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Montag, 23. Oktober 2017,
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Bau einer neuen Produktionsanlage für 200.000 Tonnen BTL-Kraftstoff geplant

VW und Daimler beteiligen sich an Choren

Siehe Bildunterschrift
"Pack' die Holzschnipsel Volkswagen
in den Tank": BTL als Diesel-Kraftstoff
Von der Unterstützung zur Beteiligung: Volkswagen und Daimler beteiligen sich gemeinsam als Minderheitsgesellschafter an der CHOREN Industries GmbH. Die entsprechenden Verträge wurden heute im sächsischen Freiberg unterzeichnet. Ziel ist die breite Markteinführung von synthetischen Biokraftstoffen der 2. Generation (BTL/biomass to liquid). Die beiden Konzerne untersuchen bereits seit 2002 gemeinsam mit Choren Einsatzmöglichkeiten, Wirtschaftlichkeit und Energiebilanz von BTL. Die Beteiligung, zu der keine Details verlautbart wurden, soll nun die weitere Projektentwicklung von großen BTL-Produktionsanlagen unterstützen.

Choren baut derzeit am Standort Freiberg die weltweit erste kommerziell betriebene BTL-Anlage im industriellen Maßstab (Beta-Anlage). Sie soll ab Anfang 2008 jährlich ca. 15.000 Tonnen Kraftstoff produzieren - genug für (gerade einmal) den Jahresbedarf von bis zu 15.000 Pkw. Geplant ist zudem die Errichtung einer ersten Referenzanlage in Deutschland, einer sogenannten "Sigma 1"-Anlage mit einer Produktionskapazität von 200.000 Tonnen im Jahr. Eine Standortentscheidung hierfür wird zum Jahresende angestrebt.

"Volkswagen fordert und fördert seit langem die Entwicklung und industrielle Produktion von Biokraftstoffen der 2. Generation - sogenannte SunFuels", sagte Dr. Wolfgang Steiger, Leiter der Volkswagen Konzernforschung Antriebe. Diese ermöglichten im Vergleich zu Biokraftstoffen der 1. Generation bis zu dreimal höhere Hektarerträge, stellten keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion dar und ermöglichten eine Reduktion der Treibhausgase um ca. 90 Prozent.

Die Partner wollen zudem die Zusammenarbeit bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Markteinführung von BTL-Kraftstoffen intensivieren. "Insbesondere für die Realisierung von Sigma 1 bedarf es einer kalkulierbaren langfristigen Perspektive für den Verkauf von BTL über das Jahr 2015 hinaus. Die derzeitigen Überlegungen, die für bereits etablierte Technologien ausschließlich auf CO2 basieren, werden für die Einführung von Innovationen nicht ausreichen", so Choren-Geschäftsführer Tom Blades.

BTL ist ein hochreiner, vollkommen schwefel- und aromatenfreier Kraftstoff, der schadstoffarm verbrennt und eine hervorragende CO2-Bilanz aufweist. Er hat einen höheren Cetanwert als konventioneller Diesel, ist schwefelfrei und weist keine aromatischen Kohlenstoffverbindungen auf, die bei der Verbrennung die Rußbildung fördern. BTL wird mittels Biomassevergasung aus unterschiedlichsten biogenen Einsatz- und Reststoffen gewonnen und steht damit nach Ansicht seiner Befürworter kaum im Wettbewerb zu Nahrungs- und Futtermittelproduktion. Für Transport und Lagerung von BTL sind keine Anpassungen der bestehenden Infrastruktur erforderlich. BTL ist uneingeschränkt verträglich mit der heutigen wie auch der zukünftigen Dieselmotoren-Technologie.

VW stellt sich vor, die Biokraftstoffe der 2. Generation sozial, ökologisch und ökonomisch verträglich anzubauen. Dies könnte, so heißt es, durch eine Besteuerung von Biokraftstoffen sichergestellt werden, die sich sowohl an CO2-Effizienz als Primärkriterium als auch an Nachhaltigkeitskriterien wie z.B. am Düngemittel- und Pflanzenschutzmittel-Einsatz, am Schutz von Regenwaldgebieten, Sozialstandards etc. orientieren.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 11.10.2007  —  # 6600
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
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