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Dienstag, 12. Dezember 2017,
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Zwei Varianten sollen nächstes Jahr in die Erprobung gehen

IAA: Mercedes präsentiert Sprinter mit Hybrid-Antrieb

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Hybrid-Sprinter
DaimlerChrysler
Auf der IAA Nutzfahrzeuge im September wird Mercedes erstmals einen Sprinter mit Hybrid-Antrieb vorstellen. Geplant sind dabei zwei unterschiedliche Versionen, die ihre elektrische Energie entweder nachts an der Steckdose tanken oder aber über den Dieselmotor beziehen.

In beiden Fällen verfügt der Transporter über ein zwischen Getriebe und Kupplung integrierten Elektromotor. Dieser bezieht seine Energie aus einer Nickel-Metallhydrid-Batterie, die er als Generator während der Fahrt durch die beim Bremsen oder bei Bergabfahrt entstehende Energie wieder auflädt (Rekuperation). Als Basisfahrzeug dient ein Sprinter 311 CDI (3,5 t zGG, Leergewicht 1960 kg) mit Automatikgetriebe.

Die "Plug-in"-Variante besitzt vorne rechts eine Steckdose, über die die Batterien auch bei abgeschaltetem Fahrzeugmotor aufgeladen werden können. Bis die Batterie mit 14 kWh Kapazität voll ist, kann es bis zu sechs Stunden dauern. Zusätzlich wird die beim Bremsen gewonnene Energie zum Aufladen der Batterie verwendet. Insgesamt ergibt sich eine Reichweite von bis zu 30 Kilometern im reinen Elektrobetrieb. Schöner Nebeneffekt ist, dass etwa Handwerker oder Organisationen wie Technisches Hilfswerk und Feuerwehr im Außeneinsatz den Elektromotor als Generator mit einer Leistung bis 40 kW zum Betreiben von Werkzeugen und Aggregaten nutzen können. Die zusätzliche elektrische Ausrüstung wiegt rund 350 kg. Bei Verwendung von Lithium-Ionen-Batterien anstelle der NiMH-Batterien reduziert sich das Mehrgewicht auf 160 kg.

Der Sprinter mit Hybridantrieb ohne Lade-Steckdose verfügt über einen kleineren Elektromotor mit 30 kW und kleinere Batterien mit nur drei kWh Kapazität. Sie ermöglichen einen reinen Elektroantrieb mit einer Reichweite von drei bis vier Kilometern, etwa zum Lieferbetrieb in Fußgängerzonen. Das Mehrgewicht dieser einfacheren Variante beträgt rund 100 kg.

Durch die parallele Anordnung von Verbrennungs- und Elektromotor kann der Hybrid-Sprinter in jeder Situation angepasst betrieben werden: emissionsfrei und lärmarm in sensiblen Bereichen (City, Hallen) im reinen Elektrobetrieb sowie kraftstoffreduzierend im Hybridbetrieb durch die Unterstützung des Verbrennungsmotors durch den Elektromotor bei kleinen Geschwindigkeiten und Beschleunigungsvorgängen. Wird durch Durchtreten des Gaspedals volle Leistung abgefordert, arbeiten beide Motoren gemeinsam. Diese so genannte "Boost-Funktion" bietet sich an, wenn beim Beschleunigen oder am Berg besonders viel Leistung benötigt wird. Im normalen Fahrbetrieb kann der Fahrer per Knopfdruck die gewünschte Antriebsart wählen.

Das alles klingt nicht schlecht, doch Mercedes weist zurecht darauf hin, dass bei einer ganzheitlichen Betrachtung auch der Verlust an Nutzlast sowie die höheren Anschaffungskosten zu beachten sind. Einen Markt für das Fahrzeug sieht man in Stuttgart trotzdem, etwa weil Hybridfahrzeuge steuerlich gefördert werden. Auch ist zu erwarten, dass mittel- bis langfristig weitere Städte dem Londoner Beispiel folgen und eine City-Maut erheben werden. In der britischen Hauptstadt etwa wäre der Hybrid-Sprinter von der Maut befreit. Dennoch: Langfristig bleibt Mercedes bei dem Ziel, den Brennstoffenzellen-Antrieb in der Serie darstellen zu können: Der Hybrid-Sprinter, der ab nächsten Jahr "kundennah" erprobt werden soll, bleibt eine Zwischenlösung.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 09.08.2004  —  # 3392
text Hanno S. Ritter
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