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Dienstag, 17. Oktober 2017,
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Puristischer Speedster mit 650 PS für 890.000 Euro

Mercedes SLR Stirling Moss: Das Beste zum Schluss

Siehe Bildunterschrift
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Mercedes SLR "Stirling Moss"
Daimler
Das Beste zum Schluss: Bevor die Produktion des SLR McLaren im kommenden Jahr ausläuft, legt Mercedes-Benz noch eine letzte Kleinserie des Supersportwagens auf. Der "Stirling Moss" ist sehr puristisch, höchst exklusiv, extrem schnell – und exorbitant teuer. Mit dem SLR, gebaut bei McLaren in Großbritannien, hatte Mercedes nicht so viel Erfolg wie erhofft. Möglicherweise hat das Design nicht jedem potentiellen Kunden gefallen, möglicherweise kam die offene Roadster-Variante zu spät, möglicherweise war der Preis noch stärker überzogen als bei solchen Autos sowieso üblich. Außerdem gab es keine Rechtslenker-Variante, was vor allem in Südafrika zu geringerem Absatz als erwartet führte.

So endet das Projekt statt der ursprünglich vorgesehenen siebenjährigen Laufzeit 2009 bereits nach rund fünf Jahren. Weil es nicht wie ein Rückzug aussehen soll und weil sich die Umsatzrendite bei Supersportwagen zwischen hoch und ungeheuerlich bewegt, haben die beiden Partner zum Projektende noch einmal in die Hände gespuckt und quasi eine "Final Edition" aufgelegt. Sie heißt "Stirling Moss", wie jener britische Rennfahrer, der in den 1950er-Jahren zusammen mit Manuel Fangio und Karl Kling mit dem Mercedes 300 SLR Siege am Fließband einfuhr - und bis heute mit zehn Stunden, sieben Minuten und 48 Sekunden den Mille-Miglia-Rekord hält.

Natürlich musste Mercedes gegenüber dem "normalen" SLR und dem stärkeren "722 Edition", dessen Name ebenfalls auf Moss' Sieg anspielte, nochmals nachlegen. Dies betrifft zuvorderst die Karosserieseite: Aus dem Roadster wurde ein höchst puristischer Speedster. Seitenscheiben oder Dach gibt es nicht, und selbst die Windschutzscheibe sucht man vergebens: Vor dem Fahrtwind schützen Fahrer und Beifahrer lediglich zwei wenige Zentimeter hohe Windabweiser. Zwei in die Karosserie integrierte Hutzen dienen als Überrollbügel und zitieren die Tradition. Damit, so fabuliert Mercedes, würden die Sinne bei jeder Fahrt mit bislang unbekannter Intensität angesprochen, das Auto vermittele ein Fahrerlebnis in seiner reinsten und sinnlichsten Form.

Wohl wahr, denn der SLR Stirling Moss ist mehr als nur verdammt schnell: Der von AMG in Handarbeit gebaute Kompressor-Achtzylinder, der wie im 722er 650 PS leistet, hat es dank des geringeren Gewichts noch einmal leichter, die Fuhre auf Trab zu bringen: In 3,4 Sekunden katapultiert er den in dieser Form konkurrenzlosen Sportwagen auf Tempo 100, etwa 23 Sekunden später passiert die Tachonadel bereits die 300er-Marke. Erst bei 350 km/h stellt sich ein Gleichgewicht auf Fahrwiderständen und Motorleistung ein. "Ganz neue Dimensionen des Offenfahrens", wie Mercedes sich ausdrückt.

Die bis auf den Motorträger komplett aus Carbon gefertigte Karosserie ist formal eigenständig gestaltet. Da keine Scheiben vorhanden sind, gehen Außenhaut und Innenraum fließend ineinander über. So reicht auch die Motorhaube optisch bis in den Innenraum und lässt auf diese Weise den Fahrzeugkörper betont gestreckt wirken. Weitere Merkmale sind die facettenartig eingelegten und schwarz lackierten Lüftungsgitter auf der Motorhaube und an den Seiten, wo die Sidepipes sehr viel markanter und höher angesetzt sind als regulär. Auch die Front mit ihrer mächtigen Schürze und den Solo-Scheinwerfern und das knackige Heck sind weit entfernt vom ursprünglichen Roadster.

Das Interieur ist so puristisch wie das ganze Auto - und aus Gewichtsgründen von den meisten Komfort-Helfern befreit. Sogar die Klimaanlage musste weichen. Eine Aluminiumtafel am Wählhebel der Fünfgang-Automatik trägt die eingravierte Signatur von Stirling Moss. Geschlossen werden kann das Fahrzeug durch zwei im Kofferraum mitgeführte Abdeckungen aus Carbon, den sogenannten Tonneau Covern.

Höchste Exklusivität ist bei einem solchen Projekt natürlich Pflicht. Dafür sorgt Mercedes nicht nur mit einer Limitierung auf 75 Exemplare, die nach dem Ende der regulären Roadster-Fertigung im Juni und im zweiten Halbjahr 2009 gebaut werden, sondern auch mit dem exorbitant hohen Preis: 750.000 Euro - mit Mehrwertsteuer: 892.500 Euro. Das freilich hat nichts daran geändert, dass das Auto bereits jetzt so gut wie ausverkauft ist. Schließlich versteht Mercedes den Speedster als "Dank an die treuesten SLR-Kunden": Denn nur sie können einen "Stirling Moss" kaufen.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 22.12.2008  —  # 7672
text Hanno S. Ritter
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