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Dienstag, 18. Dezember 2018,
Ford baut Prototypen und forscht an Wassergewinnung am Auto

Jugend forscht: Waschwasser aus Regen gewinnen

Warum befüllt man die Scheibenwaschanlagen von Autos eigentlich mühsam und verschwenderisch mit frischem Wasser anstatt Regenwasser zu nutzen? Manche Ideen sind so simpel und doch so gut, dass Erwachsene sie nicht haben – aber Kinder. Ford unterstützt den Einfall und forscht am Thema, das hochgerechnet Milliardenpotential hat.
Jugend forscht: Waschwasser aus Regen gewinnen
Screenshot Ford/Youtube
Jugend-forscht-Regionalsieger: Daniel und Lara wollen
Regenwasser sammeln, um es als Waschwasser am Auto zu nutzen
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Lara Krohn ist neun Jahre alt, ihr Bruder Daniel elf. Als sie im letzten Sommer mit ihren Eltern im Auto unterwegs waren, konnten sie die Scheibe nicht saubermachen, weil Papa oder Mama vergessen hatte, frisches Wasser einzufüllen. Das war ärgerlich und, weil die Scheibe zusehends verschmutzte, auch gefährlich.

Die beiden Geschwister nahmen das Thema aber nicht einfach hin, sondern kamen auf die Idee, einfach Regentropfen aufzufangen, um das auf diese Weise gewonnene Wasser bei Bedarf wiederzuverwenden. Dieser Einfall gewann kürzlich den ersten Preis bei der Regionalausscheidung von "Jugend forscht" in Jülich.

"Wir konnten nicht glauben, dass niemand zuvor an so etwas gedacht hatte", sagt Lara. "Um es auszuprobieren, haben wir unser Spielauto und die Pumpe von unserem Aquarium benutzt. Mit einem zusätzlichen Filtersystem haben wir dafür gesorgt, dass das Wasser sauber war. Das hat sehr gut funktioniert." Als Ford-Ingenieure von der Idee hörten, boten sie an, ein richtiges Testsystem in einen echten Ford S-MAX zu installieren. Um das Wasser zu sammeln, wurde der Boden der Windschutzscheibe und der Vorratsbehälter mit Gummischläuchen verbunden - ein mehr als überschaubarer Aufwand. Lediglich das Thema der Wasserfilterung könnte noch eine Herausforderung darstellen.

Das Video zeigt Daniel und Lara mit ihren Versuchsaufbauten:
Was zunächst nach nicht mehr als einer lustigen Idee klingen mag, hat bei näherer Betrachtung Potential in einer Welt, die mehr und mehr auf Nachhaltigkeit achtet. Ford beziffert den jährlichen Wasserverbrauch auf 20 Liter pro Pkw - Tendenz steigend, weil zunehmend auch Assistenzsensoren oder Rückfahrkameras gereinigt werden. Bei rund 291 Millionen Autos auf europäischen Straßen errechnet sich ein Sparpotential von 58 Millionen Hektolitern Frischwasser pro Jahr.

Ob man bei Ford über eine Serienumsetzung nachdenkt, mag man nicht direkt sagen. "Die Ingenieure arbeiten bereits daran, Wasser durch Regen und Kondenswasser einzufangen, einschließlich der Möglichkeit, Feuchtigkeit aus der Luft zu gewinnen und in Trinkwasserqualität zu filtern", heißt es. Kondenswasser gibt es im Sommer durch die Klimaanlage des Fahrzeugs. Ein Video von Ford veranschaulicht die Möglichkeiten:
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text  Hanno S. Ritter
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