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Montag, 20. November 2017,
Lifestyle-Lückenfüller auf X1-Basis mit neuen Designdetails

Das ist der neue BMW X2: Einer geht noch

Was beim X3 und X5 mit den coupéartigen Derivaten X4 und X6 funktioniert, sollte doch auch beim kleinsten Modell Käufer ansprechen, dachte sich BMW. Folgerichtig entstand ein X2. Der gibt sich relativ kompakt und dank einiger ungewohnter Designdetails optisch frisch. Für viele Privatkunden dürfte er aus Preisgründen aber keine Option sein.
BMW
BMW Schließt die letzte Lücke im
X-Portfolio mit dem frisch gezeichneten X2
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"Sie wohnt im urbanen Umfeld, führt selbst ein aktives Leben und ist zugleich in der digitalen Welt bestens vernetzt." Falls Sie sich selbst unter dieses ewig gleiche Lifestyle-Szenario subsumieren können, sind Sie die Zielgruppe für den neuen BMW X2, jedenfalls dann, wenn Sie auf die Marketingleute aus dem BMW-Vierzylinder, der Konzernzentrale, hören. Dort hat man entschieden, die letzte Lücke im X-Portfolio zu schließen. Auf X1, X3, X4, X5, X6 und den angekündigten, auf der IAA aber verschämt im Hintergrund gehaltenen X7 folgt nun also der X2.

Konzeptionell ist nichts Neues erdacht worden, vielmehr adaptieren die Münchner die Idee der etwas schickeren, sportlicheren, flacheren Ausführung eines SUV hier ein drittes Mal. So ist der X2 sozusagen die Premium-Variante des X1 - auf der gleichen Frontantriebsstruktur UKL2 basierend, mit dem gleichen Radstand versehen, aber acht Zentimeter kürzer und sogar neun flacher. "Premium" passt also nur für jene, denen der optische Auftritt wichtiger ist als die platztechnische Funktionalität.

In der Tat wirkt der X2 ansprechender als sein braver Bruder, was der schmalen Fensterlinie, den kürzeren Überhängen, den bulligeren Schürzen und nicht zuletzt zwei Details zu verdanken ist, die BMW so erstmals bzw. erstmals seit langem einsetzt: Die Doppelniere kehrt die bisher bekannte Trapezform um und wird nach unten hin breiter, und das Markenlogo prangt nicht nur vorne und hinten wie gewohnt auf dem Blech, sondern auch prägnant auf den C-Säulen wie einst an 2000 CS und 3.0 CSL. X-untypisch ist auch, dass sich der Motorenschriftzug am Heck und das Kennzeichen im Stoßfänger befindet.

Gegenüber dem X1 fallen weitere Details positiv auf, etwa der leicht schräggestellte Tankdeckel, der gerade ausgeführte hintere Türabschluss und die in den hinteren Bereichen etwas höher gezogenen Radläufe. Im Topmodel M Sport X mit seinen grauen Applikationen ist dies besonders markant. Erstaunlich, dass sich die Designer stehende Außenspiegel verkniffen haben. Insgesamt ist das Serienmodell natürlich nicht ganz so expressiv wie die im letzten Herbst gezeigte Vorläufer-Studie, aber doch recht nah dran - und insgesamt dank der frischen Details durchaus ein Hingucker.

Bei der Technik und natürlich auch bei den Motorisierungen bedient sich der X2 natürlich aus dem X1-Regal. Zum Bestellstart im November stehen als Benziner lediglich der 192 PS starke 20i mit Frontantrieb und bei den Diesel die Allrad-Versionen 20d mit 190 und 25d mit 231 PS zur Verfügung. Sie sind alle mit Automatikgetriebe gekoppelt, wobei die Otto-Variante das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe und die Selbstzünder die 8-Gang-Wandlerautomatik erhalten. Anfang 2018 folgen dann der Dreizylinder-Benziner mit 140 PS ("sDrive 18i") und die Allradausführung des 20i sowie der "18d", den es sowohl mit Frontantrieb (manuelles oder automatisches Getriebe) als auch mit Allradtechnik (nur Automatik) geben wird. Mutig: Alternative Antriebsformen sind nicht vorgesehen.

Die Preise beginnen bei 39.200 Euro, aber das ist so realistisch wie XXX. Im Basismodell nämlich montiert BMW allen Ernstes eine manuelle Klimaanlage - und sonst so wenig, dass die Preisliste selbst Armauflagen und Nebelscheinwerfer als Highlight listet. Für 1.450 Euro Aufpreis gibt es dann die eigentliche Basis namens "Advantage". Der Vorteil beschränkt sich allerdings im Wesentlichen auf Klimaautomatik, elektrische Heckklappe und Parksensoren (nur hinten!).

Darüber angesiedelt sind der X2 M Sport und (der heißt wirklich so) X2 M Sport X, die für weitere 4.950 Euro Aufpreis LED-Scheinwerfer, 19-Zoll-Räder, Sportfahrwerk und -sitze sowie diverse Designakzente, u.a. mit einer schöneren Frontschürze, bieten. Sport und Sport X differenzieren sich ausschließlich durch optische Details. Mit dem schwächeren der beiden Diesel fällt hier dann schon die 50.000-Euro-Mauer. Das ist einerseits ohne Frage verdammt viel Geld, zumal hier noch all die Extras, die man in dieser Klasse erwartet, dazukommen. Andererseits aber ist der Aufpreis zum langweiligeren X1 mit 2.350 Euro vergleichsweise überschaubar kalkuliert, während das Sparpotential gegenüber dem größeren, aber nicht eben schöneren X4 mehr als doppelt so hoch ist.
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text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
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