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Freitag, 20. Oktober 2017,
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Studie: Hohes Risiko für Auto- und vor allem Motorradfahrer

Traktorunfälle sind selten, aber meist schwer

Unfälle mit Traktoren sind angesichts deren geringer Verbreitung auf den Straßen selten. Wenn es aber zum Crash kommt, dann meist mit schlimmen Folgen vor allem für den, der auf den Traktor aufprallt. Überdurchschnittlich gefährdet und nahezu chancenlos sind Motorradfahrer. Warum Traktorunfälle wie und wo passieren, hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) zusammen mit der Allianz und der Versicherung LVM untersucht. Dazu wurde eine Unfalldatenbank mit 1.010 Unfällen der Jahre 2006 bis 2008 aus ganz Deutschland aufgebaut und analysiert.

Die Ergebnisse sind wenig überraschend. So kracht es meistens dann, wenn der Traktor aus einer untergeordneten Straße oder einem Feldweg auf eine übergeordnete Straßen abbiegt oder diese überquert. Auch beim Abbiegen von der "größeren" in die kleinere Straße passieren Unfälle. Als problematisch erwiesen sich dabei die trotz zunehmender Motorleistungen niedrigen Ausgangsgeschwindigkeiten auf Seiten der Traktoren. Denn die Fahrzeuge brauchen zum Ab- oder Einbiegen so lange, dass sie eine Gefahr für - oft zu - schnelle Auto- und Motorradfahrer werden.

Vorfahrtmissachtung und Fehler beim Abbiegen sind die häufigsten Unfallursachen. Überdurchschnittlich oft ermittelte die Studie den Fahrer des Traktors als Hauptunfallverursacher. Allerdings gibt es bei zu schnell fahrenden Autos oder Motorradfahrern auch oft eine Mithaftung.

Bezogen auf die Gesamtbevölkerung sind viele junge Fahrer an den Unfällen beteiligt. Schwere Pkw-/Traktor-Auffahrunfälle ereigneten sich oft bei Dunkelheit. Häufigster Unfallgegner ist der Pkw (62,2 %), auffällig ist aber auch die hohe Beteiligung von motorisierten Zweirädern (21,2 %). Noch dramatischer für die Motorradfahrer sieht es aus, wenn man nur die Zahl der Schwerverletzten und Getöteten betrachtet. Mit 39,8 Prozent ist da der Anteil der Biker sogar größer als der der Autofahrer (38,2 Prozent). Ein Crashversuch der UDV zeigt, dass ein Motorradfahrer beim Anprall mit nur 70 km/h an einen Traktor so gut wie keine Überlebenschance hat, während der Traktor nur kurz wackelt.



Da Unfälle mit Traktoren selten, jedoch oft schwer und im Ablauf sehr unterschiedlich sind, gibt es auch laut Studie keine durchschlagende Einzelmaßnahme, die diese Unfälle abschwächen oder ganz vermeiden könnte. Durch die genaue Analyse des Unfallgeschehens in der Studie wurden dennoch zahlreiche mögliche Maßnahmen gefunden, die die einzelnen Unfallursachen bekämpfen können. So empfiehlt die UDV eine bessere Schulung junger Traktorfahrer und eine bessere Aufklärung aller Verkehrsteilnehmer über dieses Risiko.

Auch auf technischer Seite besteht Potential: Das Signalbild von Traktoren mit und ohne Anhänger müsse verbessert werden, beispielsweise durch die Zulassung von Rundumleuchten, Reflexfolien, Begrenzungsleuchten und Konturmarkierungen, heißt es in der Untersuchung. Heckleuchten und Blinker an Traktoren sollten sowohl größer als auch stabiler sein, landwirtschaftliche Anhänger einen seitlichen Unterfahrschutz haben.

Vor allem ist wichtig, dass Auto- und Motorradfahrer höchste Aufmerksamkeit walten lassen, wenn sie auf einen Traktor auf der Straße oder am Wegesrand treffen. Das heißt nicht nur Fuß vom Gas, sondern auch das Rechnen mit ungewöhnlichen und möglicherweise nicht signalisierten Abbiegeversuchen.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 28.09.2010  —  # 9031
text Hanno S. Ritter
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