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Montag, 18. Dezember 2017,
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Aufwändiges Mild-Hybrid-Konzept mit Start-Stopp-Automatik

Mercedes S 400 Bluehybrid: 300 PS und 7,9 Liter

Siehe Bildunterschrift
Bild anklicken für Großansicht Erster Hybrid-Mercedes:
S 400 mit 7,9 Liter Verbrauch
Daimler
Dass Mercedes eine Hybridversion der S-Klasse mit Lithium-Ionen-Batterie vorbereitet, ist schon länger offiziell bestätigt. Nun haben die Stuttgarter das Konzept erstmals im Detail vorgestellt. Der S400 Bluehybrid soll im Juni 2009 auf den Markt kommen – 300 PS stark und 7,9 Liter sparsam. Das erste Pkw-Modell mit Hybrid-Antrieb von Mercedes ist - wie könnte es anders sein - eine S-Klasse, jene Luxus-Limousine, die in den vergangenen Jahrzehnten bereits etliche heute auch in kleineren Klassen selbstverständliche Innovationen vorwegnahm.

Ein weiterer Grund für die Adaption der Technik an die S-Klasse ist natürlich auch der zur Verfügung stehende Raum - Elektromotor, Batterie, Kühlung und Steuerelektronik wollen untergebracht sein, auch wenn das Mercedes-Modul vergleichsweise kompakt und leicht (75 Kilogramm) baut. Die Zuladung bleibt mit knapp 600 Kilo unverändert hoch.

Protagonisten des "Pionierschritts zur Elektrifizierung des Automobils" (Mercedes-PR-Text) sind, wie der Name Hybrid es umschreibt, also zwei Motoren. Nummer 1 ist der im Prinzip bekannte V6-Benziner, der aus 3,5 Litern Hubraum 272 PS leistet, hier aber auf 279 PS kommt. Ein neuer Zylinderkopf, andere Kolben sowie eine modifizierte Nockenwelle mit anderer Steuerung sind die Gründe dafür, und bereits sie sollen den Verbrauch nach unten drücken. Wieviel, lässt Mercedes offen.

Nummer 2 ist ein scheibenförmiger Elektromotor, der platzsparend im Wandlergehäuse zwischen Motor und der Siebenstufen-Automatik eingebaut ist. Es handelt sich um einen 3-Phasen-Drehstrom-Elektromotor als so genannter Außenläufer, der bei 120 Volt Betriebsspannung eine Maximalleistung von 15 kW/20 PS und ein Startdrehmoment von 160 Newtonmeter entwickelt. Das Bauteil (Starter/Generator) übernimmt darüber hinaus die Funktionen der konventionellen Nebenaggregate Anlasser und Lichtmaschine.

Der Elektromotor ermöglicht jedoch keinen Alleinbetrieb (Voll-Hybrid), sondern dient dazu, den Otto-Kollegen in der verbrauchsintensiven Beschleunigungsphase zu unterstützen (Mild-Hybrid). Dank dieses "Boost-Effekts" wird das Auto in erster Linie sparsamer - satte 22 Prozent beträgt der Fortschritt -, nebenbei außerdem schneller: Bei "Bleifuß" vergehen 7,2 statt 7,3 Sekunden im regulären S 350 bis zur Tempo-100-Marke. Das Konzept bietet demnach vor allem im Stadtverkehr Verbrauchsvorteile.

Dies gilt auch für die ebenfalls integrierte Start-Stopp-Automatik. Besonderheit: Sie schaltet den Motor nicht erst bei Stillstand aus, sondern bereits dann, wenn der Wagen unterhalb von 15 km/h ausrollt. Zuvor nutzt das Hybridmodul die anfallende Energie zur Erzeugung von Strom, der in die Batterie zurückgespeist wird.

Der Elektromotor verstärkt dabei die Motorbremse des Benziners in zwei nahtlos ineinander übergehenden Schritten: In Stufe eins, beim Schubbetrieb ohne Betätigung des Bremspedals, arbeitet die E-Maschine wie ein Generator. Stufe zwei setzt ein, sobald der Fahrer die Bremse leicht betätigt. Dann wird die Generatorleistung proportional erhöht, was der Fahrer als stärkere Verzögerung wahrnimmt. Erst bei höherem Pedaldruck werden zusätzlich die Radbremsen aktiviert. Servolenkung und Klimakompressor sind elektrisch betrieben und bleiben also auch beim Ampelstopp in Aktion.

Als Batterie fungiert eine Lithium-Ionen-Batterie, die Mercedes nach eigener Lesart als weltweit erster Hersteller in einem Serienfahrzeug auf den Markt bringt, womit etwa der Tesla Roadster unterschlagen wird. Der Akku wird im im Motorraum an Stelle der in den Kofferraum verbannten herkömmlichen Starterbatterie eingebaut und dient nicht nur als Energiespeicher für den Elektromotor, sondern ist über einen Spannungswandler auch mit dem regulären 12-Volt-Bordnetz verbunden. Die Batterie und weitere Komponenten verfügen über einen eigenen Kühlkreislauf.

Auch sonst ist der Aufwand beträchtlich: So mussten die Ingenieure nicht nur mit diversen Maßnahmen für die Sicherheit des Hochvolt-Systems auch bei Werkstattpersonal und im Crashfall sorgen, die Motor- und Getriebesteuerung neu programmieren, sondern etwa der Automatik auch eine zusätzliche Ölpumpe spendieren, damit das Räderwerk auch bei stehendem Motor ausreichend geschmiert wird - eine Technik übrigens, die bis Anfang der 1990er-Jahre bei Mercedes Standard war und dann "weggespart" wurde, so dass auch ein Abschleppen nicht mehr erlaubt war.

Der S 400 BlueHYBRID wird im Werk Sindelfingen gemeinsam mit anderen S-Klasse-Modellen produziert. Motor, Automatikgetriebe und Elektromotor werden zunächst zu dem Hybridmodul zusammengefügt und anschließend als Einheit an das Produktionsband geliefert. Eingeführt wird die neue Variante nach jetzigem Stand im Juni 2009 in Westeuropa und kurz darauf in China und den USA.

Wie hoch der Aufpreis ausfallen wird und vor allem wie die Kunden das Konzept aufnehmen werden, wird spannend zu beobachten sein. 7,9 Liter statt 10,2 sind ein Wort - und doch nur einen halben Liter weniger als der allerdings schwächere und günstigere V6-Diesel. Das weiß man auch bei Mercedes, und so spricht vieles dafür, dass das Hybrid-Modul eines Tages auch mit dem neuen Diesel kombiniert wird. Das würde erstmals einen Vierzylinder in der S-Klasse bedeuten - und rund 6,5 Liter Verbrauch.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 17.09.2008  —  # 7440
text Hanno S. Ritter
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