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Freitag, 20. Oktober 2017,
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Gewaltiges Sparpotential bei stärkerer Diesel-Verbreitung in den USA

Mercedes: Weltrekordfahrt im E 320 CDI

Siehe Bildunterschrift
20.000 Mal DaimlerChrysler
störungsfrei im Kreis: Drei E 320 CDI mit Rußfilter
Rekordversuche, möglichst erfolgreiche, sind ein probates Mittel, um neue Produkte der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Auch im Autobereich gibt es aus jüngerer und fernerer Vergangenheit zahlreiche Beispiele hierfür, zuletzt die Rekordfahrt eines mit Wasserstoff angetriebenen BMW (Autokiste berichtete).
Dieser Tage nun berichtet Mercedes von einem solchen Unterfangen: Drei serienmäßige Modelle vom Typ E 320 CDI mit dem neuen V6-Diesel erzielten gleich drei internationale Weltrekorde. Doch, Moment - was muss Diesel-Pioneer Mercedes hier bekannt machen oder unter Beweis stellen? Ja, tatsächlich, in erster Linie den Diesel als solchen - denn Zielgruppe der Aktion waren in erster Linie amerikanische Autokäufer, denen ein Diesel noch immer höchst suspekt erscheint.

Konkret erreichten die 224 PS starken E-Klassen die Weltrekorde über eine Strecke von 100.000 Kilometern sowie 50.000 und 100.000 Meilen auf der konzerneigenen Hochgeschwindigkeitsstrecke im texanischen Laredo. 20.000 Runden spulten die drei Rekordfahrzeuge dort ab. Rechnet man die Laufleistungen der drei Modelle zusammen, so ergibt sich die Strecke von 300.000 Meilen (482.802 Kilometer), was der 1,25-fachen Entfernung Erde-Mond entspricht. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 139,699 mph (knapp 225 km/h). Zusätzlich zur hohen Streckenleistung waren die Autos starken klimatischen Schwankungen und Bodenunebenheiten auf der Teststrecke ausgesetzt, die permanent Fahrwerk, Chassis und Elektronik malträtierten.

Die Tortour, die nebenbei weitere 19 Klassenrekorde für Dieselfahrzeuge einbrachte, dauerte insgesamt nicht weniger als 30 Tage. Je drei sechsköpfige Fahrerteams, unter ihnen auch der ehemalige DTM-Pilot und aktuelle Formel 1-Safety Car-Fahrer Bernd Mayländer, wechselten sich turnusmäßig ab. Für jeden Fahrer dauerte der Einsatz zwischen den Tankstopps rund 2 Stunden 10 Minuten.

Insgesamt mussten die Rekordfahrer 966 mal die provisorische Box neben der Strecke anfahren, das Auftanken und die obligatorische Sichtkontrolle dauerte durchschnittlich rund zwei Minuten. Die Inspektionsintervalle mit dem Austausch von Betriebsmitteln und Verschleißteilen richteten sich nach der üblichen Intervallanzeige im Cockpit, über die gesamte Strecke waren pro Fahrzeug zehn Wartungsarbeiten nötig, also im Schnitt alle gut 16.000 Kilometer. Bei den Inspektionen tauschte das 26-köpfige Mechanikerteam ebenso oft Motoröl, Luft- und Dieselfilter aus.

Die Weltrekordfahrt fand unter Aufsicht der FIA (Fédération Internationale de l'automobile) statt, die strenge Regeln für die Durchführung solcher Versuche vorschreibt. Die Rekordfahrzeuge wurden von den FIA-Kommissaren im DaimlerChrysler-Werk Sindelfingen frei ausgewählt, verplombt und in die USA verschickt. Dort standen sie vor, während und nach der Rekordfahrt bis zur offiziellen Anerkennung der Weltrekorde unter ständiger Kontrolle der FIA. Laut den weltweit anerkannten Statuten sind eventuell notwendige Reparaturen nur bis zu einem gewissen Grad zulässig, ein Wechsel kompletter Baugruppen wie Motor, Getriebe oder Abgasanlage ist nicht erlaubt.

Quasi nebenbei und besonders für deutsche Autokäufer interessant war die Rekordfahrt aber nicht nur ein Beweis für die Standfestigkeit des neuen Motors, sondern auch für jene der Siebengang-Automatik und des serienmäßigen Rußfilters. Beides überstand den langen Test Werksangaben zufolge ohne Störungen.

Bisher beträgt der Diesel-Anteil in den USA laut Mercedes rund ein Prozent, während in Deutschland und Westeuropa fast die 50 Prozent-Marke bei den Neuzulassungen geknackt ist. Die Stuttgarter machen insoweit eine höchst interessante Rechnung auf: Würde der Selbstzünder-Anteil in den USA bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen nur auf 30 Prozent steigen, würde das Land 1,4 Millionen Barrel (ca. 159 Liter) Rohöl sparen - täglich. Das entspricht dem gesamten US-Ölimport aus Saudi-Arabien. Hochgerechnet auf einen Dieselmarktanteil von 50 Prozent ergibt sich ein astronomisches Einsparpotenzial von jährlich rund 133 Milliarden Litern - mit den entsprechenden Folgen für Ressourcenschonung und auch den Ölpreis.

Mercedes hatte im vergangenen Jahr den E 320 CDI noch mit dem Reihen-Sechszylinder in den USA eingeführt. Die erste Bilanz stimmt optimistisch: Der geplante Jahresabsatz von 3.000 Fahrzeugen war bereits nach fünf Monaten ausverkauft. Sollten die jüngsten Ankündigungen des amerikanischen Präsidenten zur steuerlichen Förderung sparsamer Fahrzeuge Wirklichkeit werden, könnte auch die USA möglicherweise vor einem kleineren Diesel-Boom stehen: Besonders schadstoffarme Diesel und Hybridfahrzeuge sollen in den kommenden Jahren mit 2,5 Milliarden Dollar gefördert werden.

Den ersten Diesel-Pkw lieferte Mercedes mit dem 260D im Jahr 1935 aus. Seither verkauften die Stuttgarter eigenen Angaben zufolge rund sieben Millionen Selbstzünder. Der Autobauer erwartet auch für die Zukunft einen weiter steigenden Marktanteil des Diesel.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 09.05.2005  —  # 4233
text Hanno S. Ritter
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