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Dienstag, 22. Mai 2018,
1,5 Mio. CO2-Einsparung pro Jahr / 400 Mio. Euro Investment

Gas statt Kohle: VW baut Groß-Kraftwerke um

Umweltschutz muss nicht nur am Auspuff stattfinden: Mit der Umstellung von Kohle auf Gas wird Volkswagen in Deutschland beträchtliche Mengen an CO2 einsparen. Der Konzern steht vor der teuersten Umweltmaßnahme aller Zeiten.
Gas statt Kohle: VW baut Groß-Kraftwerke um
Volkswagen
Werk-Wahrzeichen Wolfsburg:
VW stellt seine großen Kraftwerke von Kohle auf Gas um
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Der Volkswagen-Konzern steigt aus der Kohle aus: Der Konzernvorstand hat beschlossen, die beiden unternehmenseigenen Groß-Kraftwerke am Standort Wolfsburg grundlegend zu modernisieren und von Steinkohle- auf Erdgasbetrieb umzustellen.

Mit den neuen und hocheffizienten Gasturbinen werden die CO2-Emissionen in der Strom- und Wärmeerzeugung nach Unternehmensangaben dauerhaft um rund 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr reduziert werden. Dies entspricht dem jährlichen CO2-Ausstoß von aktuell ca. 870.000 Pkw und ist ein Rückgang von fast 60 Prozent im Vergleich zu den bisherigen Emissionen der Kraftwerke am Standort Wolfsburg.

Der Volkswagen-Konzern wolle und müsse seinen Beitrag leisten, um den Klimawandel einzudämmen und die Luftqualität zu verbessern, sagte Konzernchef Matthias Müller nach der Entscheidung. Deshalb treibe man die Elektrifizierung der Fahrzeuge voran, machen gleichzeitig die klassischen Antriebe effizienter und sauberer und setze sich auch in der Produktion neue, ambitionierte Ziele. "Bis 2025 werden wir die Umweltlasten (Energie, CO2, Wasser, Lösemittel und Abfall) im gesamten Volkswagen-Konzern um 45 Prozent gegenüber 2010 reduzieren. Die Umstellung der beiden Kraftwerke am Konzernsitz Wolfsburg von Kohle auf Gas ist dafür ein klares Zeichen und ein wichtiger Schritt. Weitere werden folgen", so Müller.

Geplant ist, im sogenannten "Heizkraftwerk Nord/Süd", einer Art Wahrzeichen des Werks Wolfsburg, die Kohlekessel durch eine Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD-Anlage) und drei Heißwasser-Kessel zu ersetzen. Damit können allein dort in Zukunft ca. 136 Megawatt elektrische Leistung sowie ca. 386 Megawatt thermische Leistung erzeugt werden. Zudem sollen auf dem heutigen Kohle-Lagerplatz neben dem "Heizkraftwerk West" zwei weitere GuD-Anlagen entstehen, die dann ca. 288 bzw. 265 Megawatt Leistung erreichen.

Für diese Kraft-Wärme-Kopplung will Volkswagen rund 400 Millionen Euro investieren. Im Vergleich zur "Dieselthematik" sind das einerseits Peanuts, andererseits handelt es sich um die größte Einzelinvestition in eine Umweltmaßnahme, die VW je vorgenommen hat. Der Baubeginn könnte noch in diesem Jahr erfolgen, die Fertigstellung ist für 2021/22 vorgesehen.

Perspektivisch steckt in der Umstellung auf Gas noch mehr Potential. Für den Fall einer zukünftig wirtschaftlichen Erzeugung von synthetischem Erdgas, etwa durch die Nutzung von Power-to-Gas-Anlagen, könnte man sogar eine vollständige CO2-Neutralität erreichen, erklärt Michael Heinemann, Chef der betreibenden VW Kraftwerk GmbH.

Die beiden Kraftwerke am Standort Wolfsburg stellen nicht nur den überwiegenden Anteil der Stromversorgung der Standorte Wolfsburg, Emden, Hannover, Kassel, Braunschweig und Salzgitter der Marken Volkswagen Pkw und Volkswagen Nutzfahrzeuge sowie der Volkswagen-Komponentenwerke sicher. Auch die Wärmeversorgung des Werkes sowie der Stadt Wolfsburg erfolgt über diese Anlagen.
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text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB