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Dienstag, 24. Oktober 2017,
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Off-Board-System »MyCOMAND« gibt einen Zukunfts-Ausblick

Mercedes: Künftige Navis sind dauernd online

Siehe Bildunterschrift
Prototyp eines Daimler
Online-Navis: Mercedes MyCOMAND-Screen
MyCOMAND heißt der Nachfolger-Prototyp des großen Mercedes-Navigationssystems COMAND. Wesentliche Neuheit: Das System funktioniert vollständig auf Online-Basis – weswegen auch die Serieneinführung noch einige Jahre auf sich warten lassen wird. Das Internet müsse man nicht unbedingt im Auto nutzen können, hieß es bei Mercedes noch vor ein paar Jahren, als die Marke mit Elektronik-Problemen kämpfte und sogar elektrische Fensterheber in Frage stellte.

Die Elektronik hat Mercedes inzwischen weitaus besser im Griff - und natürlich ist es keine Frage, dass das Internet nach den heimischen Computern und den mobilen Geräten wie Handys und PDAs auch die Autos erobern wird. Einen ersten Schritt kann man in der Serie bereits bei BMW begutachten - vielleicht mit ein Grund dafür, dass die Stuttgarter jetzt ihre Vision vorführen.

Eingebaut ist sie im ConceptFASCINATION, jenem Shooting-Brake-Showcar, das auf dem Pariser Autosalon vor gut zwei Monaten einen Ausblick auf das Design der kommenden E-Klasse gegeben hatte und jetzt, auf der Los Angeles Motor Show, auch einen Interieur-Blick erlaubt. Die Sprache der Marketing-Leute hat dabei sogar nochmals an Übertreibung gewonnen: MyCOMAND in dem seinerzeit als "faszinierenden Juwel" beschriebenen Auto sei die "Revolution im Armaturenbrett", fabuliert Mercedes wörtlich.

Der wesentliche Unterschied zu bekannten Systemen besteht in der konsequenten Nutzung des Internet als Quelle sowohl für Daten als auch für das Betriebssystem des Geräts. So aktualisiert sich MyCOMAND bei jedem Motorstart automatisch über das Netz. So kann der Autobauer mit den schnellen Entwicklungszyklen der Unterhaltungsindustrie Schritt halten und Funktionsumfang und GUI, also die Benutzeroberfläche, immer wieder auf den neuesten Stand bringen.

Der Kunde profitiert nicht nur durch ein immer aktuelles System, sondern etwa im Bereich der Navigation auch durch stets aktuelle Daten. Diese sogenannte Off-Board-Navigation berücksichtigt bei der Routenwahl auch die im Internet verfügbaren Verkehrsinformationen. Neben der konventionellen Kartendarstellung können auch Satellitenbilder wiedergegeben werden. Die Suche von Zielen muss zudem nicht mehr einem starren Format (Land - Ort - Straße - Hausnummer) erfolgen, sondern erlaubt die freie Eingabe, wie man sie etwa von Google Maps kennt.

Dabei können Ziele mit aktuellsten Daten verknüpft werden, so dass der Fahrer zum Beispiel leicht die günstigste Tankstelle im Umkreis oder entlang der Route finden kann. Das System zeigt zudem etwa das Wetter auf der Strecke an und informiert über das Hotel- und Freizeitangebot am Zielort. Auch die Hotelbuchung aus dem Auto heraus ist für den "Trip-Assist" kein Problem.

Auch den Radioempfang und das Telefonieren (Voice-over-IP) hat Mercedes in dem Forschungsprojekt auf das Internet verlagert. Denkbar wäre zudem, vom Autos aus auf im Web abgelegte Musikdaten zuzugreifen. Gesteuert wird myCOMAND über den bekannten Dreh-Drücksteller, zwei Zusatztasten und auch per Spracheingabe.

Das System ist, so hört man, weitgehend fertig entwickelt, krankt aber noch an mangelnder Bandbreite und Geschwindigkeit der Funknetze, die die Daten ins Auto schicken. Wenn dieses Problem via bezahlbarer und zuverlässiger Flatrate gelöst ist, könnte myCOMAND in Serie gehen. Wenn nicht noch eine wichtigere Revolution dazwischenkommt.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 20.11.2008  —  # 7607
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
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