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Dienstag, 12. Dezember 2017,
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Modellversuch soll klären, ob Kennzeichnung die Unfallhäufigkeit senken kann

DVR fordert Anfänger-Aufkleber für Führerschein-Novizen

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In Frankreich sind solche Fotolia/R. Quéré
Anfänger-Aufkleber üblich
Fahranfänger werden ihren Sonderstatus künftig möglicherweise mit einem Aufkleber respektive Schild am Auto jedermann mitteilen müssen. Einen entsprechenden Modellversuch jedenfalls fordert der Deutsche Verkehrsicherheitsrat (DVR). Es sollte in einem bundesweiten, zeitlich befristeten Projekt untersucht werden, ob eine solche Kennzeichnung geeignet sei, die nach wie vor erschreckend hohe Unfallbelastung der jungen Fahrer zu reduzieren, heißt es in einer Mitteilung des Vereins.

In verschiedenen Staaten werden von Anfängern gefahrene Kraftfahrzeuge durch ein besonderes Schild gekennzeichnet, allerdings immer im Zusammenhang mit einer gestuften Fahrausbildung, die es in Deutschland nicht gibt. Die dort gewonnenen Erfahrungen können deswegen nicht direkt auf Deutschland übertragen werden. "Hier kann nur durch einen Modellversuch erprobt werden, ob die Kennzeichnung von Anfängerfahrzeugen einen unfallvermindernden Effekt hat oder nicht", sagt DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf.

Eine solche Maßnahme solle klären, ob ein obligatorisches Anfängerkennzeichen eine positive Verhaltensänderung bei den Fahranfängern bewirke und die Funktion des Autos als Statussymbol aufheben könne, hieß es weiter. Außerdem müsse die "Akzeptanz" bei anderen Verkehrsteilnehmern geprüft werden.

Unterstützung bekommt der DVR von Hamburgs Innensenator Heino Vahldieck (CDU). "Wir wissen zwar nicht, ob eine Kennzeichnung der Fahrzeuge von Fahranfängern dazu beiträgt, dass sie disziplinierter fahren. Ich meine aber ebenso wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, dass dies zumindest in einem Modellversuch erprobt werden sollte. Die nach wie vor hohe Unfallbelastung der jungen Leute zwingt uns, alle Maßnahmen auszuschöpfen, die geeignet sein könnten, zu einer Verbesserung der Verkehrsunfallsituation beizutragen", sagte Vahldieck im Bundesrat.
Kommentar
Mit der obligatorischen Kennzeichnung bestimmter Personengruppen sollte man per se höchst vorsichtig sein. Auch in diesem Fall erscheint die Idee trotz des zweifellos hehren Zieles verfehlt: Warum ein solcher Aufkleber junge Leute zum vorsichtigeren Fahren bringen soll, ist schon in der Theorie völlig offen - das Gegenteil zumindest vorstellbar. Wer zu schnell in die Kurve fährt, Alkohol trinkt oder vor lauter Musikhören und Telefonieren unaufmerksam ist, lässt sich von einem Schild davon eher nicht abhalten - egal ob jung oder alt.

Auch die Statussymbol-Argumentation läuft ins Leere, weil sie einerseits in vielen Fällen gar nicht (mehr) zutrifft - gerade junge Frauen denken so ganz überwiegend nicht, zudem ist heute vielerorts das richtige i-Handy der wichtigere Vorzeige-Gegenstand -, und weil andererseits auch hier die Gefahr besteht, dass der ein oder andere erst recht etwas beweisen will.

Wenn man Autos von Fahranfängern kennzeichnet, müsste man dann nicht konsequenterweise auch einen Aufkleber für die von Senioren oder die von Hausfrauen mit fast keiner Fahrpraxis einführen? Für Leute mit Flensburg-Punkten und solche mit Autos ohne ABS? Dazu kommen rein praktische Probleme: Muss der junge Führerschein-Inhaber dann immer so ein Schild mit sich führen, wenn er (vielleicht aus gutem Grund) das Auto des Kumpels steuert? Und was, wenn sich Tochter und Mutter ein Auto teilen? Ein Magnetschild kann kaum die Lösung sein.

Es gäbe noch so viele Ideen in punkto Sicherheit, aber dieser peinliche Aufkleber gehört für mich nicht dazu. Nach der Fahrschule, wo eine Kennzeichnung aus vielerlei Gründen sinnvoll ist, muss Schluss sein mit dieser Art von Gängelung. (hsr)
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 20.12.2010  —  # 9186
text Hanno S. Ritter
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