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Dienstag, 7. April 2020,
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Mittelmotor-Roadster mit 180 PS und 4,3 Litern Verbrauch

VW Concept BlueSport: Gelungene Roadster-Studie

VW Concept BlueSport: Gelungene Roadster-Studie
Bild anklicken für Großansicht Roadster-Studie:
VW Concept BlueSport
Volkswagen
Ein kleiner Roadster würde gut ins VW-Portfolio passen. Wie so etwas aussehen könnte, zeigen die Wolfsburger mit einer neuen Studie auf der Detroit Motor Show. Der BlueSport ist klein, schnell, sparsam, realitätsnah und nett anzusehen, hat aber nur eine ungewisse Zukunft. 2003 und 2005 hatte Volkswagen mit dem Concept R und dem EcoRacer bereits zwei Mal Roadster-Studien auf die Räder und die Messestände dieser Welt gestellt - ohne dass sie in irgendeiner Form später Realität geworden wären.

Nun also der Concept BlueSport - ohne das blaue Adjektiv geht bei Mercedes und Volkswagen kaum mehr etwas. Egal, Namen sind Schall und Rauch, und um am Auto selbst Gefallen zu finden, muss man nicht unbedingt ein Fan dieser Fahrzeuggattung sein, könnte aber einer werden. Die Vorgabe der VW-Mannen eines "ehrlichen" Roadsters scheint ehrlicher als sonst üblich umgesetzt worden zu sein.

Der Zweisitzer ist mit 3,99 Meter etwa so lang wie der kommende Polo, doch er trägt seinen Motor nicht vorne, sondern in der Mitte, was nebenbei eine recht ausgewogenen Gewichtsverteilung von 45:55 ermöglichte - Garant für Fahrspaß. Das Design folgt einerseits der aktuellen VW-Formensprache, etwa an dem horizontalen, unaufgeregten Kühlergrill oder den separaten Blinkleuchten (hier in LED-Technik, wie sie nota bene auch dem Passat gut stehen würde) in der Frontschürze. Andererseits vermag man einen Schuss Audi zu erkennen, beispielsweise am fein austarierten Verlauf der Radhäuser oder den Scheinwerfern und Rückleuchten.

Auch sonst zeigt der BlueSport gut, das auch im Automobilbau ein reduziertes Design oft die besten Ergebnisse bringt. Abgesehen von den seitlichen Lufteinlässen, die auf das Mittelmotor-Layout hinweisen, steht der nur 1,42 Meter niedrige Roadster ebenso kraftvoll wie zeitlos auf den 19-Zoll Rädern - und das trotz einer vergleichsweise geringen Breite von 1,75 Metern. Mit diesen Maßen reiht sich der Roadster gut zwischen Polo und Scirocco ein. Im vorderen Kofferraum nimmt die Studie 112 Liter Gepäck auf; im Pendant hinten können weitere 70 Liter verstaut werden.

Auch im Interieur bleibt der BlueSport weitgehend unauffällig. Zwei plus zwei Runduhren wie in Golf oder Passat informieren den Fahrer über Geschwindigkeit, Drehzahl, Tankinhalt und Motortemperatur. Der Touchscreen des Navigationssystems sitzt auf dem (imaginären) Getriebetunnel, direkt davor anstelle eines Schalt- oder Wählhebels ein Drehrad, mit dem die Fahrstufen des Doppelkupplungsgetriebes gewählt werden. Diese Form dürfte sich in vielen zukünftigen Autos, nicht nur bei VW, wiederfinden.

Damit zur Technik: Angetrieben wird die Studie von einem Zweiliter-Diesel mit 180 PS und nachgeschaltetem NOx-Kat (Abgasnorm EU6) - und entspricht damit ungefähr dem kommenden Passat BlueTDI. Dort sind wie berichtet 143 PS und ein Verbrauch von 5,2 Litern angepeilt. Der Roadster würde im per Tastendruck wählbaren Eco-Modus, der Start-Stopp-Automatik, frühes Hochschalten und Bremsenergie-Rückgewinnung umfasst, mit 4,3 Litern auskommen - angesichts der Leistung aber natürlich keineswegs lahm daherkommen: 6,6 Sekunden auf Tempo 100 und 226 km/h hat VW ermittelt (oder ausgerechnet).

Damit ist der BlueSport zwar etwas langsamer und merklich durstiger als der EcoRacer von 2005, der mit 3,4 Litern und 136 PS überraschte. Erreicht wurde dies dort vor allem durch Leichtbau, der einerseits ein Gewicht von 850 Kilogramm möglich machte, das ganze Projekt in der Praxis aber auch zu teuer gemacht hätte. Die aktuelle Studie kommt nun auf 1.200 Kilo, bleibt dafür aber technisch im Rahmen des Bezahlbaren.

Das Erschwingliche könnte gerade das i-Tüpfelchen sein - und man darf unterstellen, dass die Kundschaft dafür auf einen Hauch von Komfort-Ausstattung ebenso verzichten würde wie das manuell betätigte Verdeck goutieren. Sollte das Auto in Serie gehen, könne es eine Renaissance der kompakten Roadster einleiten, heiß es bei VW. Dass das eigentlich schon der Hauptkonkurrent MX-5 von Mazda besorgt hat, darf hinzugefügt werden, ändert aber nichts am Reiz des Konzepts.

Inwieweit VW aber eine Serienzukunft für den seriennah wirkenden Roadster sieht, erwägt oder gar plant, muss offen bleiben. Zu hoffen ist es allemal, gerne auch mit etwas weniger PS.
Leserbrief Autokiste folgen date  14.01.2009  —  # 7712
text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
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