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VW T4 TDI erneut Spitzenreiter / Alle Zahlen und Tendenzen

Auto-Diebstahl-Statistik 2008: Die Hitliste der Langfinger

Auto-Diebstahl-Statistik 2008: Die Hitliste der Langfinger
"Langfingers' Liebling": Volkswagen
VW T4 Multivan 2,5 TDI
Jeder 2500. Pkw wurde 2008 gestohlen. Mit insgesamt 37.261 entwendeten Kfz, darunter rund 16.000 Pkw, hat sich die rückläufige Tendenz aber weiter fortgesetzt. Den Titel "Langfingers' Liebling" behält auch 2008 der VW T5, wie überhaupt Diebe sich ganz überwiegend für deutsches Blech interessieren. Das Klaurisiko variiert stark je nach Marke und Bundesland. Alle Zahlen und Tendenzen. Bis alle Zahlen ausgewertet waren, hat es auch dieses Mal wieder bis in den Herbst gedauert. Nun aber haben die deutschen Versicherer über ihren Gesamtverband (GDV) in Berlin das Zahlenwerk gesichtet, sortiert und veröffentlicht.

Die wichtigste Erkenntnis ist für Versicherungswirtschaft und Autofahrer gleichermaßen erfreulich: Die Zahl der Diebstähle ging um 3,1 Prozent zurück, bei den Pkw um 2,2 Prozent. Damit konnte die positive Tendenz der Vorjahre erneut fortgeschrieben werden, wenn auch mit deutlich gebremstem Elan: 2007 betrug der Rückgang bei den Pkw noch 13, 2007 sogar über 20 Prozent. Dennoch ist der Vergleich eindrucksvoll: Vor zehn Jahren wurden noch mehr als dreieinhalb Mal so viele Autos gestohlen, vor 15 Jahren - im Nach-Wende-Boom - sogar mehr als sechseinhalb Mal so viele.

Parallel zu den sinkenden Diebstahlszahlen ist auch die Entschädigungssumme für gestohlene Kfz leicht von 275 auf 272 Millionen Euro gesunken. Durchschnittlich erhielten die bestohlenen Fahrzeugeigner 7.236 Euro von der Versicherung, gut zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den Pkw gingen die Zahlungen um 1,4 (Vorjahr: 15,7) Prozent auf gut 175,7 Millionen Euro zurück. Die "Klaurate" pro 1.000 kaskoversicherte Fahrzeuge blieb im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant bei 0,5: Jeder 2.000 (versicherte) Pkw wurde gestohlen. Wenn man dies - statistisch nicht ganz sauber - auf den Fahrzeugbestand von rund 41 Mio. Pkw bezieht, ging etwa jedes 2.500. Auto "fremd".

2008 gab es im Gegensatz zu den Vorjahren keinen Wechsel an der Spitze der "Hitliste". Der VW T4 Caravelle/Multivan 2,5 TDI wurde nicht nur am häufigsten gestohlen, sondern hat seine Beleibtheit in einschlägigen Kreisen sogar noch gesteigert: Insgesamt gut 13 pro 1.000 versicherte Fahrzeuge wechselten hier ungewollt den Besitzer, der durchschnittlich rund 17.500 Euro von der Versicherung erstattet bekam. Auf Platz zwei und drei folgen mit Porsche Cayenne Turbo und BMW X5/X6 3,0d ebenfalls alte Bekannte, für die durchschnittlich etwa 82.000 bzw. 51.000 Euro erstattet wurden.

Aus der Top15-Liste gefallen ist dieses Mal mit der Mercedes-Baureihe W 124 (E-Klasse 1987-1995) ein Klassiker, der stellvertretend für den anhaltenden Trend zu älteren Autos stand: Sie sind mangels oder wegen schlechter Wegfahrsperren leichter zu knacken als aktuelle Modelle und besonders langlebig und/oder vergleichsweise leicht zu reparieren. Außerdem scheint die Nachfrage nach Ersatzteilen bei den älteren Fahrzeugen besonders hoch zu sein, so dass diese gezielt gestohlen werden. Mit dem VW T4, älteren Golf- und Passat-Modellen und dem BMW M3 der Baureihe E46 sind auch 2008 wieder viele Autos besonders oft gestohlen worden, die zehn Jahre und älter sind.

In Bezug auf den Fahrzeugbestand der Automarken hatten Porsche-Fahrer auch 2008 das höchste Diebstahlrisiko (Klaurate 1,5 von 1.000). Auf Platz 2 folgen Audi und VW mit jeweils 0,9 vor BMW (0,8) und Trabant, die im Milieu zwar weniger beliebt als im Vorjahr waren, aber doch immer noch auffallend weit vorne stehen. Was für die Besitzer, die ihre DDR-Autos sogar kaskoversichern, aus sentimentalen Gründen besonders hart sein dürfte, ist für die Versicherungen meist ein Fall weniger Hundert Euro. Weniger attraktiv für die Langfinger waren hingegen die Marken Mercedes, Ford, Saab und Smart, was mehr für deren (Un-)Beliebtheit sprechen dürfte als für bessere Sicherungsmaßnahmen.

Im Gegensatz zum Vorjahr sind die Diebstahlzahlen bei Mofas und Mopeds wieder etwas gesunken, auch Krafträder waren weniger beliebt. Dennoch wurden mehr als 10.000 Mofas und Mopeds gestohlen. Die durchschnittliche Entschädigung lag hier bei 1.154 Euro. Genau 4.229 Krafträder und -roller wurden gestohlen - bei einer mittleren Entschädigung von 6.151 Euro. Bei Leichtkrafträdern und -rollern wechselten knapp 1.600 ungewollt in fremde Hände; der Schadendurchschnitt liegt laut GDV bei gut 1.500 Euro. Mehr Diebstähle notierten die Versicherungen bei Camping-Kfz und Lkw, deutlich weniger dagegen bei Zugmaschinen.

Gemessen an der absoluten Zahl der gestohlenen Pkw sind in Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland die Diebstahlzahlen am stärksten zurückgegangen. Die meisten Fahrzeuge werden nach wie vor dort gestohlen, wo der Bestand am größten ist: Nordrhein-Westfalen führt die Tabelle mit rund zehn gestohlenen Autos pro Tag an, vor Berlin, Niedersachsen und Sachsen. Die wenigsten Diebstähle gab es im Saarland, in Bremen und in Thüringen, die höchsten Zuwächse in Sachsen und Brandenburg.

Aussagekräftiger bei der Bundesland-Betrachtung ist die Diebstahlquote gemessen an der Häufigkeit pro 1.000 Pkw. Deutlicher Spitzenreiter ist Berlin mit 2,6 - jedes 385. Auto wurde gekalut. Es folgen Hamburg (1,4), Brandenburg (1,2) und Bremen (0,8). Beruhigter kann man etwa in Niedersachsen, Hessen oder Thüringen parken, am besten schneiden erneut Baden-Württemberg und Bayern ab: Mit 0,2 geklauten Autos pro 1.000 sind Diebe hier besonders "zurückhaltend". Anders ausgedrückt: Das Risiko, das eigene Auto nach dem Shopping oder frühmorgens (meist für immer) nicht mehr aufzufinden, ist in Karlsruhe oder Kempten nicht weniger als dreizehn Mal geringer als in der Hauptstadt. Die Schere öffnet sich damit weiter, war es doch 2006 "nur" der Faktor neun.

Hinweis: Erläutert wurde die Statistik der Versicherungswirtschaft über kaskoversicherte Kfz; entsprechende Aufstellungen der Strafverfolgungsbehören weichen hiervon naturgemäß ab.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 29.10.2009  —  # 8346
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
GDV
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