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Donnerstag, 23. November 2017,
What3Words kommt zunächst wohl in der G-Klasse

Mercedes bringt Navigation mit Drei-Wort-Adresssystem

Wenn man davon noch nie gehört hat, klingt es wie ein Aprilscherz: Jeder Punkt auf der Welt ist mit einem Drei-Wort-Namen bezeichnet und so eindeutig identifizierbar. Demnächst funktioniert das innovative System auch in einem und später wohl in allen Navis bei Mercedes.
Mercedes bringt Navigation mit Drei-Wort-Adresssystem
Daimler
Mindestens ein Mercedes-Navi versteht
künftig das globale What3Words-Adresssystem
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Die klassischen Adresssysteme eignen sich für viele Alltagsbedürfnisse nicht. So gibt es weltweit viele Gebiete, in denen es gar keine Adressen gibt – abseits von Siedlungen etwa, in Parks, im Wald oder in den Bergen. Hinzu kommt: Adressen können unpräzise oder uneindeutig sein, Straßennamen gibt es mehrfach. Zwar ist jeder Ort der Erde über seine GPS-Koordinaten bestimmt – aber wer kann sich die komplizierten Zahlenfolgen schon merken?

Das 2013 als Start-up gegründete Unternehmen what3words hat vor diesem Hintergrund die Welt in 57 Billionen Quadrate im Format drei mal drei Meter eingeteilt und jedem dieser Quadrate drei Wörter zugeteilt. Damit ist jeder dieser Orte eindeutig bestimmt und - sozusagen als Alias zu den Koordinaten - leicht zu merken. Ein Algorithmus setzt den verwendeten Wortschatz von 25.000 Wörtern so ein, dass verwechslungsträchtige Kombinationen weit auseinanderliegen und sowohl Menschen als auch Maschinen Fehler bei der Eingabe leicht bemerken können. Inzwischen steht das System in 14 Sprachen zur Verfügung.

Mit dieser einfachen wie genialen Idee hat what3words die Aufmerksamkeit von Daimler und dessen Chef Dieter Zetsche gewonnen und wurde im Februar 2017 für das zweite Programm der Innovationsplattform "STARTUP AUTOBAHN" ausgewählt. Das Ergebnis: Innerhalb des nächsten halben Jahres wird Mercedes-Benz als erster Autohersteller das innovative Adresssystem exklusiv als Serienlösung für die Navigation vorstellen - "in einem Automodell", wie es heißt. Mutmaßlich feiert die Offroad-affine Technik PR-wirksam Premiere in der neuen G-Klasse; wegen des verhältnismäßig geringen Integrationsaufwands dürfte sie aber sukzessive auch in anderen Baureihen eingeführt werden.

"Mit der unkomplizierten Adresseingabe von what3words ergänzen wir unser Navigationssystem um ein weiteres, logisches Element", so Sajjad Khan, Vice President Digital Vehicle & Mobility, Daimler AG. "Per Sprache geben Sie mit nur drei Wörtern Ihr Ziel ein und kommen auf neun Quadratmeter genau an. Und das weltweit. Da kann ich nur sagen: Einfach.genial.innovativ."

Selbst ausprobieren lässt sich das what3words-System auf der Unternehmens-Website. Die Adressen werden mit drei vorangestellten Slashes ("///") geschrieben. Wer beispielsweise nach ///meister.fahrende.fackel navigiert, landet bei der ersten Tankstelle der Welt, in der Stadtapotheke Wiesloch, wo eine Gedenktafel an die Pionierfahrt von Bertha Benz erinnert. Wer seine neue E-Klasse direkt im Werk Sindelfingen abholen möchte, sollte ///ausfahrt.eulen.ewig als Ziel eingeben, der IAA-Stand von Mercedes mit einem entsprechenden Navi zum Testen findet sich unter ///demnächst.entdeckt.wort.

Audi hatte what3words schon einmal zu Werbezwecken genutzt: Der Unternehmensclaim ///vorsprung.durch.technik ist einer unwirtlich gelegenen Adresse östlich von Sao Paulo zugeordnet, wohin sich folglich ein Q7 aufmachte:
Viele Grüße von Autokiste aus ///liebte.einfach.träumen :)
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text  Hanno S. Ritter
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