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Dienstag, 24. Oktober 2017,
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Fulda lässt 350 km/h schnelles Maybach-Coupé bauen

Begehrlichkeiten: Maybach-Zweisitzer Exelero mit 700 PS

Siehe Bildunterschrift
Bild anklicken für Großansicht Fulda-Showcar:
Maybach Exelero
DaimlerChrysler
Neue Modelle und Baureihen auf den Markt zu bringen, war für DaimlerChrysler in den vergangenen zehn Jahren nichts Besonderes - und man bräuchte einen ganzen Absatz, um all die Neuheiten zwischen Smart Fortwo, A-Klasse, SLK und M-Klasse bis hin zum Vaneo aufzulisten.
Eigentlich müsste die Liste nicht alphabetisch beim Vaneo enden, sondern preislich beim Maybach. Das große Luxusauto für Superreiche freilich gibt es bis heute nur als Limousine, in zwei Längen, nicht jedoch als Coupé oder Cabrio - und das, obwohl Rolls-Royce einen offenen Phantom angekündigt hat.

Dass Mercedes insoweit nachziehen wird, ist eher unwahrscheinlich - der Maybach ist nicht gerade ein Verkaufsrenner, und der Imagegewinn dürfte die Investitionen für ein weiteres Modell nicht wert sein. Andererseits gehört natürlich gerade ein Maybach zu jenen Autos, bei denen dem Kundenwunsch kaum Grenzen gesetzt sind, einmal abgesehen von dessen Brieftasche: Höchste Individualisierung auch jenseits von Leder- und Holzsorten ist selbstverständlich.

Wie weit die "bislang höchste Ausprägung dieser Individualisierungsstrategie" (DaimlerChrysler-PR-Text) gehen kann, zeigt ein ganz besonderer Maybach, der dieser Tage im Berliner Tempodrom gezeigt wurde: Ein Coupé auf Basis des kürzeren Maybach 57, tatsächlich fast 5,90 Meter lang und optisch nur in Details an die zugrundeliegende Limousine erinnernd.

Das Showcar namens "Exelero" ist eine Sonderanfertigung im Auftrag des Reifenherstellers Fulda, der das schwarze Einzelstück als Referenzfahrzeug für eine neu entwickelte Breitreifen-Generation gleichen Namens einsetzen will.

Doch warum gerade Maybach? Schon einmal, vor 66 Jahren, hatte Fulda ein ganz besonderes Auto bei Maybach in Auftrag gegeben: Das Stromlinienfahrzeug auf Basis des Typs SW38 war angetreten, die seinerzeit magische Geschwindigkeitsmarke von 200 km/h zu erreichen und damit für öffentlichkeitswirksame Aufmerksamkeit zu sorgen sowie Reifentests bei hohem Tempo zu ermöglichen. Das Auto von 1939 existiert nicht mehr - es verschwand in den beginnenden Kriegswirren.

Die Exelero-Reifen von Fulda sind maximal im Format 315/25 ZR 23 zu haben und für Geschwindigkeiten jenseits von 350 km/h zugelassen - wohlgemerkt in der Serienversion. Die Maße sollte man sich dabei ruhig verdeutlichen: 31,5 Zentimeter Breite und 23 Zoll respektive 58,5 Zentimeter Durchmesser sind extrem.

Der Maybach Exelero sollte die Geschwindigkeitsvorgabe natürlich schaffen - aber 350 km/h sind auch heutzutage kein Pappenstil. Der beileibe nicht schwache Biturbo-Zwölfzylinder der Serienversion reicht dafür nicht aus. Deswegen vergrößerten die Ingenieure den Hubraum von 5,6 auf 5,9 Liter und steigerten die Leistung auf 700 PS bei einem Drehmomentmaximum von 1.020 Newtonmetern. Bei ersten Tests auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Nardo (Italien) erreichte das einzigartige und über 2,6 Tonnen schwere Fahrzeug denn auch eine Höchstgeschwindigkeit von 351,45 km/h. Tempo 100 ist nach 4,4 Sekunden erreicht.

Entwickelt wurde der inzwischen mit Straßenzulassung versehene Exelero von Maybach-Ingenieuren in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Pforzheim, den Aufbau übernahmen die Prototypen-Spezialisten bei Stola in Turin. Eine Serienfertigung ist wie erwähnt nicht geplant; über die mutmaßlich immensen Kosten des Projekts schweigen die Partner sich aus. Man hätte das Geld sicher sinnvoller investieren können, aber kaum aufregender - der Exelero ist ein perfekter Botschafter für Fulda: Schwarz. Breit. Stark.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 16.05.2005  —  # 4254
text Hanno S. Ritter
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