Zahlen und Tendenzen in der Übersicht

Unfallstatistik 2015: Zahl der Opfer erneut gestiegen

3.475 Menschen kamen 2015 bei Verkehrsunfällen auf der Straße in Deutschland ums Leben, fast 100 mehr als im Vorjahr. Wie absehbar, schließt die Unfallstatistik damit zum zweiten Mal in Folge mit schlechteren Zahlen. Auf eine langfristige Trendwende lässt dies aber nicht schließen.
Unfallstatistik 2015: Zahl der Opfer erneut gestiegen
Fotolia/S. Engels
Im Jahr 2015 stieg die Zahl
der Verkehrstoten in Deutschland um fast drei Prozent
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Alle anderthalb Stunden war im vergangenen Jahr irgendwo in Deutschland ein Verkehrstoter zu beklagen, insgesamt starben 3.475 Menschen. Dies waren 98 Getötete oder 2,9 Prozent mehr als im Jahr 2014. Die Zahl der Personen, die schwer oder leicht verletzt wurden, erhöhte sich ebenfalls, und zwar um 1,1 Prozent auf etwa 393.700. Das geht aus den am Donnerstag in Wiesbaden vom Statistischen Bundesamt (Destatis) vorgelegten, noch vorläufigen Zahlen hervor.

Auch die Gesamtzahl der polizeilich aufgenommenen Unfälle nahm zu. Insgesamt wurden rund 2,50 Millionen Unfälle aktenkundig, 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei stieg die Zahl der reinen Sachschaden-Crashs um 4,6 Prozent auf 2,20 Millionen stärker als die Zahl der Unfälle mit Personenschaden (+ 1,1 % auf rund 305.900).

Einen wesentlichen Grund für die gestiegenen Zahlen bei den Verunglückten sehen die Statistiker in den Witterungsbedingungen: Insbesondere die relativ milden Wintermonate und ein sehr warmer, trockener Frühling haben zu mehr Getöteten und Verletzten geführt. Hintergrund: Bei gutem Wetter wird mehr und häufig schneller gefahren. Zudem sind mehr ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Zweiradfahrer unterwegs. Dadurch steigt die Schwere der Unfälle. Experten sehen auch die zunehmende Ablenkung durch Smartphones während der Fahrt als Grund.

Gemessen an der Einwohnerzahl war das Risiko, im Straßenverkehr zu sterben, in Brandenburg mit 73 Todesopfern je 1 Million Einwohner am größten. Aber auch in Sachsen-Anhalt (65) sowie in Niedersachsen (59) und in Mecklenburg-Vorpommern (58) war das Risiko wesentlich höher als im Bundesdurchschnitt, der im Jahr 2015 bei 43 lag. Hamburg und Berlin stehen wenig überraschend an der Spitze.

Bezogen auf die Bundesländer und die Getöteten im Jahr 2015 waren die wenigsten Opfer naturgemäß in den drei Stadtstaaten zu beklagen, aber auch im Saarland gab es nur wenig Blutzoll. Die meisten Verkehrstoten gab es in Bayern mit 614 und in Nordrhein-Westfalen mit 521. Zusammen mit Baden-Württemberg und Niedersachsen stellen die vier Flächenländer fast 60 Prozent der Getöteten. Nur sechs Bundesländer können eine positive Tendenz vorweisen, wobei Hamburg hier mit 47,4 Prozent (20 statt 38 Tote) mit Abstand den Spitzenplatz innehat. Die rote Laterne tragen demgegenüber Bremen und Brandenburg.

3.475 Verkehrstote im Jahr 2015 bedeuten den drittbesten Wert seit Einführung der Statistik 1950. Der höchste Stand wurde 1970 mit rund 19.200 getöteten Personen erreicht. 1980 waren es noch gut 13.000, 1990 war die Zahl auf ca. 7.900 gesunken. Zur Jahrtausendwende wurden - jetzt für das gesamte Deutschland - 7.500 Verkehrstote gezählt, noch einmal zehn Jahre später waren es weniger als die Hälfte. Der bisherige Bestwert stammt aus dem Jahr 2013 mit 3.339 auf der Straße gestorbenen Menschen.

Die separaten Dezember-Zahlen hat die Behörde nicht veröffentlicht.
Grundsätze der Unfallstatistik
Zu beachten ist, dass es sich um vorläufige Zahlen handelt, die auf den von den Polizeibehörden tatsächlich gemeldeten Fällen und einer statistisch hochgerechneten Zahl an Nachmeldungen und Nachstreichungen basiert, so dass die oben genannten Zahlen nicht mit den etwa im Vorjahr für den gleichen Monat gemeldeten Werten vergleichbar sind; auch die errechnete Tendenz kann abweichen, da diese bei den Vorjahreszahlen die endgültige Höhe berücksichtigt. Nachträgliche Korrekturen nach unten gibt es ebenfalls, etwa weil sich herausstellt, dass der Unfall nicht auf einer öffentlichen Straße passierte oder der Beteiligte beispielsweise durch einen Herzinfarkt bereits kurz vor dem Crash gestorben war.

Die Statistik erfasst all jene Opfer, die bei Unfällen auf Deutschlands öffentlichen Straßen verunglückt sind, unabhängig von ihrer Nationalität. Deutsche Staatsbürger, die im Ausland ums Leben kamen, werden nicht erfasst. Verletzte, die innerhalb von dreißig Tagen nach dem Unfall sterben, werden als Verkehrstote registriert, nicht jedoch Suizid-Fälle.
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Redaktion: Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB