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Der Vater des vielleicht schönsten BMW aller Zeiten ist tot

Designer Albrecht Graf Goertz verstorben

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BMW
Goertz †
Seinen internationalen Durchbruch feierte Albrecht Graf Goertz nach dem großen Beifall für die BMW-Modelle 503 und insbesondere 507 Ende der 1950er-Jahre. Die ersten Skizzen dazu hatte er nach einem Insider-Tipp per Brief aus den USA nach München geschickt. Am vergangenen Freitag verstarb der Designer im Alter von 92 Jahren.
Graf Goertz hatte 1933 zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Hamburg absolviert und war kurz darauf zu einer Londoner Privatbank gewechselt. Schon 1933 wanderte der zweite Sohn eines alten deutschen Adelsgeschlechts in die USA aus.

Drei Jahre später entwarf Goertz sein erstes Auto. Das Coupé Paragon, ein Einzelstück auf Basis eines Ford Mercury, war 1939 für einige Wochen auf der Weltausstellung in San Francisco zu sehen. Es folgte ein fünfjähriger Armee-Dienst. Nach dem Krieg begann Goertz ein Studium in New York City und anschließend eine Tätigkeit für den damaligen Autobauer Studebaker, wo er zusammen mit einem Kollegen das erfolgreiche Facelift des Modells Studebaker entwirft - die so genannte "Bullet Nose". 19853 eröffnete Goertz sein eigenes Design-Studio.

Den Weg zu BMW ebnete ihm Max Hoffmann. Der gebürtige Österreicher und größte Autohändler in New York galt in den 1950er Jahren als der bedeutendste Importeur für europäische Luxusfahrzeuge in Übersee und vertrieb Prestigemarken wie Mercedes, Porsche und BMW. Sein Einfluss war so groß, dass die Werke ihm frühzeitig Einblick in ihre Planungen gewährten. Dementsprechend bat auch BMW um Begutachtung seines Sportwagenprojekts, einem Roadster mit V8-Motor.

Die ersten Entwürfe gefielen Hoffmann jedoch nicht. Er gab dem jungen Designer Goertz den Tipp, einige Skizzen eines Sportwagen anzufertigen und nach München zu schicken. Die Entwürfe fanden dort spontan Gefallen - im Januar 1955 wurden die Verträge geschlossen. Parallel zu diesem Zweisitzer unter der Bezeichnung 507 wurde Goertz nach kurzer Zeit die Verantwortung für ein weiteres Projekt übertragen: Nach der Vorarbeit von Kurt Bredschneider entwickelte er den mondänen 503, ein ebenfalls vornehmlich für den amerikanischen Markt geplanter Luxusreisewagen als Cabriolet und Coupé. Die beiden Modelle bedeuteten den internationalen Durchbruch für Goertz.

Goertz wurde mit Bertone, Pinin Farina und anderen Designern von Weltrang verglichen. "Wenn ich jemand mit einem Auto emotional ansprechen kann, gelingt mir das auch mit einem anderen Produkt", ist Goertz überzeugt. Und sein Erfolg gibt ihm Recht. Auftraggeber aus allen Branchen engagieren den Designer. Von seinem Studio in den USA aus, wo Goertz noch immer seinen Hauptwohnsitz hatte, reist er in der Folgezeit um den ganzen Globus und gestaltet Gebrauchsgegenstände verschiedenster Art. Dazu zählen u.a. Fotoapparate für Agfa, Fuji und Polaroid, Haushaltsgeräte, Schreibutensilien, Schmuck, Puma-Sportkleidung und -accessoires, Radios und Fernseher für SABA - und die Datsun-Modelle Silvia und 240Z.

In den 1990er Jahren wählte Goertz wieder das elterliche Gut in Brunkensen als Lebensmittelpunkt. Auch von dort aus war er auch weiter als Designer tätig. 2004 feierte er seinen 90. Geburtstag im Gebäude der BMW Group Mobile Tradition in München mit zahlreichen Gästen.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 06.11.2006  —  # 5779
text Hanno S. Ritter
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