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Montag, 18. Dezember 2017,
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Siebte Generation des Luxus-Coupés erstmals mit autonomer Notbremse

Vorstellung: Das ist der neue Mercedes CL

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Mercedes CL
DaimlerChrysler
Die Spekulationen und Computer-Zeichnungen haben ein Ende: Mercedes gibt offiziell den Blick frei auf den neuen CL. Das Coupé der S-Klasse ist überraschend elegant gezeichnet, wie üblich schnell, edel und teuer – und der erste Pkw, der im Notfall von alleine bremst.
Das Design entspringt wie üblich einerseits der Vorgabe der Limousinen der S-Klasse und andererseits der eigenen, inzwischen über 50 Jahre und sechs Modellgenerationen währenden Geschichte der Luxus-Coupés.

Ersteres wird beispielsweise manifestiert durch die bauchigen Radhäuser, die Außenspiegel oder die Lufteinlässe vor der Windschutzscheibe. Ansonsten aber geht das neue Coupé stärker als gewohnt eigenständige Wege: Zum CL-typischen Kühlergrill à la SL und der großen, gewölbten und sehr runden Heckscheibe sowie der sich nach unten verjüngenden C-Säule gibt es in Außenform und Innenleben eigenständige Scheinwerfer, vor allem aber breite Kotflügel vorne und damit eine schmaler zulaufende und auch glattere Motorhaube.

Auch die Heckleuchten wurden komplett neu gestaltet; die seitliche "Charakterlinie" steht dem großen Coupé besser als den anderen Baureihen des Hauses - und auch ihre Ausgestaltung markiert einen Unterschied zur S-Klasse. Wie bisher und wie sich das für ein gutes Coupé dieser Art gehört, gibt es keine B-Säule und damit eine voll versenkbare seitliche Glasfläche.

Insgesamt wirkt das Coupé nach den ersten Bildern zu urteilen wesentlich leichtfüßiger, eleganter und mit mehr Liebe gezeichnet als die Limousine. Wenn die PR-Leute ihr Versprechen, der CL sei formal ein Vorbild eines neuen Mercedes-Stils, ernst meinen, darf man gespannt sein.

Dies gilt freilich in erster Linie für das Exterieur: Im Innenraum herrscht S-Klasse-Atmosphäre, wenn sich natürlich der viersitzige CL dort insgesamt nochmals edler und komfortabler gibt - Leder und Holz sind die wesentlichen Zutaten, nahezu allüberall. Im übrigen spendiert Mercedes dem Luxusliner das COMAND-System (DVD-Navigation mit Radio und Telefon), ein Glas-Schiebedach und wiederum Integralsitze, was ein vollintegriertes Gurtsystem bedeutet, mit komplett elektrischer Verstellung - inklusive jener der Kopfstütze, was bei Mercedes keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Im Zwölfzylinder-Topmodell CL 600 sorgen eine Voll-Lederausstattung, die der Autobauer allen Ernstes "PASSION EXKLUSIV" nennt, handverlesenes Pappelholz und ein mit Ziernähten abgesteppter Alcantara-Dachhimmel ebenso wie fahrdynamische Multikontursitze mit Massage- und Lüftungsfunktion, das schlüssellose Zugangssystem "KEYLESS-GO", ein Surround-Soundsystem mit DVD-Wechsler und lederumrandete Fußmatten für das "gewisse Extra".

Gegenüber dem Vorgängermodell ist der CL wie auch die S-Klasse-Limousine gewachsen. Das neue Modell mit der internen Bezeichnung C 216 (Vorgänger: C 215, S-Klasse-Limousine: W 221) misst nun knapp 5,07 Meter in der Länge, rund 1,87 in der Breite und 1,42 in der Höhe. Das sind 75, 14 bzw. 20 Millimeter mehr als bisher. Das Kofferraumvolumen vergrößert sich um 40 Liter auf 490 Liter.

In punkto Ausstattung zeigt sich Mercedes beim CL großzügig: Zu den erwähnten Komfort-"Goodies" gesellen sich das aus der facegelifteten E-Klasse bekannte "Intelligent Light System", die neueste Generation des Federungssystems Active Body Control (ABC), das Seitenneigung und Wankbewegungen nahezu vollständig eliminiert, und das PRE-SAFE-System.

Letzteres kann wie in der S-Klasse optional in Kombination mit dem Abstandstempomaten um den "Bremsassistenten Plus" ergänzt werden, der mittels Radartechnik einen möglichen Auffahrunfall voraussieht und "dank" der hochnotpeinlichen Präsentation im Fernsehen auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist. Neu ist nun, dass diese Technik im CL (und ab Jahresende dann auch in der S-Klasse) im Falle eines Falles künftig den Fahrer nicht nur entsprechend warnt, die PRE-SAFE-Mechanismen auslöst und vorbeugend den richtigen Bremsdruck aufbaut, sondern im Notfall mit maximal 4/10 der vollen Leistung auch eigenständig bremst.

Auf Basis der Radartechnik arbeitet auch die neu entwickelte Parkführung, die ebenfalls ab Jahresende auf Wunsch lieferbar ist: Die Sensoren erfassen beim Vorbeifahren die Länge einer Parklücke und zeigen im Cockpit-Display an, ob der Platz zum Einparken ausreicht. Nachdem der Rückwärtsgang eingelegt ist, erscheint auf dem Display eine symbolische Darstellung der Einparksituation; Hilfslinien zeigen den erforderlichen Lenkwinkel an und weisen den Weg in die Parklücke. Ein vollautomatisches System ist hier noch nicht serienreif.

Antriebsseitig stehen zunächst ausschließlich zwei Motoren zur Verfügung: Der Achtzylinder im CL 500 leistet 388 PS, im Topmodell kommt die V12-Maschine mit 517 PS zum Einsatz. Später dürften ein CL 450 mit etwa 340 PS und ein CL 65 AMG mit 612 PS folgen. Ob sich Mercedes auch zur Diesel-Adaption entscheidet, bleibt abzuwarten, scheint aber als V8-"Bluetec"-Variante nicht gänzlich ausgeschlossen. Beide aktuell verfügbaren Motoren sind an die bekannte Siebengang-Automatik mit Lenkrad-Wählhebel gekoppelt. Sie entsprechen den S-Klasse-Pendants, sind aber gegenüber dem Vorgänger-Coupé stärker, schneller (5,4 bzw. 4,6 Sekunden auf Tempo 100) und minimal sparsamer (12,1 und 14,3 Liter im Mittel).

Mit der neuen CL-Klasse beginnt die siebte Generation der großen Mercedes-Coupés. Der Zweitürer löst das edle, etwas unscheinbare Vorgängermodell ab, das mit insgesamt rund 46.800 Fahrzeugen zu den meistverkauften Luxus-Coupés zählt. Erfolgreichster Oberklasse-Zweitürer war der C 126 mit über 74.000 Einheiten in einer allerdings auch langen Periode zwischen 1981 und 1992. Seit 1952 hat Mercedes-Benz eigenen Angaben zufolge insgesamt über 178.000 Coupés in dieser Klasse produziert - was viewl klingt, zeigt tatsächlich die hohe Exklusivität dieses Segments.

Der neue CL, das lässt sich nahezu risikolos voraussagen, wird diese Historie weiter erfolgreich fortschreiben - alleine schon, weil das Design gelungen ist: Das Auto gibt sich auffälliger als bisher, dennoch nicht zu protzig und nicht zuletzt liebevoller gezeichnet als die Limousine. Knapp 106.000 für den V8 und knapp 150.000 Euro Grundpreis für den Zwölfzylinder stehen dem nicht im Wege - und das nicht nur, weil ein Maybach mehr als Doppelte kostet.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 26.06.2006  —  # 5435
text Hanno S. Ritter
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