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Dienstag, 12. Dezember 2017,
Armaturentafel ohne Hutze / Digital-Instrumente / Viele Detail-Optimierungen

Mercedes A-Klasse: So chic wird das Interieur

Mercedes startet die PR-Aktionen zur neuen Generation der A-Klasse – und untermauert einmal mehr, mutig zu sein, Dinge anders zu machen. War die auslaufende A-Klasse vor allem wegen ihres Außendesigns auffällig, sind die Hingucker dieses Mal mehr im Interieur zu finden. Erste Einblicke und Details.
Daimler
Doppelmonitor statt Hutze: Die Armaturentafel
der nächsten Mercedes A-Klasse geht neue Wege
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Mercedes hat erstmals das Interieur der neuen A-Klasse präsentiert. Wichtigstes Merkmal ist ein komplett neu gezeichneter Armaturenträger, der auf eine klassische Hutze verzichtet und in zwei horizontale Volumenkörper aufgeteilt ist: Der untere Teil ist durch einen optischen "Graben" vom oberen Hauptteil getrennt und scheint dadurch vor der Instrumententafel zu schweben.

Während Mercedes bei digitalen Instrumenten anders als VW/Audi keine Vorreiterrolle für sich beanspruchen kann, ist diese Technik im neuen A sogar serienmäßig vorhanden: Zwei Displays nebeneinander versorgen den Fahrer mit Informationen. Damit sich mit dieser Thematik trotz ihrer grundsätzlichen Serienmäßigkeit extra Geld verdienen lässt, haben sich die Stuttgarter drei Versionen einfallen lassen. Standard sind zwei einzelne Screens mit je sieben Zoll Größe, optional gibt es die Kombinationen 7- plus 10,25-Zoll-Bildschirm und zwei Mal 10,25 Zoll. Bei den beiden aufpreispflichtigen Varianten sind beide Anzeigen unter einem gemeinsamen Glas ("Bonded Glass") zusammengefasst.

Der rechte Bildschirm wird nicht zu einem Touchscreen, wie man das vielleicht erwartet oder gehofft haben mag und wie es für viele Nutzer sicher die gewohntere und schnellere Bedienung ermöglicht hätte, vielmehr hält Mercedes hier am Bedienkonzept mit einem Controller und Touchpad fest. Erwähnenswert ist auch, dass die digitalen Instrumente jedenfalls in der bisher ausschließlich präsentierten großen Ausführung nicht mehr markentypisch gestaltet sind. Die senkrecht stehenden Zeiger sind ebenso Geschichte wie die kleinteilig schraffierten Skalen, statt der primitiv wirkenden fetten Kursivschrift gibt es nun eine deutlich filigranere Beschriftung - fast sind wir geneigt zusagen: Die ersten schönen Instrumente seit dem 124er.

Während es bei fünf runden Lüftungsdüsen bleibt, sucht man die Tastenwüste darunter vergeblich. Die Designer haben die große Klimabedieneinheit und die weiteren Schalter zu einer schlanken Leiste zusammengefasst, zusätzliche Tasten gibt es nur noch um das Touchpad auf dem breiter gewordenen Mitteltunnel. Der Wählhebel sitzt weiterhin rechts am Lenkrad, welches weitgehend jenem der S-Klasse entspricht, also Touchflächen aufweist und die gesamte Tempomat-Bedienung übernimmt; der zweite Lenkstockhebel links ist wie bei VW Geschichte.

Höher als bisher finden sich der Startknopf und der Taster für die elektrische Handbremse, dessen Positionierung links am Lichtschalter aber nach wie vor ebenso markentypisch wie branchenuntypisch und im Falle eines Notfalls vom Beifahrer nicht zu erreichen ist. Lob hingegen verdienen die endlich als offener, schräg gestellter Bügel ausgeführten Türgriffe innen und die umfangreiche Ambientebeleuchtung mit nun 64 statt zwölf Farben. Die Türtaschen nehmen es fortan vorne mit 1,5-Liter- und hinten mit 1,0-Liter-PET-Flaschen auf und bieten integrierte Halterungen für Warnwesten; vergrößert wurde auch die sogenannte Spontanablage vor dem Schalthebel.

Auch abseits von Instrumententafel und Türverkleidungen, die viel schöner als bisher ineinander übergehen, gibt es Verbesserungen. Erwähnenswert ist die Rundumsicht, die dank schmalerer Säulen und/oder Säulenverkleidungen und der nun stehenden Außenspiegel um zehn Prozent optimiert wurde, und das Raumangebot. Gewachsen sind sowohl Schulterraum (vorn +9 mm, hinten +22 mm) als auch Ellenbogenbreite (vorn +35 mm, hinten +36 mm) und Kopffreiheit (vorn +7 mm, hinten +8 mm). Die hinteren Türen öffnen einen größeren Ausschnitt.

Der Kofferraum wächst um 29 auf 370 Liter, und weil die Ladeöffnung dank nun geteilter Rückleuchten um satte 20 Zentimeter breiter ausfällt, die hinteren Rückenlehnen sich optional steiler stellen lassen und die Laderaumlänge um 11,5 Zentimeter üppiger ausfällt, dürfte sich das ist der Praxis noch weit besser anfühlen als es die reinen Zahlen vermitteln können. Die Fondsitze sind serienmäßig im Verhältnis 60/40 teilbar, auf Wunsch liefert Mercedes auch eine 40/20/40-Variante.

Die vorderen Sitze gibt es in Standard-, Komfort- und Schalenausführung, neu und noch ungewöhnlich in der Kompaktklasse ist eine optionale, dreistufige Sitzbelüftung. Auch eine Massagefunktion für die Vordersitze ist künftig bestellbar.

Ein kleines Leckerli für Auto-Fans zum Schluss: Die neue A-Klasse, die übrigens auf den internen Baureihencode W177 hört, verabschiedet sich auch vom bisherigen Stummelschwänzchen, äh Heckscheibenwischer: Weil der Dachkantenspoiler innen endlich eine entsprechende Ausbuchtung aufeist, wird der Wischer länger, was sowohl das Auge des Betrachters freut als auch das Wischfeld vergrößert.

Bestellbar ist die neue A-Klasse ab Februar, mutmaßlich erfolgt die Exterieur-Präsentation noch vor Weihnachten. Es wird spannend zu sehen sein, inwieweit der A dem Klassenprimus Golf 2018 das Leben erschweren wird. Mehr als bisher, so viel steht schon jetzt fest, denn es stimmt, was das Mercedes-Marketing behauptet: Der vierte A ist jung geblieben - aber erwachsen geworden.
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text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB