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Donnerstag, 14. Dezember 2017,
Kompaktvan wird größer und markanter / Marktstart erst Mitte 2014

VW Golf Sportsvan: Das ist der Golf-Plus-Nachfolger

Volkswagen
Neuer Name, neue Größe:
VW Golf Sportsvan beerbt Golf Plus
Namen sind Schall und Rauch: VW präsentiert auf der IAA mit dem Golf Sportsvan den Nachfolger des Golf Plus. Der wird nicht sportlich, wohl aber größer, markanter und moderner als bisher. Bis das neuste Baby aus Wolfsburg tatsächlich anrollt, dauert es aber noch neun Monate.
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Fast zehn Jahre ist es her, dass Volkswagen den Golf Plus erstmals vorstellte. Ursprünglich als Ersatz für den Variant gedacht, erfreute das Auto viele Kunden: Hohe Sitzposition und etwas mehr Variabilität durch eine verschiebbare Rückbank trafen den Nerv vor allem älterer Autokäufer, obwohl - oder gerade weil - das eigentliche Platzangebot kaum besser war als beim klassischen Golf. Auch das schon konzeptbedingt klar schlechtere Design schadete dem Erfolg nicht, ebensowenig das halbherzige Facelift auf die Golf-VI-Optik, bei dem VW im Gegensatz zum normalen Golf weder die Heckpartie noch das Interieur noch die Außenspiegel aktualisiert hatte.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit - höchste Zeit also für den Nachfolger. Der basiert natürlich auf dem Golf VII, mithin auf dem modernen "Modularen Querbaukasten" des Konzerns, was ihn leichter und in vielen Punkten moderner macht. Die Länge wächst deutlich um 13 Zentimeter auf 4,33 Meter, der Radstand parallel dazu um knapp elf Zentimeter auf 2,685 Meter. Die Höhe reduziert sich etwas, die Dachreling entfällt - das Auto soll sportlicher wirken, heißt es doch nun auch Sportsvan.

Das Kofferraumvolumen beträgt zwischen 500 und gut 1.500 Litern (bisher 424-1.450). Die Rücksitzbank lässt sich jetzt um 18 statt bisher um 16 Zentimeter längs verschieben. Die Lehnen sind weiterhin und wie auch beim Tiguan in der Neigung verstellbar, und wenn umgelegt wird, entsteht eine nur fast ebene Fläche.

Optisch gehörte der Golf Plus neben der Passat-Limousine zu den biedersten Modellen der Wolfsburger. Den ersten Fotos nach zu urteilen, wird das auch so bleiben, obwohl die Designer etliches verändert haben. Auffällig ist vor allem die neue, nunmehr fünfteilige seitliche Fensterlinie. In der C-Säule kommt ein zusätzliches Fenster zum Einsatz, außerdem trägt das Auto ein merklich vergrößertes Dreiecksfenster vor dem nun stehenden Außenspiegel, was ein bisschen an Ford erinnert und mehr praktisch als schön ist. Neu ist außerdem, dass der Golf Sportsvan nun ausstattungsabhängig eine Chromeinfassung dieses Fensterbandes trägt, die es bisher nicht gab und die es leider auch beim Golf VII nicht gibt.

Auf Höhe der Türgriffe ersetzt eine ausgeprägte Sicke, die am vorderen Radhaus unterbrochen ist, die bisherige feine und durchgehende Blechkante. Scheinwerfer und Rückleuchten sind etwas größer als beim "normalen" Golf. Im Kühlergrill darf der Sportsvan drei Zierstäbe tragen und vermeidet damit den uns nach wie vor merkwürdig vorkommenden Look der Limousine mit ihrem tief liegenden Solo-Pendant. Der Tankdeckel ist in Trapezform ausgeführt, was dem Sportsvan wiederum viel schlechter steht als dem klassischen Fünftürer, wo diese Form an Rückleuchten und Türkante angepasst ist.

Das Interieur entspricht im Grundsatz dem der beiden anderen Karosserievarianten. Wie bisher hat VW aber den Navigationsbildschirm weiter oben angeordnet, wodurch die Lüftungsdüsen neben und nicht über diesem sitzen. Schade: Wo es bisher insgesamt acht einzeln verstellbare Luftduschen waren, sind es fortan nur noch vier wie überall. Sie weisen drei verschiedene Formen auf und versprühen so nicht eben die von VW bekannte gestalterische Ruhe - ebenso wie das überfrachtete, unten abgeflachte Lenkrad.

Technisch wird der Golf Sportsvan natürlich wie die Limousine auf den neusten Stand gebracht, also von den neuen Motoren angetrieben, serienmäßig variantenübergreifend mit Start-Stopp-System ausgerüstet und entsprechend bis zu 19 Prozent sparsamer sein. Das Spektrum reicht von 85 bis 150 PS, GTD und GTI sind jedenfalls vorerst nicht geplant. Alle Motoren sollen von Beginn an die EU6-Abgasnorm erfüllen, was VW bei der Limousine noch nicht schafft. Der 1,6 TDI BlueMotion soll 3,7 Liter im Norm-Mittel verbrauchen, mithin deutlich mehr als die entsprechende Version des regulären Golf.

Neu bei den Assistenzsystemen ist die Tote-Winkel-Überwachung "Blind Spot Sensor" mit Ausparkassistent. Letzterer erkennt beim rückwärts ausparken seitlich hinter dem Wagen herannahende und damit für den Fahrer oftmals nur schwer auszumachende Verkehrsteilnehmer und warnt auch in diesem Fall. Droht eine Kollision, aktiviert die Elektronik automatisch eine Notbremsfunktion.

Premiere feiert der Golf Sportsvan auf der IAA in dieser Woche. Entgegen üblichen VW-Gepflogenheiten erfolgt die Markteinführung aber nicht in absehbarer Zeit, sondern erst Mitte 2014.
Verschlimmbesserung: Kommentar zum Namenswechsel
Dass Golf Plus kein besonders gelungener Name ist, steht außer Frage, weil er langweilig und wenig aussagekräftig ist, ein Minus beim normalen Golf suggerieren kann und nun auch noch vom gewiss nicht glücklich operierenden Toyota-Marketing kopiert wurde. Nicht ohne Grund lieferte VW den Golf Plus anfangs ohne Plus-Schildchen aus - bis sich die Kunden darüber beschwerten, weil sie das ihrer Meinung nach gekaufte Plus auch nach außen dokumentieren wollten. Künftig also heißt das Auto Sportsvan, und dass hierbei das VW-Marketing unglücklich operiert hat, ist offensichtlich.

Ein Auto kann nicht sportlich sein, höchstens sein Fahrer oder seine Fahrerin. Das mag zu eng betrachtet sein, weswegen Sportlichkeit als Klassifizierung von Autos nicht nur von den Herstellern, sondern auch vom allgemeinen Sprachgebrauch verwendet wird, mutmaßlich: übernommen wurde. So gesehen ist also ein Porsche Boxster klar sportlicher als ein Opel Corsa - okay. Das unsportlichste Auto-Segment ist das der Vans - praktische, aber meist völlig emotionsbefreite, schachtelförmige Autos, deren Sportlichkeit sich allerhöchstens darauf beschränkt, auch größere Sportutensilien transportieren zu können.

Genau so etwas nun mit dem Prädikat Sport zu versehen, erscheint nicht als bewusst gelungener Widerspruch, sondern schlicht als dämlich. Wenn ein Auto nicht sportlich ist, dann das schon immer imageschwache Rentnerauto Golf Plus, auch wenn es sich als Sportsvan nun etwas tiefer duckt als bislang oder als ein Touran. Dass VW so einfallslos ist und das "Sport" als Namensbestandteil verwendet, obwohl es doch von der Mehrheit der Autobauer schon längst in Beschlag genommen wurde und insbesondere von Audis Sportback, von Opels "Sports Tourer" und von Toyotas "Touring Sports" sowieso schon mehr als strapaziert ist, überrascht - gerade, weil VW sonst nahezu überall recht eingängige Namen verwendet. Gut, dass ein GTI nicht Golf Sport heißt. (hsr)
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 09.09.2013  —  # 10770
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB