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Donnerstag, 19. Oktober 2017,
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Weitgehend seriennahes Sparmodell kommt im Sommer / Mit Rußfilter

VW Polo BlueMotion: Unter vier Liter Verbrauch

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VW Polo "BlueMotion"
Volkswagen
Der Drei-Liter-Lupo ist tot, es lebe der Vier-Liter-Polo: Als Quasi-Nachfolger des inzwischen eingestellten besonders sparsamen Lupo zeigt VW auf dem Genfer Autosalon einen Serien-Polo, der unter vier Liter verbraucht – und sogar einen Rußfilter aufweist.
Das Auto, das entgegen den Erwartungen nicht als "Eco-Polo" oder "Polo eco", sondern unter dem Zusatznamen "BlueMotion" vermarktet wird, soll noch diesen Sommer in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf den Markt kommen. Das (gerade erst als Marke angemeldete) Kunstwort stehe dabei für die "VW-Farbe" Blau, erläutert der Autobauer - wohl ahnend, dass die erste Assoziation eher das "Bluetec" von Mercedes ist.

Für Vortrieb sorgt der aus der Serie bekannte Dreizylinder-TDI mit 1,4 Litern Hubraum, und zwar in der stärkeren Variante mit 80 PS und einem Drehmoment von 195 Newtonmetern. Das Aggregat ist - man höre und staune - serienmäßig an einen Rußpartikelfilter gekoppelt.

Zunächst ein Blick auf den Verbrauch: Der Kleinwagen gibt sich im Norm-Mittel mit 3,9 Litern Diesel zufrieden - das sind einerseits deutlich mehr als die 2,99 Liter des seinerzeitigen Lupo 3L, andererseits aber dennoch ein sehr guter Wert, der dem Auto auch den Titel "sparsamster Polo aller Zeiten" einbringt. Das ist ein größeres Kompliment, als es sich vielleicht zunächst anhört, wenn man bedenkt, wie lange der Polo schon zum VW-Portfolio gehört wie er im Laufe der Jahre nicht nur an Leistung, sondern auch an Speck, sprich Kilogramm, zugelegt hat.

Zu berücksichtigen beim internen Verbrauchsvergleich ist neben dem tendenziell verbrauchsfördernden Rußfilter vor allem, dass ein Polo naturgemäß eine Klasse höher als ein Lupo positioniert ist und dementsprechend noch mehr Alltagstauglichkeit und mutmaßlich auch Sicherheit mitbringt. Für ersteres stehen beispielhaft das Platzangebot für Passagiere und Gepäck, das Tankvolumen, das Fahrverhalten, die Instrumentierung - und in gewisser Weise auch das Image.

Weil also vier Liter technisch überproportional leichter als drei Liter Verbrauch zu erreichen sind, mussten die Ingenieure beim Polo auch nicht halb so viel Aufwand treiben wie beim Lupo: Die Verbrauchssenkung um einen guten halben Liter und gleichzeitig um 16 Gramm CO2-Emmissionen pro Kilometer (jetzt: 103 g/km) gegenüber dem Serienmodell geht zuvorderst auf das Konto innermotorischer Maßnahmen, aerodynamischem Feinschliff und einer längeren Übersetzung; Gewichtsreduktion stand nur am Rande auf der Agenda, ein spezielles Getriebe oder eine Start-Stopp-Automatik sind nicht vorhanden und damit auch nicht preistreibend.

Die innermotorischen Maßnahmen betreffen insbesondere die Umstellung auf einen Turbolader mit variabler Turbinengeometrie und eine optimierte Abgasrückführung. Dadurch liegt das maximale Drehmoment statt bei 2.200 bereits bei 1.800 Touren an, womit sich die "Schongang"-Charakteristik des Fünfgang-Getriebes, konkret um zwölf bis 24 Prozent längere Übersetzungen in den Gängen drei bis fünf, gut kaschieren ließ.

Einbußen bei den Fahrleistungen resultieren hieraus nämlich nicht, jedenfalls nicht beim Standardsprint aus dem Stand auf Tempo 100, der im BlueMotion die gleichen 12,8 Sekunden dauert wie im Serienmodell, und auch nicht bei der Höchstgeschwindigkeit, die sogar um zwei auf 176 km/h steigt - die Aerodynamik lässt grüßen. In punkto Elastizität - Zwischenbeschleunigen etwa von 80 auf 120 km/h im großen Gang - dürfte sich die Getriebeübersetzung in einem minimal längeren Atem niederschlagen. Für Kritik reicht die Mutmaßung jedoch nicht, schon gar nicht bei einem dreizylindrigen Kleinwagen. Im Zweifel muss die Sparsamkeit eben mit etwas mehr Schaltarbeit erkauft werden.

Die dritte Säule des reduzierten Verbrauchs ist wie erwähnt die Aerodynamik: Modifiziert wurde insbesondere die Frontpartie, wobei die optimierte Schürze nur im direkten Vergleich auffällt. Prägnanter ist der bis auf einen Querspalt nahezu geschlossene Kühlergrill - so gibt sich der "Spar"-Polo äußerlich genauso zu erkennen wie seinerzeit der Lupo 3L an seinen anderen Frontblinkern. Eine in Wagenfarbe lackierte Heckscheibeneinfassung sorgt für bessere Strömungsverhältnisse am Heck, die Tieferlegung des Fahrwerks besorgt den Rest. Serienmäßig rollt der Polo außerdem auf speziell entwickelten Alufelgen im 14 Zoll-Format mit rollwiderstandsarmer Bereifung der Dimension 165/70 - was sich spärlich anhören mag, entspricht exakt der Serienvorgabe, jedenfalls in der Basisversion.

Alle Details zur Ausstattung und zu verfügbaren Extras - voran die vier Türen - liegen noch nicht vor. Klar ist, dass der BlueMotion neben speziellen Sitzbezügen im "Popcorn"-Design und Multifunktionsanzeige äußerlich die lackierten Anbauteile (Türgriffe, Schutzleisten, Außenspiegel) von "Comfortline" und "Sportline" erhält, während der Rest weitgehend dem Basismodell "Trendline" entsprechen dürfte. Der Preis wiederum entfernt sich von der Serie längst nicht so weit wie beim Drei-Liter-Lupo, sondern wird sich "nur" im Bereich der "Sportline"-Version bewegen. Das sind rund 16.000 Euro - viel Geld für einen Kleinwagen zweifellos, und doch ein reelles Angebot, wenn man die Polo-Preise als solches, die Alufelgen und nicht zuletzt den Rußfilter berücksichtigt.

Wer die Idee gut findet und das Geld investiert, kann anschließend mehr als 1.100 Kilometer lange Strecken mit einer Tankfüllung von gerade mal 45 Litern bewältigen, wobei der BlueMotion außerorts nach den Normwerten sogar nur 3,2 (Serie: 4,0) Liter konsumiert - um nicht zu sagen: "Er fährt und fährt und fährt".

Viele Worte für einen halben Liter Verbrauchsersparnis, mag man einwenden, und sich fragen, wo das Dreiliter-Auto oder das von Ex-VW-Chef Piëch in einem Interview einmal angekündigte Zweiliter-Auto bleibt - die Zeit wäre durchaus reif dafür. Andererseits: Wenn die Kunden - wie beim Dreiliter-Lupo - den hohen technischen Aufwand nicht bezahlen können oder wollen und also mehrheitlich ausbleiben, und der Autobauer, zumal VW, das Konzept nicht stärker subventionieren kann, gehen solche Konzepte unserer Meinung nach in die richtige Richtung. 200.000 BlueMotion-Polo wären für die Umwelt besser als die Hälfte an Drei-Liter-Autos.

VW selbst profitiert nicht nur in punkto Image, sondern auch im Flottenverbrauch, und so wird der "blaue" Polo - höheres Kundeninteresse als beim Lupo TDI 3L vorausgesetzt - nicht das einzige Modell seiner Art bleiben: "BlueMotion" soll zu einem "Gütsiegel" avancieren, mithin das Konzept auf andere Baureihen ausgeweitet werden. Zuvor gibt es allerdings möglicherweise noch Ärger mit DaimlerChrysler - nicht wegen "Bluetec", sondern wegen "bluemotion": Smart hatte sich die entsprechenden Wortmarken-Rechte bereits 1999 gesichert.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 26.02.2006  —  # 5095
text Hanno S. Ritter
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