickterweise etwas an Renault erinnert. Im Übrigen ist der Auftritt unspektakulär und überwiegend zeitlos gezeichnet. Das vordere Dreiecksfenster entfällt, die Spiegel sind nicht mehr stehend ausgeführt, und auf eine Dachantenne hat Peugeot der Optik zuliebe auch verzichtet.

Die hintere Seitenscheibe ist nun geteilt und läuft wesentlich schöner in die C-Säule aus. Daran schließt sich ein Heck an, das nicht mehr als "wie-sollen-wir-das-nur-hinbekommen"-Konzept zu bezeichnen ist, sondern als sportlich-knackig gelten darf. Endlich trägt der 508 detailverliebt gestaltete Rückleuchten in Voll-LED-Technik (mit Tagfahrlicht in drei Dimmstufen), einen schicken Kennzeicheneinsatz und einen vernünftigen Abschluss der Heckklappe, die zur Gewichtsreduzierung übrigens aus Plastik besteht.

"Gut gebrüllt, Löwe" - das ist eine auch bei Autokiste nicht ganz neue, aber selten so passende Überschrift für einen neuen Peugeot gewesen. Auch wenn die Franzosen den Mund vielleicht etwas zu voll nehmen und ein A5-Fahrer schon aus Imagegründen nicht zu erreichen ist: Der 508 scheint nach dem ersten Eindruck mit Herzblut gemacht zu sein. Das neue Selbstbewusstsein manifestiert sich denn auch bis hin zum 508-Schriftzug, der  nicht nur am Heck klebt, sondern auch vorne über dem Grill - ganz so wie einst beim 504.

Interessenten können den 508 II auf dem Genfer Salon im März erstmals in natura sehen, die Auslieferungen werden erst im Oktober 2018 starten. Und wer noch etwas länger wartet, dürfte - wohl - auch wieder einen 508 Kombi bekommen.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date  22.02.2018  —  # 12436
text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB