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Montag, 11. Dezember 2017,
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ADAC und Partnerclubs testen 51 Tunnel / Testsieger aus Kroatien

Tunneltest 2007: Jede fünfte Röhre ist bedenklich

Siehe Bildunterschrift
Bild anklicken für Großansicht Tunneltest 2007:
Testsieger in Kroatien
ADAC
Noch immer gibt es zu viele "schwarze Löcher": 51 Tunnel in 13 europäischen Ländern haben der ADAC und seine Partnerclubs dieses Jahr unter die Lupe genommen. 18 Tunnel erhielten zwar die Bestnote "sehr gut", jeder fünften Röhre allerdings musste die "Rote Karte" gezeigt werden – als Urteil "bedenklich" und gar "mangelhaft". Der Testsieg geht nach Kroatien – ein Land, das auch schon in den vergangenen Jahren mit hervorragenden Testergebnissen glänzte. Der Tunnel Brinje auf der A1 Zagreb – Split ist drei Jahre alt, anderthalb Kilometer lang, mit allen sicherheitsrelevanten Details ausgestattet und vorbildlich für den Notfall gerüstet.

"Vize-Europameister" ist Deutschland. Der 2006 eröffnete Tunnel Tiergarten Spreebogen auf der B96 in Berlin-Mitte muss sich hinter seinem kroatischen Mitbewerber nicht verstecken. Sein komplexes Tunnelsystem mit vielen Ein- und Ausfahrten birgt allerdings nach Auffassung des ADAC mehr Risiko in sich. Die Bronzemedaille geht an den zweiröhrigen Mrázovka-Tunnel in der tschechischen Hauptstadt Prag.

Schlusslicht sind wieder einmal die Italiener. Der Testverlierer Paci 2 auf der A3 Salerno – Reggio Calabria bei Scilla befindet sich in einem katastrophalen Zustand und kann keinerlei Sicherheitsvorkehrungen aufweisen. Rund 200 Kilometer nördlich auf der A3 sieht es nicht viel besser aus. Auch der Serra Rotonda hat an Sicherheit wenig zu bieten.

Erneut fiel auch eine deutsche Röhre im Test durch: der Tunnel Gernsbach in der gleichnamigen Stadt im Schwarzwald auf der B462. Gegenverkehr und der große Anteil an Lkw sorgen hier für ein hohes Risiko. Außerdem stellten die Tester in der erst gut zehn Jahre alten Röhre große Defizite bei den Flucht- und Rettungswegen, der Lüftung und dem Notfallmanagement fest.

Der Tunneltest wurde im Rahmen des EuroTAP (European Tunnel Assessment) bereits zum neunten Mal durchgeführt. Um die Tunnel möglichst genau testen zu können, überprüfen die Experten jeden Tunnel an Ort und Stelle und klären mit den Tunnelbetreibern sicherheitstechnische Fragen. Alle Ergebnisse werden in eine Checkliste eingetragen, die sich an den hohen Vorgaben neuester Richtlinien orientiert und stets aktualisiert wird. Überprüft wird, wie durch bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen Notfälle beherrscht oder sogar vermieden werden können.

Acht unterschiedlich gewichtete Kategorien ergeben das Sicherheitspotenzial eines Tunnels. Dies sind Brandschutz (18 Prozent), Verkehr und Verkehrsüberwachung (17), Tunnelsystem (14), Flucht- und Rettungswege (13), Kommunikation (11), Lüftung (11), Beleuchtung und Energieversorgung (8) und Notfallmanagement (8).

Dem Ergebnis gegenübergestellt wird das Risikopotenzial eines Tunnels: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls in der Autoröhre und welches Ausmaß kann ein Notfall haben? Dabei wird unter anderem berücksichtigt, ob Richtungs- oder Gegenverkehr herrscht, wie die Verkehrsdichte und -leistung ist, wie hoch die Belastung durch Lkw und Gefahrguttransporte ist und ob es eine Längsneigung des Tunnels gibt. Am Ende aller Bewertungen steht eine Gesamtnote, die eine vergleichende Betrachtung der Sicherheitsstandards von Straßentunneln ermöglicht.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 26.04.2007  —  # 6205
text Hanno S. Ritter
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