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Samstag, 21. Oktober 2017,
Vierte Generation verzichtet auf Paradigmenwechsel

Erlkönig: Neue A-Klasse nur noch leicht getarnt

Vermutlich noch in diesem Jahr zeigt Mercedes die neue A-Klasse. Entsprechend sind die Prototypen inzwischen nur noch schwach getarnt rund ums Stammwerk unterwegs – leichte Beute für unseren Erlkönig-Fotografen.
Automedia
Nur noch leicht getarnt
dreht die nächste Mercedes A-Klasse ihre Runden
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Mercedes macht längst nicht immer alles richtig, aber Mercedes ist oft mutiger als andere. Dafür stehen beispielhaft die (geglückten) Baureihen SLK und CLS, der (verunglückte) Maybach, die plötzlich runden Scheinwerfer oder der Wählhebel am Lenkrad, vor allem aber die A-Klasse. Die erste Generation von 1997, weil sie den Hersteller stärker als der 190er zuvor in ein völlig neues Marktsegment führte und mit dem Sandwich-Boden ihrer Zeit voraus war, die zweite Generation von 2004, weil sie an Langeweile kaum zu überbieten war, und die dritte Generation, die 2012 alles auf eine Karte setzte und mit einem völlig neuen Design und Konzept bei gleichem Namen kam - sah, und siegte. Erstmals hatte Mercedes den erfolgreichen Konkurrenten à la A3, Golf und 1er etwas entgegenzusetzen.

2018 kommt A-Klasse Nummer vier. Sie wird weder mutig noch langweilig sein, dieses Mal konnten sich die Entwickler auf eine Evolution des Status Quo fokussieren. Mercedes hat das Raumangebot dank neuer MFA-Plattform bei nahezu identischer Länge leicht verbessert, und zwar sowohl für die Passagiere als auch für das Gepäck, inklusive einer breiteren Ladeluke. Breite und Radstand legen zu, der vordere Überhang wird zurückgenommen.

Was das Design angeht, hatte Mercedes schon vor einigen Monaten einen "Aufbruch zu einer noch konsequenteren Umsetzung der »Designsprache der Sinnlichen Klarheit«" angekündigt. Sie soll sich durch eine puristische, flächenbetonte Gestaltung mit reduzierten Linien und Fugen auszeichnen. Anders als von uns zunächst angenommen, bedeutet dies keine bis zum Grill reichende Motorhaube, die Fuge bleibt doch erhalten. Speziell die Seitenflächen werden aber homogener ausfallen als bisher.

Die jetzt in Stuttgart erwischten Prototypen sind nur noch leicht getarnt. Sie zeigen insbesondere fünf Auffälligkeiten: So reicht die Motorhaube künftig offenbar nicht mehr bis an die Scheinwerfer heran, die Leuchten selbst werden schlanker, schräger und damit optisch dynamischer gestellt, die Außenspiegel sind stehend ausgeführt, das dritte Seitenfenster wird größer, und bei den Heckleuchten vertraut Mercedes künftig auf die verbreitete geteilte Bauart, wie sie dem aktuellen Modell aus Kostengründen verwehrt geblieben war.

Dazu kommen filigranere, endlich horizontaler liegende Türgriffe. Der Erlkönig trägt einen Tankdeckel, der auf die richtige rechte Seite zurückgekehrt scheint - aber das mag auch eine bewusste Täuschung des Tarnteams sein. Endgültiger wirkt der Richtungswechsel beim Heckwischer, der künftig rechts liegen wird. Insgesamt wirkt das Design gereift und, sagen wir, weniger japanisch. Auch im Innenraum darf eine Modernisierungskur erwartet werden - mit Digitalinstrumenten, größerem und wohl nicht mehr freistehendem Zentralbildschirm, ohne Comand-Controller und dem neuem Lenkrad à la E-Klasse.

Über Motorisierungen ist noch wenig bekannt, weitgehend gesichert ist nur eine Adaoption des sauberen Zweiliter-Diesels mit etwa 150 und 190 PS anstelle des 1,5-Liter-Aggregats von Renault und des veralteteten 2,1-Liter-Triebwerks. Das Doppelkupplungsgetriebe wird verdrängt von der Neunstufen-Automatik. Allradantrieb bleibt im Programm, und natürlich wird es wieder eine - eher zwei - potente AMG-Versionen geben.

Wir erwarten eine Vorstellung der neuen Generation mit dem Baureihen-Kürzel W177 noch in diesem Jahr, die Publikumspremiere auf dem Genfer Salon im März und die Markteinführung im April/Mai 2018. Die künftig nicht weniger als sechs Derivate - B-Klasse, GLA, GLB, CLA, CLA Shooting Brake und Limousine - folgen sukzessive.
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text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB