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Freitag, 20. Oktober 2017,
Elfte Generation des Kadett/Astra wird rundum besser

Opel Astra K: Der mit dem Golf tanzt

Opel zeigt den neuen Astra. Die inzwischen elfte und erstmals nicht mehr in Deutschland gebaute Generation der Kadett-/Astra-Baureihe will mit frischem Design, modernen Motoren, mehr Vernetzung und neuen Optionen frischen Wind in die Klasse bringen, mindestens. Erste Details und Bilder.
Opel
Der mit dem Golf tanzt:
Das ist der neue Opel Astra K
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Es ist inzwischen schon fast Normalität geworden, dass nicht die Hersteller ihre neuen Autos zu einem von ihnen gewünschten Zeitpunkt vorstellen, sondern echte Fotos von Online-Medien "geleakt" werden, vorab veröffentlicht. Die Mechanismen dahinter sind vielfältig und dieser Redaktion auch nicht immer nachvollziehbar. Jedenfalls musste auch Opel heute die Fotos seines großen Hoffnungsträgers im Web entdecken, bevor man sie selbst an die Redaktionen verschicken konnte. Stunden hat es gedauert, bis die PR-Strategen in Rüsselsheim dieses dann am Nachmittag doch noch erledigten.

Anders als beim Corsa-Facelift konnten die Ingenieure beim Astra mit dem sprichwörtlichen weißen Blatt Papier anfangen. Im Hinblick auf die schlechte Gewichtsbilanz und die eingeschränkte Raumökonomie beim Vorgänger war dies auch nötig. Eine neue Plattform namens D2XX-Plattform stellt die Basis, das Gewicht des Autos soll modellabhängig um 120 bis 200 Kilogramm gesunken sein, stellt Opel in Aussicht. Den Hauptanteil davon steuern die Rohkarosserie, das Chassis und die Achsen bei.

Gleichzeitig vollzieht der Astra zwar nicht gerade die Quadratur des Kreises, wie der Pressetext glauben machen will, wohl aber eine positive Trendwende: Außen kleiner, innen größer. Mit einer Gesamtlänge von 4,37 Metern ist die Neuauflage einerseits knapp fünf Zentimeter kürzer als bisher, aber noch immer derer zwölf länger als der Golf als Klassenprimus. Der Radstand sinkt um gut zwei Zentimeter, die Höhe nimmt um 2,6 Zentimeter auf knapp 1,46 Meter ab, und die Breite ist noch nicht bekannt.

Konsequent ist das Motorenangebot des Astra: Zum Einsatz kommen ausschließlich Triebwerke aus den neuen Generationen. Basismotor ist der 1,4 ECOTEC mit 100 PS, gefolgt vom neuen Dreizylinder, der aus 1,0 Litern Hubraum 105 PS entwickelt. Aus der gleichen Baureihe stammt der 1,4-Turbo-Vierzylinder mit 145 PS. Der neue 1,6-Liter-Diesel, den die Opel-Kommunikation als "Flüsterdiesel" lanciert hat und nun behauptet, die Presse feiere ihn als Flüsterdiesel, steht in diversen Leistungsstufen ab 95 PS parat. Genaue Fahrleistungs- und Verbrauchswerte liegen noch nicht vor, ebenso Angaben zu stärkeren Motoren und Getrieben.

In Sachen Ausstattung war der Astra zuletzt deutlich ins Hintertreffen geraten, auch weil Opel sich eine echte Modellpflege gespart hatte. Nun aber legen die Rüsselsheimer deutlich nach. Wichtigste Neuheit ist möglicherweise Opel OnStar, jener Online- und Service-Assistent, der u.a. einen automatischen Notruf, einen W-LAN-Hotspot, einen Diebstahl-Notfallservice und einen Fahrzeug-Fernzugriff per Smartphone-App bietet. Dazu feiert die nächste Generation des IntelliLink-Systems Premiere. Sie holt Smartphones via Android Auto und Apple CarPlay nun schneller und umfassender ins Auto.

Dazu liefert Opel den Astra nicht mehr mit Xenon-Licht, sondern setzt optional auf rein elektronisch gesteuerte Voll-LED-Scheinwerfer mit Matrix-Funktion für ein blendfreies Dauer-Fernlicht. Neu im Optionsprogramm sind außerdem Sitzheizung hinten, belüftete Vordersitze, Totwinkel-Warnung, Geschwindigkeitsbegrenzer und eine verbesserte Verkehrsschilderkennung. Der Spurassistent wird um den aktiven Lenkeingriff, der Frontkollionswarner um die automatische Notbremsung bis 60 km/h und der Parkassistent um die halbautomatische Parkfunktion erweitert.

Der Astra K ist der fünfte Astra und gleichzeitig die elfte Kompakt-Generation von Opel seit dem Ersten Weltkrieg. Der erste Kadeett erschien 1936 und wird als Kadett I bezeichnet, die Folgenererationen tragen anstelle von römischen Ziffern Buchstaben, wobei das I wegen der Verwechslungsgefahr ausgelassen wurde. Einen Überblick gibt es bei Wikipedia und in unserer Fotostrecke von 2008 anlässlich des bevorstehden Starts des jetzt auslaufenden Astra J. Der neue Astra ist auch der erste, der nicht mehr in Deutschland gebaut wird: Alle Modelle laufen aus Kostengründen im britischen Ellesmere Port und im polnischen Gliwice vom Band.

Der erste Eindruck über den neuen Astra ist überwiegend gut: Das Auto sieht frischer aus, wird kleiner und leichter bei mehr Innenraum, bietet mehr Optionen und moderneren Antrieb, wobei Details abzuwarten bleiben. Dass der ewige Rüsselsheimer Verfolger den Wolfsburger Klassenprimus dieses Mal vom Thron stoßen wird, ist aus vielerlei Gründen nicht anzunehmen; dass aber vor allem Focus, 308, i30/Cee'd und Mégane sich werden wärmer anziehen müssen, ist absehbar.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 01.06.2015  —  # 11466
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB