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Dienstag, 21. November 2017,
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Großes gutes Mittelfeld, keine sehr guten Sitze / Drei Mal nur ausreichend

Kindersitz-Test 2010: ADAC testet 22 Kindersitze

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Testsieger in der Klasse 0+: ADAC
Maxi Cosi Pebble mit Family Fix (Dorel)
ADAC und Stiftung Warentest haben 22 Kindersitze verschiedener Alters- und Größenklassen getestet. So haarsträubend wie beim jüngsten Test des Magazins "auto motor und sport" waren die Ergebnisse dabei nicht, dennoch gab es drei nur als "ausreichend" bewertete Sitze. Die positive Nachricht: Für jede Alterstufe bis zwölf Jahren gibt es mindestens ein "gutes" Produkt. Allerdings wurde kein einziger Kindersitz mit "sehr gut" bewertet. 14 Sitze für Babys, Klein- und Schulkinder erreichen die Beurteilung "gut", fünf "befriedigend" und drei "ausreichend".

Die besten Produkte sind mit der Note 1,6 ("gut") der "Maxi Cosi Pebble" von Dorel in Verbindung mit der Isofix-Basis "Family Fix" (Klasse bis 13 Kilogramm) und der "Kiddy Energy Pro" in der Klasse neun bis 18 Kilogramm. Beide Sitze lassen sich laut ADAC sehr leicht montieren und bekommen in der Kategorie "Bedienung" sogar ein "sehr gut" - eine Einschätzung, die die Autokiste-Redaktion für die selbst in Gebrauch befindliche Maxi-Cosi-Kombination subjektiv eher nicht teilt.

Drei Ausreißer hat der ADAC nur mit "ausreichend" beurteilt: Der "Casualplay PrimaFix" (bis 10 Kilogramm), der "Safety 1st Tri Safe+" (9-36 Kilogramm) und der "Chicco Key 2-3 Ultrafix" (15 bis 36 Kilogramm). Unter anderem wegen erhöhter Belastungswerte im Seitencrashtest kommt der Casualplay PrimaFix nicht auf ein besseres Bewertungsniveau. Genauso wie beim Chicco Key 2-3 rollt beim Test der Kopf des Dummys aus den Seitenwangen des Kindersitzes und berührt die Fahrzeugtür. Dies bedeutet ein zusätzliches Verletzungsrisiko für die Kleinsten.

Außerdem seien beim Casualplay Möglichkeiten für eine fehlerhafte Bedienung gegeben, weil der Rückenwinkel des Sitzes abhängig vom Gewicht des Kindes mehr oder weniger geneigt werden müsse, bemängelten die Tester. Beim "Safety 1st Tri Safe+" wurde der für größere Kinder viel zu enge Schulterbereich kritisiert. Wird die Rückenstütze deshalb abgenommen, biete der Sitz keinerlei Seitenaufprallschutz mehr.

Der Seitenaufprallschutz spielt für die gesetzliche Zulassung von Kindersitzen noch immer keine Rolle, obwohl Kinder bei dieser Kollisionsart besonders gefährdet sind. Dies gilt auch dann, wenn im Auto Kopf-Airbags vorhanden sind, weil diese in der Regel nicht weit genug herunterreichen, um den Nachwuchs seitlich zu schützen. Der ADAC fordert deshalb die Aufnahme von Seitenaufpralltests in das Zulassungsverfahren.

Britax Römer hat dieser Tage neue Kindersitze angekündigt, die sich nach Herstellerangaben dem Thema Seitenaufprallschutz besonders intensiv widmen. Sie waren im Test jedoch noch nicht vertreten, weil der ADAC mit etwa sechs Monaten Vorlaufzeit arbeitet.
So wird getestet
Die Sitze wurden auf ihre Sicherheit beim Front- und Seitenaufprall geprüft. Mit einem Prüfschlitten, auf dem eine fünftürige Karosserie eines Opel Astra H montiert ist, simulierten die Tester jeweils einen Frontal- und einen Seitenaufprall mit 64 bzw. 50 km/h. Die Prüfungen liegen deutlich über den gesetzlichen Mindestanforderungen der Kindersitz-Prüfnorm ECE-R 44. Die Belastungswerte werden für jedes Kindersitz-Modell mit unterschiedlich großen Dummies ermittelt, ggf. in Sitz- und Ruhestellung.

Zusätzlich geprüft wird der Gurtverlauf, die Größenanpassung, die Standfestigkeit auf dem Fahrzeugsitz und die Kopfabstützung. Einbauversuche und statische Prüfungen erfolgten jeweils in einem zwei- und viertürigen Fahrzeug und in einem Van. In das Testurteil gehen nur die Kriterien Sicherheit und Bedienung ein; der schlechtere Wert schlägt durch. Komfort- und Gebrauchseigenschaften werden aber ebenfalls bewertet. Hierzu gehören etwa Punkte wie Beinauflage, Polsterung, Sichtverhältnisse für das Kind, Reinigungsmöglichkeiten und Verarbeitung.

Auch wenn ein sehr guter Sieger fehlt, zeigt die Historie von nunmehr zehn Jahren Kindersitztest doch einen merklichen Anstieg des Sicherheitsniveaus, und zwar auch beim Thema Seitenaufprall. So gilt die alte Binsenweißheit: Lieber einen schlechten Sitz verwenden als gar keinen. Andererseits: Wer einen Sitz kauft, der schlechter ist als nötig, wird sich fragen lassen müssen, warum. Hoffentlich nicht ernsthaft.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 26.05.2010  —  # 8779
text Hanno S. Ritter
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